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Mönchengladbach
Virtuelle Bücherei statt Neubau

Mönchengladbach: Virtuelle Bücherei statt Neubau
Der Wickrather Dr. Friedrich Bode hat vor 14 Jahren die Digitale Bibliothek NRW mit aufgebaut. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Keine Millioneninvestition in Beton, sondern Aufbau einer Bibliothek mit E-Books und E-Audios. Das fordert Dr. Friedrich Bode. Der Wickrather hat Ende der 90er Jahre die "Digitale Bibliothek NRW" auf den Weg gebracht. Er wundert sich, dass Ampel-Politiker so rückwärtsgewandt planen. Von Dieter Weber

Die Pläne von SPD, FDP und Grünen, für einen zweistelligen Millionenbetrag ein neues Bücherei-Gebäude in Mönchengladbach zu bauen, haben Dr. Friedrich Bode aufgeschreckt. "Das halte ich für falsch. Statt Millionen in Beton zu investieren, sollte die Stadt eine virtuelle Bücherei aufbauen. Das spart Personal und finanzielle Ressourcen", sagt der 66-Jährige. Er weiß, wovon er spricht: Von 1996 bis 2010 war der Wickrather im NRW-Wissenschaftsministerium Leiter des Referats für Bibliotheken, Medien, Internet und Datenverarbeitung. Und er war 1998 derjenige, der die "Digitale Bibliothek NRW" auf den Weg gebracht hat. Bode: "Die meisten Bibliothekare in den Hochschulen haben damals erbittert Widerstand geleistet. Heute ist das eine anerkannte Vorzeige-Bibliothek."

Bode hat vor Ort recherchiert und spricht der Mönchengladbacher Bibliothek ein großes Lob aus: "Sie ist auf einem sehr guten Weg und bietet zahlreiche digitale Medien an. Auch die Möglichkeit, Medien digital abzurufen, ist bereits gegeben. Dann sollte man doch auch entschlossen den nächsten Schritt gehen." Für ihn bedeutet das nicht, gleich eine virtuelle Bibliothek in Reinform aufzubauen. "Ich denke eher an eine hybride Bücherei: Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften werden vorerst weiterhin ausgeliehen. Aber der Nutzer sollte sich E-Books, E-Audios, E-Magazine und E-Videos außerdem herunterladen können."

Den Kontakt zwischen Bücherei und ihren Nutzern würde Bibliotheks-Fachmann Bode sogar noch weiter ausbauen und in allen Stadtteilen Lesesäle aufbauen. Dies könne auch in Zusammenarbeit etwa mit Kirchen oder anderen Verbänden geschehen. "Da kann der Nutzer nicht nur Zeitungen oder Zeitschriften lesen und bestellte Bücher abholen. Er wird hier auch eingewiesen, wie er Bücher, Musik und Filme herunterladen kann."

Und was würde er tun, um die bestehende Stadtbücherei fit zu machen für eine Bibliothek der Zukunft? Sein erster Schritt: Eine Vielzahl der vorhandenen Medien in ein Magazin ("Das ist die schlafende Bibliothek") auslagern. "Tatsache ist doch, dass ein Drittel der Bücher nie oder selten gelesen wird. Das weiß jeder Bibliothekar. Er weiß nur nicht, welche Bücher zu diesem Drittel gehören werden." Die ausgelagerten Medien verschwinden nicht, sie bleiben ausleihbar: Es dauert dann einen Tag, bis das Medium nach der Bestellung zur Verfügung steht. Noch stärker betonen würde Bode die Präsenzbibliothek mit verschiedenen Standorten und besonders nachgefragten Medien – da spielt dann die digitalisierte Form eine immer größere Rolle. Und es gibt zum Ausleihen einen E-Book-Reader wie etwa den Kindle von Amazon. Bode: "Es ist mir klar, dass im Vorfeld noch rechtliche Fragen geklärt werden müssen. Meiner Meinung nach ist so ein Konzept zügig umzusetzen." In Münster arbeiten bereits elf Bibliotheken des Bistums und vier kommunale Büchereien des Kreises Warendorf nach einem ähnlichen Prinzip.

Sollte die Stadt Mönchengladbach das Konzept einer kommunalen Digitalen Bibliothek weiter verfeinern und ausbauen, geht Bode sogar davon aus, dass sie dafür Fördermittel in Anspruch nehmen könnte. Die notwendige Software, die zum Beispiel die Ausleihe regelt und auch Mahnungen auf den Weg bringt, gibt es schon. "Das Land hat für seine digitale Bibliothek die notwendigen Lizenzen gekauft. Die Module können ohne große Probleme und zusätzliche Kosten übernommen werden." Gladbachs Politiker müssten nur entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollen: Wollen sie auf der Stelle treten oder bereits schrittweise eine Bibliothek der Zukunft aufbauen?

Quelle: RP
 
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