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Mensch Gladbach
Von Helden des Alltags und Flowerpower

Meinung | Mönchengladbach. Heute schon mal gelächelt? Es ist ganz einfach - und man kann Menschen damit eine Freude machen. Ebenso, wenn man seinen Müll dort entsorgt, wo er hingehört. Ordnung muss schließlich sein. Aber bitte bloß nicht zu viel davon! Von Denisa Richters

Dass unsere Stadt manchmal ein raues Pflaster ist, weiß jeder Gladbacher. Aber dass sich jetzt eine Bürgerwehr formiert - und zwar zum Schutz gegen den Islamhass - entspringt nun wirklich keiner Notwendigkeit. Wohl eher dem Drang zu Selbstdarstellung und Provokation.

Widmen wir uns also lieber mal den wahren Helden des Alltags. Dazu gehören zum Beispiel die Mitarbeiter eines Supermarkts in der Gladbacher City. Dort sind die Preise, auch für Alkohol, sehr niedrig, weshalb die Kundschaft zum Teil nicht ganz sozialverträglich ist. Den Mitarbeitern schlägt also oft die komplette Schattenseite des Menschseins entgegen, manchmal traurig, manchmal nervig, manchmal aggressiv. Da wird in der Schlange der Wartenden geschimpft, weil es an der Kasse nicht vorangeht. Doch was soll die Kassiererin tun, wenn vor ihr jemand gerade mühsam und mit zittriger Hand seine letzten Cents zusammenkratzt und es am Ende doch nicht reicht?

Und dennoch bleibt das Personal so freundlich und gut gelaunt, wie man es in den Edelboutiquen auf der Düsseldorfer Kö erwarten dürfte, aber nicht immer erlebt. Jedem wird ein "Schönen Tag" mit auf den Weg gegeben, auch den Motzern aus der Schlange, manchmal wird noch ein Scherz hinterhergeschickt. Respekt! Das haben wir neulich auch mal so gesagt - und ein strahlendes Lächeln geerntet. Das Miteinander könnte so viel einfacher sein ...

Unsere Helden des Alltags sind - natürlich neben allen, die pflegen, sich ehrenamtlich engagieren und sonst viel Gutes tun, ohne laut und ständig darüber zu sprechen - auch die Mülldetektive der Stadttochter Mags. Dieser Job bringt nicht nur Sympathiepunkte. Denn wer sich auf die Lauer legt und andere anschwärzt, wenn sie Unrechtes tun, hat immer einen Hauch von Denunziantentum um sich. Strafzettelverteiler kennen das. Doch diese Detektive, die Müllsünder aufspüren, machen etwas Wichtiges für unsere Stadt: Sie sorgen dafür, dass sie schöner wird, man sich wohler fühlt - und zwar jeder. Eine alte Weisheit besagt, dass, wo Müll liegt, noch mehr Müll hinzukommt. Wo der Einzelne nicht damit rechnen muss, entdeckt und sanktioniert zu werden, fällt es leichter, Regeln zu brechen. War ja nur einmal ... Leider können die Müll-Detektive nicht überall sein. Deshalb sollte jeder, dem der Dreck stinkt, sich selbst an die Regeln halten und auch andere dazu anhalten. Der Effekt ist enorm.

Zu viele und zu rigide Regeln schränken das angenehme Zusammenleben aber ein. Das wird gerade in Rheydt deutlich, wo die Stadtverwaltung eine strenge Gestaltungssatzung erlassen hat. Die soll Ordnung ins Stadtbild bringen, was ja an sich auch in Ordnung ist. Wild beklebte Schaufenster, wegen wirrer Typologie psychedelisch wirkende Werbeschilder - wer will das schon haben. Aber sollen auf gastronomischen Außenterrassen am besten nur cremefarbene Kissen und Markisen zu vermeintlich modernen Holz-Möbeln kombiniert werden? Sollen Blumenkübel ebenso verboten sein wie der Windschutz für Gäste? Da regiert die Ästhetik, nicht das Wohlbefinden des Menschen. Und die kreative Start-up-Szene lockt man so sicherlich nicht in die Stadt.

Wie es besser geht, beweisen Konzepte wie bei den Märkten Greta & Claus. Da herrscht lockere Flowerpower-Atmosphäre statt Blumenkübel-Verbot. Da darf dann auch mal ein Kriegerdenkmal geschmückt werden, aber nur für einen Tag. In diesem Sinne: Ein freundliches und kreatives Wochenende!

Quelle: RP
 
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