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Redaktionsgespräch
Vier Unternehmer diskutieren über Werte

Redaktionsgespräch: Vier Unternehmer diskutieren über Werte
Dr. Dieter Langen ist Inhaber von DLL Dieter Langen Liegenschaften. Der Immobilien-Bestandshalter sitzt an der Pescher Straße. FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Johannes Hansen, Dieter Langen, Stefan Rauschen Und Markus Dannhauer - die Vertreter unterschiedlich großer Mönchengladbacher Firmen diskutieren untereinander über unternehmerische Verantwortung. Von Angela Rietdorf, Jan Schnettler und Detlef Ilgner (Fotos)

Es ist mal wieder ein Anglizismus und noch dazu ein besonders sperriger und unhandlicher - Corporate Social Responsibility, kurz CSR. Aber ohne diesen Begriff geht es nicht, denn nach ihm ist die EU-Richtlinie benannt, die am 6. Dezember 2016 in deutsches Recht umgesetzt wird.

Der deutsche Name des Gesetzes ist auch nicht handlicher und vor allem nicht anschaulicher: Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten. Worum es eigentlich geht, fasst Dr. Dieter Langen, Mönchengladbacher Unternehmer, treffend so zusammen: "CSR ist mal wieder ein neudeutscher Modebegriff. Vor 150 Jahren nannte man das unternehmerische Verantwortung."

Johannes Hansen ist Leiter Personalwesen bei Refresco Deutschland GmbH. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Herrath. FOTO: Ilgner Detlef

Diese Verantwortung umfasst Arbeitnehmerrechte ebenso wie Umweltfragen, Arbeitsbedingungen im Ausland ebenso wie im Inland, den Umgang mit Lieferanten ebenso wie mit Mitarbeitern. Soziales Engagement gehört genauso dazu wie Anti-Korruptionsmaßnahmen. Mit dem neuen Gesetz, das börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zur regelmäßigen Berichterstattung verpflichtet, rückt die CSR, die in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung gewonnen hat, stärker in den Fokus. Moderiert von Michael Obst (Relations & Co) diskutieren Markus Dannhauer (mdcp-Agentur), Johannes Hansen (Refresco), Dr. Dieter Langen (DLL) und Stefan Rauschen (Wach- und Schließgesellschaft) über die Bedeutung von CSR.

Was bedeutet Corporate Social Responsibility für Ihr Unternehmen? Ändert sich durch die Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht etwas?

Hansen Für uns ergibt sich durch die neue Gesetzesregelung keine grundlegende Änderung. Das Thema ist seit etlichen Jahren von wachsender Bedeutung. Ein Unternehmen wie Refresco, das international einkauft, muss sich schon seit längerem mit Umwelt- und Sozialfragen auseinandersetzen. Wir werden in vielen Bereichen zertifiziert, zum Beispiel auch durch UTZ, Fair Trade und Rainforest Alliance. Ohne Engagement im Bereich CSR geht es gar nicht mehr. Die Verbraucher sehen uns in der Mithaftung für die Lieferketten. Unsere Kunden erwarten, dass wir positiv Einfluss nehmen in Fragen des Umweltschutzes, des nachhaltigen Wirtschaftens oder der fairen Bezahlung. Für diese Themen engagieren wir uns im internationalen Verband der Fruchtsaftindustrie (AIJN). Als Unternehmen bereiten wir gerade ein großes Maßnahmenpaket vor, bei dem Nachhaltigkeitsaspekte und soziale Aspekte in einem Block zusammengefasst werden. Wir werden hier unsere eigenen Standards setzen.

Markus Dannhauer ist Inhaber der MDCP Messen & Marketing GmbH & Co KG. Die Event- und Messeveranstaltungsagentur sitzt Im Buscher Feld. FOTO: Ilgner Detlef

Langen Was Sie beschreiben, ist ein fantastisches Beispiel für den globalen Wettbewerb im Bereich CSR. Die unternehmerische Verantwortung gehört heute zur Kernstrategie, gerade bei einem Lebensmittelkonzern. Ohne sie kann man dauerhaft am Markt nicht erfolgreich sein. Allerdings ist das noch nicht bei allen Unternehmen angekommen. Bei Banken oder Textilunternehmen zum Beispiel. Auch dass Unternehmen dort Steuern zahlen, wo sie tätig sind, gehört dazu. Auf Dauer wird es weltweit zu einem Wettbewerb im Bereich CSR kommen.

