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Mönchengladbach
Viel Zuspruch für Lesben und Schwule beim CSD

Rheydt feiert zum zweiten Mal den CSD
Rheydt feiert zum zweiten Mal den CSD FOTO: Theo Titz
Mönchengladbach. Mönchengladbach feierte seinen ersten Christopher Street Day: Die Veranstaltung auf dem Rheydter Harmonieplatz fand bei ihrer Premiere großen Anklang. Im Vordergrund stand keine schrille Parade, sondern politische Botschaften. Von Julia Nix

Wenn Dragqueen Gene Rose über die Straße läuft, bleibt sie nicht lang allein. "Kann ich ein Foto mit dir machen?", lautet die wohl am meisten gestellte Frage. In ihrer Verkleidung macht die Neu-Mönchengladbacherin meist nur positive Erfahrungen. "Ich hatte schon Mühe, vom Auto bis zum Harmonieplatz zu kommen", sagt sie. Trotz des heißen Wetters sitzt das weiße Glitzeroutfit bis in die Regenbogenwimpern perfekt, und Gene freut sich über den großen Zuspruch, den sie als schillernder Paradiesvogel an diesem Tag bekommt.

Berührungsängste mit dem Thema Homosexualität haben Besucher des Christopher Street Days wie die Rheydterin Yvonne an diesem Samstag nicht. Für einen Abstecher auf den CSD unterbricht sie ihren Einkaufsbummel und trifft dort auf Sina, die aus Köln gekommen ist, um in Gladbach mitzufeiern. Und sie zögert nicht, die Kölnerin anzusprechen.

Sina, die als Mann geboren wurde, outete sich bereits vor vielen Jahren als schwul. Vor einiger Zeit kam der Wunsch hinzu, sich wie eine Frau zu kleiden. Ihr Umfeld reagierte gelassen. "Meine Schwester stellte erstaunt fest, dass wir die gleiche Kleidergröße tragen, und bot mir sofort an, dass ich Klamotten von ihr anziehen darf", erzählt sie. "Ich kann nicht verstehen, warum manche Menschen sich darüber aufregen, wenn jemand schwul oder lesbisch ist, mir fällt das meist gar nicht auf", so Yvonne.

Ein Zeichen der Toleranz wollen an diesem Tag auch Resi Höfges und Tille Schmitz setzen, die für den CSD aus Erkelenz in die Rheydter Innenstadt gekommen sind. "Eigentlich wollten wir zum CSD nach Köln, nur war es an dem Tag so heiß, dass wir nicht gefahren sind. Aber meine Tochter sagte mir, dass ich die Gelegenheit hätte, am ersten CSD in Mönchengladbach teilzunehmen", sagt Höfges. Auch für sie ist das Thema Homosexualität längst Alltag, da sie eine lesbische Tochter hat. "Und meine Tochter hat die tollste Partnerin, die man sich nur wünschen kann", ergänzt sie strahlend.

Doch auch von negativen Erfahrungen wissen Homo- oder Transsexuelle zu berichten. Hartmut Kleinen und Harald Waas aus Jüchen sind bereits seit mehr als 20 Jahren ein Paar und seit fünf Jahren offiziell verpartnert. Sie berichten von plötzlichen Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten in ihrem Umfeld trotz langer Bekanntschaft.

Um die Belange von Schwulen und Lesben dreht sich die Podiumsdiskussion mit Lokalpolitikern. Frank Eibenberger, Ratsherr der CDU, Anita Parker, Kreisvorsitzende der Grünen, Torben Schultz, Linken-Fraktionschef, Nicole Finger, Fraktionsvorsitzende der FDP, Felix Heinrichs, Fraktionsvorsitzender der SPD, sowie Ulas Sazi Zabci, Ratsherr der "Partei", sprechen mit Moderator Georg Roth über Probleme und Wünsche von Schwulen, Lesben und Transgender. NRW-Staatssekretär Karl-Heinz Krems, der die Eröffnungsrede hielt, bringt das Anliegen auf den Punkt: "Ich schäme mich ein Stück weit dafür, dass wir von Irland und den USA in Bezug auf die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare überholt wurden."

Dass das Thema Homosexualität in der Politik oft nur eine untergeordnete Rolle spielt, zeigt die anschließende Diskussion. Ein runder Tisch, der zum Ende der Gesprächsrunde beschlossen wird, soll dies jedoch zeitnah ändern. "Ladet uns ein", bittet Nicole Finger schließlich die Mitglieder des CSD-Vereins, um zeitnah im Gespräch zu bleiben. Viele Besucher setzen zum Ende der Kundgebung ein deutliches Zeichen für eine buntere Stadt: Sie unterzeichnen mit allen Politikern eine Erklärung der Toleranz und sichern so zu, die Belange von Homosexuellen zu unterstützen.

Quelle: RP
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