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Mönchengladbach
Vom Acker direkt auf den Mittagstisch

Mönchengladbach: Vom Acker direkt auf den Mittagstisch
Im Bauernladen wie dem von Sabine Lingen landen krummes Obst und Gemüse nicht direkt im Müll, sondern erstmal auf der Warentheke - und im besten Fall schließlich auf dem Teller. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Von der Produktvielfalt bis zur netten Atmosphäre: Es gibt viele Gründe, warum sich ein Besuch im Bauernladen lohnt. Von Laura Laermann

Die Sonne scheint, frische saubere Luft liegt in der Nase, rund herum sind weite Felder und viel Grün. Heute geht es in den Bauernladen Lingen. Rote leuchtende Erdbeeren und saftiger Spargel sind das Erste, was pünktlich zur Saison ins Auge springt. 30 Kisten verschiedener Gemüsesorten schmücken eine ganze Wand. Auch Wein, Nudeln, Schwarzbrot, Schinken und viele andere Köstlichkeiten finden ihren Platz im kleinen Hofladen.

Kein Wunder, dass so aufgefahren wird, denn der Trend bei den Konsumenten geht in den vergangenen Jahren eindeutig in Richtung regionale und saisonale Produkte. Der BMEL-Ernährungsreport 2016 zeigt das Ergebnis einer Forsa-Umfrage, nach der es 76 Prozent von 1000 Befragten wichtig ist, dass ein Lebensmittel aus ihrer Region kommt. Dieses Angebot gibt es zwar auch im Supermarkt, doch wenn man ganz genau wissen möchte, von welchem Bauern das Gemüse kommt, kann man das im Hofladen erfahren. Die Landwirtschaft Lingen (Adresse: Winkeln 80) baut Kartoffeln an und bezieht Gemüse von befreundeten Bauern, um ihren Kunden regionale Vielfalt anzubieten. "Neben unserem Hofladen haben wir noch einen Kartoffelschälbetrieb", erklärt Sabine Lingen. "Wir beliefern Restaurants, Kindergärten, Schulen und andere Großküchen." Denn nur mit einem Bauernladen kann sich heute kaum einer seine Brötchen verdienen.

Die unzähligen Supermärkte bieten große Auswahl zu kleinem Preis und sind an zentralen Standorten leicht erreichbar. Doch auch ein Bauernladen hat seine Vorzüge, die die Kundschaft zu schätzen weiß. Allein die nette Atmosphäre, der kurze Plausch an der Verkaufstheke oder, wie es im Wirtschaftslexikon heißen würde, die "Kundennähe", sind gute Argumente für einen Einkauf im Hofladen. Auch bei Lingen sind die meisten per Du, man kennt sich hier und plaudert über Gott und die Welt.

Interessant sind die vier Spargelkisten unterschiedlicher "Qualität" zu verschiedenen Preisen. "Geschmacklich unterscheiden sich die Qualitätsklassen nicht. Allein die Optik macht den Preis", sagt Sabine Lingen. Die Entscheidung nach optischen Kriterien gehört zum Verbraucherverhalten, das sich über Jahre aus der Perfektion im Supermarkt heraus entwickelt hat. Alles glänzt dort in satten Farben, ist gerade und wohl geformt.

Dass EU-Richtlinien diese Kriterien teilweise vorgeben und damit diese Wahrnehmung unterstützen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Warum krummer Spargel, wenn man perfekt geraden haben kann?

Wer die volle Auswahl allerdings noch haben möchte, kann also einfach in einen Bauernladen gehen. Denn dort landen krummes Obst und Gemüse nicht direkt im Müll, sondern erst einmal auf der Warentheke - und im besten Fall schließlich auf dem Teller.

Quelle: RP
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