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Mönchengladbach
Vielerley merckwürdige Dinge

Mönchengladbach: Vielerley merckwürdige Dinge
FOTO: Knappe,Joerg (jkn)
Mönchengladbach. Kunst und Kuriositäten aus allen Ländern wurden in Kunstkammern gesammelt. Im Museum Schloss Rheydt werden ab Sonntag Artefakte aus der eigenen Sammlung und aus dem Residenzschloss Friedenstein in Gotha gezeigt. Von Inge Schnettler

Nachdem Johann Georg Keyßler 1719 die Kunstkammer im Residenzschloss Friedenstein in Gotha besucht hatte, schrieb er in einem Reisebericht, diese sei "mit vielerley merckwürdigen Dingen angefüllet". Mit dem Begriff "merckwürdig" meinte er "unbekannt, neu, interessant, sehenswert". Bis heute ist die bemerkenswerte Sammlung, die Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha hatte anlegen lassen, nahezu vollständig. Die Ausstellung, die den Ausspruch Keyßlers als Titel trägt, ist eine Zusammenführung von Artefakten aus der Gothaer Sammlung und Werken aus der Kunst- und Wunderkammer des Museums Schloss Rheydt. Im Rittersaal wird die Präsentation am Sonntag, 6. März, um 15 Uhr eröffnet. Anschließend geht es zum Schauen und Staunen in die Ausstellung in der Vorburg.

Die Zeit der Renaissance findet Museumsdirektor Dr. Karlheinz Wiegmann total spannend. "Damals wurde die Welt neu entdeckt, alles Unbekannte wurde wissbegierig untersucht, es war eine große Faszination", sagt er. Die Kuriositäten, die plötzlich auftauchten - Schnecken, Muscheln, Elfenbein, Korallen, Kokosnüsse - wurden bewundert und gesammelt. Die Kunst- und Wunderkammern waren geboren. "Das waren die Vorläufer der Museen." Zu dieser Zeit wurde nicht zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Design unterschieden. Alles gelangte in die Kunstkammern, alles wurde gleichermaßen bewahrt: Kunst, Handwerk, Natur und Wissenschaft.

Staunen wird der Besucher der Ausstellung im Museum Schloss Rheydt ganz sicher. Was es da alles zu sehen gibt: die Säge eines Sägerochens, anatomische Modelle von schwangeren Frauen zum Aufklappen, kunstvolle Objekte aus Elfenbein und Koralle, ein japanisches Langschwert, eine Taschensonnenuhr, Kompasse, Ananas- und Kokosnusspokale, das baumwollene Hemd und die Hausschuhe eines arabischen Prinzen, ein Globus aus Marmor. Auf orangen Farbfeldern werden die Exponate aus Gotha präsentiert, auf knallpinkem Untergrund die Rheydter.

Und dann sind da noch die Kabinettschränke, kunstvoll geschreinert, mit bildlichen Darstellungen versehen und der Knaller jeder gesellschaftlichen Zusammenkunft. "Es war tatsächlich so, dass die Regenten zeigten, was sie besaßen", sagt Wiegmann. Nachdem an der üppig kostbar eingedeckten Tafel fürstlich gespeist worden war, öffneten die Gastgeber ihre Schränke und zeigten, welche Kostbarkeiten in ihnen schlummerten.

Ute Däbritz, Kustodin des Museums Schloss Friedenstein und da zuständig für das Kunsthandwerk und insbesondere für die Kunstkammer, hat aus Gotha einen Kabinettschrank mitgebracht. "In den Schubladen und Fächern wurden etwa Mineralien und Elfenbeinkugeln aufbewahrt", sagt sie. Auch das Museum Schloss Rheydt steuert entsprechendes Mobiliar bei. "Das sind hochinteressante Schränke, die noch längst nicht bis in die Details zu Ende erforscht sind", sagt Karlheinz Wiegmann.

Die Ausstellung "Vielerley merckwürdigen Dinge" ist bis zum 10. Juli im Schloss Rheydt zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr, Samstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Montags sind das Museum und die Wallanlage geschlossen.

Quelle: RP
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