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Mönchengladbach
Vom Wohnzimmer ins Wohnzimmer

Mönchengladbach: Vom Wohnzimmer ins Wohnzimmer
Mit seiner Firma Jay-Tech - der Name kommt von den Namen seiner Kinder Jannick und Yasmin - vertreibt Lothar Knobel unter anderem Laptops. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Preisgünstige Unterhaltungselektronik aus Fernost zu akzeptabler Qualität - und wenige, aber gute Mitarbeiter: So machte sich Lothar Knobel mit seiner Firma Jay-Tech einen Namen. Angefangen hat einst alles in einem Raum seines Privathauses. Von Klemens Zirngibl

Manch einer, der früher mal neben Teleshopping-Legende Harry Wijnvoord im Fernsehen zu sehen war - siehe Walter Freiwald - endete später im Dschungelcamp. Andere blieben lieber im eigenen Wohnzimmer sitzen - wie Lothar Knobel. Denn von dort aus ist seine Firma Jay-Tech in den letzten Jahren zu einem millionenschweren Unternehmen gewachsen. Mit durchaus etwas Glück beim Timing, dem entsprechenden Know-how und getreu dem Motto "Schuster, bleib bei deinen Leisten" handelnd hat Knobel Jay-Tech zu einer echten Größe im Bereich der Unterhaltungselektronik im Haushalt gemacht.

Angefangen hat alles vor 25 Jahren, als der damals knapp über 30-Jährige eine Ausbildung als Betriebsleiter begann. Eingesetzt in seinem Lieblingsbereich Multimedia lernte er grundlegende Praktiken der Produktfindung in Fernost, im Import und in der anschließenden Präsentation in Deutschland kennen. "Damals ging es noch hauptsächlich um Mousepads oder ähnliches PC-Zubehör", erinnert sich Knobel. 1998 gingen dann allerdings er und sein damaliger Chef aufgrund von Meinungsverschiedenheiten getrennte Wege. "Ich hatte meiner Meinung nach gute Ideen, also dachte ich mir: Warum sollte ich mich nicht selbstständig machen? Die Kontakte hatte ich ja inzwischen."

Als Büro diente dabei zunächst ein Zimmer in seinem Privathaus, wo er zumindest sich und zwei Mitarbeiterinnen unterbringen konnte. Mittlerweile hat Jay-Tech aufrund des immer größer werdendem Lagerbedarfs schon dreimal den Sitz gewechselt und ist auf dem alten Toshiba-Gelände an der Krefelder Straße angesiedelt. So richtig erfolgreich wurde das Unternehmen seit dem Jahr 2000 mit der Pen-Cam, der ersten günstigen Digital-Kamera für Computer auf dem Markt. "Ich kenne in Fernost fast alle Fabrikationen - und daher auch immer den günstigsten Preis", verrät Lothar Knobel. So konnte er digitale Kameras statt für damals übliche rund 1000 Euro für vergleichsweise läppische 149 Euro anbieten. "Viele wollten zu der Zeit so etwas haben, aber über den Erfolg war ich dann auch selbst ein wenig überrascht", gibt Knobel zu. Was für Jay-Tech dann folgte, war klar: die volle Konzentration auf digitale Fotografie.

Immer wieder sorgte das Unternehmen für neue Modelle, die dann sogar - mit Lothar Knobel als erstem Gast beim neu gegründeten RTL-Teleshopping - zu sehen waren. "Der Kontakt kam über einen früheren Kunden zustande, eigentlich sollte ich noch vorher gecastet werden. Aber dann stand ich eines Morgens plötzlich neben Harry Wijnvoord vor der Kamera, das war schon irre", erinnert sich Knobel breit lächelnd zurück. Die unverhoffte Bekanntheit erleichterte ihm auch den Einstieg bei Neukunden.

Somit wurde das Unternehmen immer größer und bekannter. Inzwischen ist Jay-Tech Spezialist für Home-Electronics, also Unterhaltungselektronik im Haushalt. Das schließt unter anderem Tablets, Laptops und Fernseher mit ein. Zu kaufen gibt es ihre Produkte mittlerweile bei fast allen Großfachhändlern wie Saturn, Real oder Conrad. Auch die Mitarbeiter-Anzahl ist auf 26 gestiegen - 2007 waren es noch die Hälfte gewesen. "Das ist zwar für die Zeit gesehen nicht besonders viel, aber mit einer intelligenten Aufteilung und guten Leuten hat man alle Trümpfe in der Hand", betont Knobel.

Wenige, aber dafür gute Mitarbeiter - das ist ein weiteres Rezept, mit dem Jay-Tech dem Credo "Preisgünstige Geräte zu akzeptabler Qualität" auch heute noch treu bleiben kann. "Es gibt viele Menschen, die verdienen nicht 5000 Euro, wollen aber auch solche Geräte haben - genau da sind wir zur Stelle", sagt Knobel. Damit hat Jay-Tech seine feste Nische gefunden, und in der wolle man auch bleiben: "Es gab über die Jahre durchaus starke Konkurrenten, die nach ersten Erfolgen anfingen herumzuexperimentieren. Die gibt es jetzt eben nicht mehr." Nur schwer vorzustellen, dass das einem mit beiden Beinen auf dem Boden stehendem Lothar Knobel auch passieren könnte. Trotz aller Erfolge - "Größenwahnsinnig", versichert er, "werden wir mit Sicherheit nicht."

Quelle: RP
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