Hansen Ja, auch weil in vielen Fällen Ökologie und Ökonomie nahe bei einander liegen. Wenn wir zum Beispiel nahe beim Kunden produzieren, schonen wir die Umwelt und senken die Kosten. RAUSCHEN Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und für mich bedeutet Verantwortung zu allererst, mich um die Mitarbeiter zu kümmern, bei Krankheit, finanziellen Schwierigkeiten oder bei einem Pflegefall in der Familie. Wenn wir spenden, dann an örtliche Organisationen, damit jeder sieht, dass das Geld auch ankommt. So haben wir das anlässlich unserer Hundertjahrfeier 2009 gemacht.

Dannhauer Bei uns als kleiner Eventagentur mit zwei Mitarbeitern läuft das alles etwas anders. Für mich ist es wichtig, mich ehrenamtlich zu engagieren, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Aber das sind private Aktionen, darüber rede ich nicht so gern. Mir ist es aber schon wichtig, dass mein direktes Umfeld, also Geschäftspartner und Lieferanten, dies wahrnimmt.

Stefan Rauschen ist Geschäftsführender Gesellschafter der Wach- & Schließgesellschaft mbH & Co KG Mönchengladbach mit Sitz an der Süchtelner Straße. FOTO: Ilgner Detlef

Ist es nicht falsche Bescheidenheit, Aktivitäten im Bereich CSR nicht publik zu machen? Schließlich nützt es dem eigenen Unternehmen und andere können dem Vorbild folgen.

Langen Man sollte so weit wie möglich zwischen dem privaten und dem geschäftlichen Engagement unterscheiden. Über die privaten Aktivitäten rede ich auch nicht. Im geschäftlichen Bereich ist das anders. Da sollte man auch kommunizieren, was man tut. In diesem Bereich habe ich in den letzten Jahren umgelernt. Wir beschäftigen deshalb seit anderthalb Jahren einen Mitarbeiter, der sich um Marketing, PR und unsere Homepage kümmert. Ich finde es zum Beispiel aber auch wichtig, Handwerker und Lieferanten als Partner zu behandeln. Das bedeutet unter anderem, dass die Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Auch ein fairer Umgang miteinander gehört für mich zu CSR. Wir engagieren uns außerdem im Umwelt- und Kulturbereich, bei den Kirchen und unterstützen auch die Flüchtlingshilfe. Es geht immer darum, als Unternehmer die Werte, über die man redet, auch vorzuleben. Wer keine Werte hat, kann sie allerdings auch nicht vertreten. Dann ist CSR nichts anderes als der Ablasshandel zu Luthers Zeiten. Oder modern ausgedrückt "Greenwashing".

Rauschen Ich finde es in vielen Fällen besser zu schweigen. Die Lokalpresse wird gerade vor Weihnachten mit einer Riesenflut an Spendenaktionen überschwemmt. Das muss man nicht mitmachen. Wir stellen das höchstens auf die Homepage, das reicht.

Müssen sich durch das neue Gesetz jetzt alle mehr mit CSR beschäftigen?

Hansen Dazu gibt es schon jetzt vielfältige Aktivitäten in unserem Hause. Bei uns beispielsweise werden zukünftig Anti-Korruptionsprozeduren Teil des Arbeitsvertrages, das heißt, es wird klar geregelt, wie Mitarbeiter auf Probleme aufmerksam machen können. Auch das ist Teil von CSR.

Bedeutet das, dass schon genug getan wird? Sind wir am oberen Limit?

Langen Mehr geht immer. Es muss allerdings auch finanzierbar sein. Es gibt überall das Problem der Aldisierung: Der Kunde will zum Beispiel keine Massentierhaltung, biologisches Futter und trotzdem billiges Schweinefleisch. Das passt nicht zusammen. Auf die Immobilienbranche übertragen heißt das, wenn energetisch saniert wird, dann muss sich das auch in den Mieten widerspiegeln können.

Dannhauer Als Unternehmer kann man immer etwas tun, egal wie groß das Unternehmen ist oder welche finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Man kann auch mit anderen Selbstständigen kooperieren, das tun wir zum Beispiel beim Christkindlmarkt. Bei uns Kleinunternehmern ist das geschäftliche Engagement nicht wirklich vom privaten zu trennen. Ich engagiere mich beispielsweise ehrenamtlich im Flüchtlingsbereich, wir unterstützen die Jugendarbeit der Karnevalsfreunde Schwarz-Gold Odenkirchen und verschiedene Fördervereine in der Region. Dazu kommen ehrenamtliche Tätigkeiten als Schöffe oder in IHK-Prüfungsausschüssen.

