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Mönchengladbach
Virtuelle Medien verursachen reale Probleme

Mönchengladbach. Datensammelei, Ortungssysteme, Arbeitgeber, die sich durch Partyfotos von Bewerbern klicken: Bei einer Diskussion im Gymnasium am Geroweiher ging es um die "digitale Pubertät" der Gesellschaft. Von Angela Wilms-Adrians

57 Seiten umfasst das Kleingeschriebene der Allgemeinen Geschäftsbedingungen von iTunes. Gelesen werden sie selten, und doch sind sie für Millionen Nutzer digitaler Medien tägliche Realität mit massiven Spuren. Unter dem launigen Titel "Digitale Pubertät der Gesellschaft - Hilfe, meine Eltern gehen online" befasste sich nun eine Podiumsdiskussion im Gymnasium am Geroweiher mit den Auswirkungen der neuen Medien. Organisiert wurde sie von der Planungsgruppe um Ex-Lehrerin Bärbel Schilling.

Glücklich, sich nicht mit virtuellen Gästen begnügen zu müssen, begrüßte Schulleiter Dr. Christian Dern die Referenten Holger Joseph, Geschäftsführer JCS Joseph Computer und Service GmbH, und Erik Winterberg, Geschäftsführer Elements of Art. RP-Redaktionsleiter Ralf Jüngermann moderierte die anschließende Gesprächsrunde mit Eltern, Lehrern und Schülern, während Dr. Günter Krings, Bundestagesabgeordneter der CDU, sowie die Schülerin Emily Gottschalk und der Informatikstudent Konrad Wolsing die Gruppe verstärkten.

Joseph betonte: "Es gibt nichts umsonst". "Payback" nannte er eine "gigantische Datensammelmaschine" mit der Absicht, Käuferprofile zu erstellen. Mit Blick auf Facebook warnte er: "Bedenkt, was ihr da rein schreibt - und vor allem, welche Bilder ihr da rein stellt". Er selbst würde sich bei Bewerbern zunächst ansehen, wie sie sich selbst in diesem Medium präsentieren. Winterberg sah gar eine durch die Digitalisierung bedingte Veränderung in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Es sei zu einem Rollentausch gekommen. Früher hätten die Eltern zu ihren Kindern gesagt: "Passt auf", heute warnten oft Kinder ihre Eltern mit gleichen Worten.

Ein Blick ins Netz zeige, dass die Generation der 20- bis 30-Jährigen zurück zu alten Werten gehe, zu Dingen, die man wieder beherrschen könne. In der Diskussion gestand die 16-jährige Emily, dass sie zwar von Ortungssystemen bei WhatsApp gewusst, aber nicht bedacht habe, dass immer alles gespeichert werde. Jüngermann provozierte die Schüler mit kniffligen Fragen, etwa zur Kompetenz der Lehrer in Sachen neue Medien und schulinternen Regeln. Das Smartphone-Verbot für jüngere Jahrgänge schien allgemein akzeptiert zu werden. Thema waren auch Mobbing und die geringe Hemmschwelle im Schutz der Anonymität. Beim Abwägen von Chancen und Risiken empfahl Dr. Günter Krings eine verantwortungsvolle Nutzung - "virtuell, um real besser zurechtzukommen".

Quelle: RP
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