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Montessori-Grundschule zu Besuch auf dem Lenßenhof
Vom Acker auf den Tisch

Montessori-Grundschule zu Besuch auf dem Lenßenhof: Vom Acker auf den Tisch
Ute Frey vom Bioland Lenßenhof erklärt den Schülern, was sie mit Sellerie, Frühlingszwiebeln, Salat und Kohl alles zaubern können. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Wie sehen Kartoffeln auf dem Feld eigentlich aus und wie erntet man Fenchel? Auf dem Lenßenhof in Odenkirchen haben die Kinder der Montessori-Grundschule geerntet, geschnippelt, gekocht - und natürlich probiert. Von Angela Rietdorf

Die Kinder schnuppern am Dill. Der riecht intensiv, aber sie erkennen den Geruch erst mal nicht. Daniela, angehende ökologische Gemüsegärtnerin auf dem Lenßenhof, erklärt den Grundschülern, was Dill ist und wozu man ihn verwendet. Jamie steckt ihn vorsichtig in den Mund, doch die Vorsicht weicht der Begeisterung. "Echt lecker", findet der Siebenjährige. Dann werden Radieschen geerntet und feldfrisch auch gleich probiert. Die mag nun nicht jeder, aber Ian verkündet: "Ich liebe Radieschen."

Auch Daniela hat noch schnell ein Radieschen gegessen, bevor sie mit ihrer Gruppe auf den Hof zurückkehrt. Dort haben inzwischen andere Schüler der Montessori-Grundschule Gemüse und Kartoffeln klein geschnitten und in große Pfannen verfrachtet. Kaja rührt. Blumenkohl, Paprika, weiße Möhren sind schon drin, Knoblauch fehlt noch. Kaja hat schon mal abgeschmeckt und ist mit dem Ergebnis zufrieden. In einer zweiten Pfanne braten die Kartoffelchips, die bei den Kindern für besonders große Begeisterung sorgen. Sie werden aus der alten Kartoffelsorte "Rote Tannenzapfen" hergestellt, einer Sorte, die mehlig schmeckt und mit ihrem knubbligen Aussehen äußerlich an Ingwerwurzeln erinnert.

Mit Kartoffeln hat die Montessori-Klasse schon im vergangenen Jahr Erfahrungen auf dem Lenßenhof gesammelt: Da haben die Grundschüler Kartoffeln gepflanzt, geerntet und später zu St. Martin für einen guten Zweck verkauft. Jetzt sind sie wieder da, denn auf dem Hof des Biobauern Joachim Kamp-hausen findet der Kochtag statt, der vom "Zeit"-Magazin und dem Bioland-Verband ausgerichtet wird. "Wir beteiligen uns zum zweiten Mal daran", sagt Landwirt Joachim Kamphausen. Im letzten Jahr wurde mit Kunden gekocht, diesmal sind die Kinder dran. "Wir wollen zeigen, wie gut Selbstgekochtes schmeckt und dass man auch krumme Möhren gut verwenden kann", erklärt der Biobauer. Und natürlich wird auch selbst geerntet, damit die Kinder sehen, wo das Gemüse und die Kräuter eigentlich herkommen und wie die Pflanzen aussehen, wenn sie auf dem Feld wachsen.

Allerdings ist es noch ein bisschen früh im Jahr, um schon viel von den Feldern des Lenßenhofes zu ernten. Aber Knoblauch gibt es schon, Radieschen und Zwiebeln und natürlich Kräuter. Unter hellem Vlies wird unter anderem Fenchel herangezogen. Die Kinder stecken ihre Hände darunter und sind überrascht, wie warm es sich unter dem Vlies anfühlt. Dann nehmen sie die Kästen mit den selbstgeernteten Kräutern und bringen sie zum Hof zurück, wo sie der Gemüsepfanne ihr besonderes Aroma verleihen. Die Kinder sitzen auf einem Mäuerchen, können den Schwalben zusehen und essen selbst gekochte Gerichte aus kleinen Schalen aus Bambusblättern. Es schmeckt ihnen augenscheinlich. "Die Kinder sind wirklich mit Feuereifer dabei", sagt ihre Klassenlehrerin Almut Kirsch.

Das Thema Ernährung gehört in der Montessori-Grundschule zum Schulstoff. "Wir sprechen dabei auch immer über das gesunde Frühstück", sagt die Pädagogin. "Die Kinder sollen nur noch einmal pro Woche Süßigkeiten in der Brotdose mitbringen." Das sei leider in letzter Zeit wesentlich häufiger passiert. Gut, dass sie jetzt so positive Erfahrungen mit gesundem Essen machen. Natürlich schmeckt nicht jedem Kind alles. Nicole hat Rucola probiert und schüttelt sich. Nein, das ist nicht ihr Ding.

Quelle: RP
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