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Mönchengladbach
Von Avocado-Minze und knusprigen Insekten

Impressionen vom Street Food Festival in Mönchengladbach
Impressionen vom Street Food Festival in Mönchengladbach FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Burger, Kuchen, Cocktails und Exotisches: Das alles gab es beim ersten "Big Food Street Kitchen Festival" an der Trabrennbahn. Ein Streifzug durch die verschiedenen Geschmackswelten unter der Brücke. Von Anke Schönlau

Ziemlich salzig, ein wenig wie Erdnuss, kross - klingt nach Kartoffelchip, ist aber Heuschrecke. Ein Stückchen Flügel zwischen den Zähnen ist zwar weniger angenehm, ansonsten besteht geschmacklich aber kaum Unterschied, beides ließe sich wohl auch gleichermaßen gut vor dem Fernseher essen. Wer sich traut, kommt zu diesem fast schon ernüchternden Ergebnis. Rouven Leonhard und Bastian Mechsener (beide 25) haben sich getraut, Freundin Anja Rauenbusch (25) wirkt beim Anblick der Heuschrecke eher nervös und zieht dann doch eher Churros, ein spanisches Gebäck, vor.

Dennoch hätten sich die drei wohl noch mehr ungewöhnliche Angebote gewünscht. "Hier gibt es sehr viele Burgergerichte - aber eigentlich kommt man ja hierher, um etwas zu essen, was es sonst nicht gibt", sagt Rouven. Als Nachtisch gibt es dann einen Smoothie aus Avocado, Minze und Apfel mit Himbeerstückchen und Kokosraspeln. Bastians Smoothie ist rot, könnte Melone sein, vielleicht aber auch etwas anderes. "Da ist bestimmt ganz viel Liebe drin", sagt er lachend. Hauptsache, es schmeckt.

So lässt es sich ganz gut leben unter der Brücke an der Trabrennbahn. Das Street-Food-Festival ist ein Ort, um bekannte Gesichter zu treffen, neue oder liebgewonnene Gerichte zu essen und ein Glas Wein zu trinken - Sonntagnachmittagsprogramm in Reinform. Es gibt Burger aus der Region, Salate von den Philippinen und Pfannkuchen aus den Niederlanden. Selbst die Kleinsten können lernen, wie Nudelteig hergestellt wird - vielleicht entdeckt der eine oder andere hier seine Liebe zum Kochen.

Der Standort unter der Brücke erzeugt bei den Besuchern gemischte Gefühle: Einige sind begeistert von der Mischung aus Beton und feinem Essen, anderen ist es zu dreckig, zu laut, zu weit abgelegen. Die Veranstalter wollen dennoch am Standort festhalten. "Wir finden diese Gegensätze sehr gut. Zudem ist Ort wettergeschützt", sagt Mike Kucksdorf, "Ob viel Sonne oder Regen, beides hätte sich negativ auf die Veranstaltung auswirken können." Im nächsten Sommer soll es auf jeden Fall eine Neuauflage geben - wieder mit regionalen Restaurants, viel Bio, mit vegetarischen und veganen Angeboten.

Zurück unter die Brücke: Auch wenn die Schlangen bei Burgern und Flammkuchen länger sind und die Gladbacher sich in Sachen Insekten noch in Zurückhaltung üben - am Ende des Tages hat wohl jeder Besucher einmal einen Blick in den unscheinbaren Wok geworfen, in dem Dennis Besseler und Michael Iselt aus Köln die Heuschrecken frittieren. Mit zwei Euro pro Stück sind die Insekten zwar teuer, doch Mario Jennes freut sich sichtlich über diese ungewöhnliche Kleinigkeit - und wartet auf eine Heuschreckenplage: "Dann würde ich die einsammeln und selber in die Fritteuse werfen", sagt er lachend. Dafür, dass sich viele Leute vor den Insekten ekeln, hat er nur wenig Verständnis: "Die Leute bezahlen ja auch viel Geld für Krabben und andere Meeresfrüchte, da sind die Augen auch noch dran."

Während Anja, Rouven und Bastian noch rätseln, was da eigentlich für Saaten in ihrem Smoothie schwimmen, neigt sich das Festival dem Ende zu. Im Herbst soll es eine winterlich angehauchte Veranstaltung mit Getränken im Fokus geben, im Sommer dann wieder das Street-Food-Festival. Mehr Exotisches wird willkommen sein.

Quelle: RP
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