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Serie Denkanstoss
Von der Kraft der katholischen Laien

Mönchengladbach. Der Katholikentag ist keine Veranstaltung der Amtskirche. Die Initiative dafür geht vom Kirchenvolk aus. Denn mündige Christen machen Kirche vielerorts erst möglich - auch in dieser Stadt, sagt Pfarrer Damblon. Von Albert Damblon

Der 100. Katholikentag ist am vergangenen Sonntag in Leipzig zu Ende gegangen. Kardinal Marx feierte zusammen mit vielen Bischöfen den Abschlussgottesdienst. Bei so vielen geweihten Männern vergisst man, dass die Veranstaltung Katholikentag und nicht Kirchentag heißt. Der Name ist mehr als nur eine austauschbare Überschrift. Nach wie vor handelt es sich um ein katholisches Laientreffen, zu dem das Zentralkomitee der deutschen Katholiken einlädt. Die Amtskirche hatte ursprünglich wenig damit zu tun. Die Initiative geht vom katholischen Kirchenvolk aus. Die Kirchenleitung wird dazu gebeten, ist aber nicht verantwortliche Veranstalterin.

Insofern hat es kontroverse Katholikentage gegeben, die sich auch gegen Papst und Bischöfe gestellt haben. Beim Katholikentag in Essen wurde sogar der freiwillige Rücktritt von Papst Paul VI. gefordert. Er hatte sich gegen die "Pille" ausgesprochen. Katholische Laien gestalten selbstverständlich ihre Welt mit. Ohne einen Keil zwischen Bischöfe und Laien zu treiben, mündigen Christinnen und Christen ist doch zuzutrauen, alleine zu entscheiden.

Als der Papst die deutschen Bischöfe zwang, aus der Schwangerenkonfliktberatung auszusteigen, haben katholische Laien den Verein "Donum vitae" gegründet, um Frauen in Not beizustehen. Auch in Mönchengladbach berät er und hilft vor allen Dingen. Genauso werden die katholischen Gemeinden heute gezwungen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sicher werden nicht alle Orte katholischen Lebens in Mönchengladbach überleben. Dafür sinken die Zahlen der Christinnen und Christen zu drastisch. Dennoch sind die Zusammenlegung von Pfarren und Kirchenschließungen kein Allheilmittel. Deshalb nimmt das Kirchenvolk seine Verantwortung wahr. Anstatt zu jammern, gestalten Frauen und Männer sonntags Gottesdienste und erklären die Bibel, manchmal mit zittriger Stimme, aber voll Lebenserfahrung. Es ist keine große Zahl, die aktiv ist. Hinter ihr jedoch steckt eine bewundernswerte Kraft. Sie hat Kirche bisher in Mönchengladbach möglich gemacht.

Mögen Außenstehende nur alte Leute in unserer Kirche sehen, sie sind das Volk, von dessen Geist die Kirchenleitung profitieren kann. Schon in der Bibel heißt es, dass eure Alten Träume haben werden.

DR. ALBERT DAMBLON IST SEELSORGER IN ST.BENEDIKT. AUF AUSDRÜCKLICHEN WUNSCH DER RHEINISCHEN POST SCHREIBT DR. DAMBLON WEITER DENKANSTÖSSE FÜR UNSERE REDAKTION.

Quelle: RP
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