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Serie Was Macht Eigentlich?
Vom härtesten Sport der Welt zum Banker

Serie Was Macht Eigentlich?: Vom härtesten Sport der Welt zum Banker
Nun gibt es viel Zeit für Gemeinsames: Brigitte und Horst Wateler. FOTO: KN
Mönchengladbach. Horst Wateler hatte als junger Mann zwei Traumberufe: Radsportprofi oder "Verkäufer". Für den ersten hat es letztlich nicht ganz gereicht, den zweiten Berufswunsch hat er sich erfüllt. 48 Jahre lang war er bei der Stadtsparkasse und wurde schließlich Vorstandsvorsitzender. Von O. E. Schütz

Ins gemachte Bett wollte er sich nicht legen, obwohl es bereitstand: Der Vater hatte zusammen mit seinem Schwager eine kleine Fleischwarenfabrik in Rheydt, Coenen und Wateler, die Mutter einen Edeka-Laden. Weitere Kinder hatten die beiden nicht. Doch Horst Wateler, in den Nachkriegsjahren in einem "behütenden Elternhaus" aufgewachsen, hatte anderes im Sinn: "Ich wollte immer etwas verkaufen, aber nicht hinter der Theke, sondern draußen, Produkte und Dienstleistungen." Oder auch sich selbst - nämlich sein Talent als Radrennsportler. Das könne eventuell zum Profi reichen, meinten damals die Fachleute im RC Sprint Mönchengladbach-Rheydt über den jungen Mann. Hat es letztlich aber dann doch nicht ganz - siehe unten.

Vertane Zeit waren die jährlich bis zu 25 000 Kilometer auf dem Rennrad aber keineswegs. Horst Wateler hat in den fünf, sechs Jahren Radrennsport als Jugendlicher und dann als sehr ambitionierter Amateur im "härtesten Sport der Welt", wie er ihn einschätzt, zwei Dinge gelernt und verinnerlicht, die ihm dann auch in seinem bürgerlichen Beruf zugutekommen sollten: Zielbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Fairness.

Geworden bzw. geblieben ist Horst Wateler so das, was er nach dem "Einjährigen" am Rheydter Hugo-Junkers-Gymnasium und der Handelsschule bei der damaligen Städtischen Sparkasse Rheydt gelernt hat: Bankkaufmann bzw. Sparkassenkaufmann, wie es früher hieß. Und zwar ein "Verkäufer". Walter Herms, nach der Fusion des Rheydter und des Gladbacher Hauses 1976 zur großen Stadtsparkasse Mönchengladbach Vorstands-Vorsitzender, ließ den 28-Jährigen ins Chefbüro kommen und bot ihm den Posten als Leiter des Firmenkunden-Centers am Bismarckplatz an. "Sie bringen als Sohn eines Elternhauses, in dem Vater wie Mutter selbstständige Kaufleute sind, das nötige Verständnis für die Interessen, Sorgen und Nöte dieser Kunden mit", sagte Herms. Und Horst Wateler ergriff die schon etwas überraschende Chance: "So konnte ich mein Interesse am Verkaufen optimal mit meiner Ausbildung verbinden", sagt der 67-Jährige, der am 30. April 2013 als Vorstands-Vorsitzender ausgeschieden ist.

48 Jahre, unterbrochen vom 18-monatigen Wehrdienst, war Wateler für die Stadtsparkasse tätig. Dass er nie weggegangen ist, hat nicht an fehlenden Alternativen gelegen: "Es gab schon interessante Möglichkeiten. Doch immer, wenn ich einen Wechsel erwog, ergaben sich Aufstiegsmöglichkeiten im Hause."

Und die Stadtsparkasse Mönchengladbach ist ja auch alles andere als eine schlechte Adresse. Nicht nur, aber auch wegen Horst Wateler. In ihm verdeutlichte sich die Beständigkeit, die das Geldinstitut nun traditionell auszeichnet. "Wir sind eine der erfolgreichsten Sparkassen unter den mehr als 400 in ganz Deutschland", sagt der Chef im Ruhestand stolz. "Und zwar sowohl, was die Rentabilität als auch die Kapitalausstattung betrifft." Eine Fusion, wie es sie in der Sparkassen-Landschaft zunehmend gibt, ist so hier nie ein Thema gewesen.

Begehrlichkeiten des Trägers auf das Kapital der Sparkasse, wie es sie in anderen klammen Kommunen gibt, schafften es in Mönchengladbach, wenn überhaupt, bislang allenfalls bis zu Gedankenspielereien. Wateler: "Die Stadt weiß, was sie an einem Haus wie unserem hat. Das Verhältnis zu Politik und Verwaltung war immer offen. Unsere Ausschüttungen an den Träger waren immer angemessen und erheblich höher als in anderen Städten." Bis zu sechs Millionen Euro pro anno waren es in den vergangenen Jahren, plus schon mal Sonderzahlungen in siebenstelliger Höhe. "Das können wir als Vorstand verantworten. Wenn es einem gut geht, soll auch der Träger Freude daran haben", sagte Horst Wateler im Februar 2013, kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand.

Doch nicht nur der Stadtsäckel profitiert vom guten Geschäftsergebnis des Geldinstituts. Die Stadtsparkasse unterstützt traditionell zahlreiche Vereine und Aktionen, durch Spenden, vor allem der drei Sparkassen-Stiftungen: Kunst und Wissenschaft, Stiftung für Mönchengladbach (die sich an sozialen Hintergründen orientiert) sowie Jugend und Jugendsport.

"Das alles geht, weil die Stadtsparkasse stark dasteht - nicht von ungefähr, Vertrauen ist unser eigentliches Kapital", hat Horst Wateler bei seiner Verabschiedung 2013 gesagt. Und er betont auch heute das Erfolgsrezept: "Der Kunde muss immer im Mittelpunkt des Handelns stehen. Er wird auch in Zukunft alleine entscheiden, wie er uns erreichen kann: ob online oder in einer der 39 Geschäftsstellen." Da wird deutlich, was Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes, 2013 bei Watelers Verabschiedung gesagt hat: "Sie haben für die Idee der Sparkasse immer gebrannt und sind dabei so kenntnisreich, unaufgeregt und souverän geblieben. Das hat mich schwer beeindruckt."

Bodenständig, fröhlich, schon mal schlitzohrig, aber immer offen, ehrlich und fair: Das ist Wateler bis heute. Und er hat gewusst, dass und wann er loslassen musste: "Ich bin dankbar für all das, was war und was ich machen durfte. Aber ich habe mich nie zu wichtig genommen, jetzt schon gar nicht."

Quelle: RP
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