Hansen Beim Thema CSR finde ich den Innenaspekt sehr wichtig. Durch lokalen Bezug - beispielsweise durch die Förderung von Sportvereinen oder Naturschutzaktivitäten - können sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. Auch für sie ist es wichtig, dass sich nicht alles nur am Profit orientiert, sondern auch soziale Verantwortung eine Rolle spielt.

Ist nicht eigentlich jeder Unternehmer zur CSR verpflichtet? Ganz einfach weil sie auch betriebswirtschaftliche Auswirkungen hat?

Rauschen Ich meine, dass wir als Unternehmer verpflichtet sind, gute Praktikums- und Ausbildungsplätze anzubieten. Um gute Leute nicht abwandern zu lassen. Und auch um anderen eine Chance zu geben. Wir haben zum Beispiel auch Auszubildende eingestellt, die kein so gutes Zeugnis, aber eine gute Empfehlung ihres Lehrers hatten. Und sie sind einen sehr guten Weg gegangen.

Langen CSR wird zum Wettbewerbsfaktor werden wie vor einigen Jahren das Qualitätsmanagement. Aber eigentlich ist es nichts Neues. Das wurde auch schon von früheren Unternehmern gelebt. Es ist wertebasiertes Management. Das hat in dieser Stadt Tradition. Im 19. Jahrhundert haben Textilunternehmer Werkheime gebaut, um ihre Arbeiter aus unzumutbaren Wohnungen zu holen.

Dannhauer Auch wir Kleinen spüren diesen Wettbewerbsfaktor, denn unsere Kunden achten darauf, dass die beauftragten Dienstleister sich an CSR halten.

Das wirkt sich dann natürlich auch positiv auf die Arbeitsleistung aus. Ist CSR heute ein Argument im Wettbewerb um die besten Köpfe?

Langen Je besser das Know-how des Mitarbeiters, desto höher ist auch der Anspruch an das Unternehmen und seine Werte.

Hansen Gut qualifizierte junge Leute fragen tatsächlich heute schon im Vorstellungsgespräch nach sozialen und nachhaltigen Aktivitäten des Unternehmens. Da hat sich einiges geändert. 1990 wäre das noch kein Thema gewesen. Außerdem trägt CSR zur Motivation der Mitarbeiter bei und hochmotivierte Mitarbeiter schaffen mehr. Es schlägt sich auch positiv im Krankenstand und in der Effizienz nieder. Wir sind gerade dabei, europaweit Mitarbeiterbefragungen durchzuführen und auszuwerten. Es werden Fragen zu fünf Themenkreisen gestellt, zum Beispiel zum Thema Führung, zum respektvollen Umgang, aber auch zur Identifikation mit dem Unternehmen. Das ergibt sehr interessante Ergebnisse, die zu Veränderungen führen werden, so dass die Mitarbeiter merken, dass sie Einfluss haben. Möglichkeit zum Nachsteuern.

Rauschen Unsere Mitarbeiter haben das Unternehmen im vergangenen Jahr beim Wettbewerb "Gladbachs beste Arbeitgeber" vorgeschlagen. Die Bewerbung ist ausschließlich über sie gelaufen. Das finde ich toll. Ebenso wie ich es selbstverständlich finde, die Leute ohne Wenn und Aber vernünftig zu bezahlen. In diesem Zusammenhang empfinde ich einen starken Betriebsrat übrigens auch als sehr positiv. Er eröffnet die Möglichkeit zum Nachsteuern.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, eine CSR-Strategie zu haben?

Langen Sehr wichtig. Das Ganze hat natürlich nur dann einen Effekt, wenn es nachhaltig angelegt ist. Dann allerdings kann man damit nicht nur das eigene Image verbessern, sondern auch eine große Innenwirkung erzielen. Ein Beispiel: Unsere gewerblichen Mitarbeiter kamen auf uns zu und wollten gerne Arbeitskleidung haben. Aber nicht irgendeine neutrale, sondern eine mit dem Namen des Unternehmens.

Hansen Eine Strategie, die das gesamte Umfeld bedenkt, ist sicher sinnvoll. Wir geben nicht nur eine Mitarbeiterzeitschrift heraus, wir schicken sie unseren Leuten auch nach Hause. So kann auch die Familie sehen, wo Papa oder Mama arbeiten und welche Themen für das Unternehmen besonders wichtig sind.

Quelle: RP
 
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