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Kolumne Mensch Gladbach
Von den Farbenspielen dieser Stadt

Mönchengladbach. Wie real ist das Grün eines Palmwedels an einer Kugelakazie? Welche Erwartungen wecken bunte Pläne? Und wie gestaltet sich ein Wechsel zum politischen Magenta? Wir wagen an diesem warmen Frühlingstag einen Streifzug durchs farbenprächtige Mönchengladbach. Von Dieter Weber

Heute schreiben wir mal über Bäume. Und wenn Sie jetzt seufzen: "Nein, bitte nicht wieder" - dann darf ich Sie beruhigen. Es ist nur eine Geschichte über zwei Bäume, über einen Baum, der nicht mehr unter den Lebenden weilt, aber den künstlichen Eindruck von Kraft vermittelt. Und einen, der kurz vor dem Austrieb stand, aber dem Häcksler zum Opfer fiel. Die Geschichte geht so:

An der Ecke Elberfelder Straße/Lehwaldstraße in Rheydt hat eine Kugelakazie den Winter nicht überstanden. Das geschah bereits vor drei Jahren, und ein Anwohner hat die Stadt informiert, damit diese einen neuen Baum pflanzt. Die versprach das, aber es passierte nichts. Die Anrufe des Anwohners wiederholten sich ein paarmal, bis einem ansässigen Gastronomen der Kragen platzte. Er verschönerte das dürre, abgestorbene Stämmchen mit ein paar Palmwedeln, so dass es wieder an der Ecke grünte. Künstlich. Vor einigen Tagen kam ein Mags-Mitarbeiter vorbei, packte die Säge aus - und köpfte einen Baum. Leider nicht das Palmwedel-Exemplar, sondern das Gegenüber, von dem der Anwohner sagt, dass dieser kaum krank gewesen sein könnte, weil er im Vorjahr in vollem Laub gestanden hatte. Das ist alles traurig, aber gehört zu den Vorfällen, über die man sagt: Dumm gelaufen. Und Fehler sind nur mal menschlich.

Doch was lehrt uns das? Zum Beispiel, dass klimatische Veränderungen mit den entsprechenden Eingriffen der Menschen in die Natur dafür gesorgt haben, dass wir zwar immer weniger Vögel und Insekten haben, für uns eine grüne Palme im noch kalten Vorfrühling ganz natürlich erscheint. Doch die Geschichte der beiden Bäume zeigt auch, dass ein grüner Palmwedel eine Fata Morgana ist, wenn er nur angemalt ist. Und das leitet zu einem anderen Thema dieser Woche über.

Die NRW-Heimatministerin war in der Stadt. Ina Scharrenbach wird als solche derzeit in erster Linie öffentlich wahrgenommen, obwohl sie auch unter anderem für Bauen zuständig ist. Die Stadtoberen und die CDU-Landtagsabgeordneten führten sie durch die Stadt und zeigten ihr, was mit erhofften Fördermillionen alles neu gestaltet und baulich verändert werden soll. Und man stattete sie mit so vielen Materialien aus, dass sie im ministerialen Bücherregal jetzt eine MG-Ecke anlegen kann. Alles richtig, alles gut. Dann aber sagte sie, dass bunte Pläne zwar schön sind - Achtung, hier ist die Parallele zu künstlich grünen Palmwedeln -, aber der Bürger irgendwann etwas sehen wolle. Etwas Handfestes, kein Wolkenkuckucksheim. Recht hat sie. Pläne sind wichtig, und die Planungsvorbereitung ist immens und zeitraubend, aber unabdingbar. Aber es wird Zeit, dass die Bürger sehen, wie die Stadt in die Pötte kommt. Spätestens Ende des Jahres/Anfang 2019 muss es endlich so weit sein. Die Stadt muss liefern.

Wir bewegen uns weiter im Farbenspiel dieser Zeit. Von CDU-Schwarz, über FWG-Tiefschwarz zu Blau-Gelb-Magenta. Ja, Stefan Wimmers, ehemaliger OB-Kandidat der CDU, ist jetzt in der FDP. Angekommen? Oder geht's irgendwann weiter? Nach Magenta ist es bis Rot nicht weit. Dass ihn die Stippvisite in die inzwischen aufgelöste FWG politisch bedeutungslos gemacht hat, erkannte Wimmers. Er ist ein kluger Kopf, hat gute Ideen, scheut Konflikte nicht und ist als Sprachrohr der Gladbacher Händlerschaft wichtig. Insofern ist es gut, dass er eine politische Basis hat. Die auch den Vorteil hat, etwas bunter zu sein.

Quelle: RP
 
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