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Mönchengladbach
Von Nachbarn rassistisch beschimpft

Mönchengladbach. Eine Familie aus Schwarzafrika kommt nicht zur Ruhe. Seit Jahren werden sie von Nachbarn regelrecht gemobbt. Die Kinder haben Angst, alleine den Flur zu betreten. Anzeigen gegen das Männer-Paar im Erdgeschoss blieben erfolglos. Von Gabi Peters

Denise N* (Name geändert) will nur noch ausziehen. Weg von den Nachbarn im Erdgeschoss, die keine Ruhe geben, die ihre Kinder anschreien, die Briefe der Familie unterschlagen und sich ständig beschweren. "Mein Mann und ich könnten die Beschimpfungen und Erniedrigungen vielleicht noch ertragen. Aber unsere Kinder haben mittlerweile Angst, alleine die Treppe hinunterzugehen. Sie haben schon häufig fürchterlich geweint, weil die Männer so geschrien haben", sagt die 40-Jährige.

Denise N* und ihr Mann kommen aus Schwarzafrika. Sie flüchteten vor mehr als zehn Jahren. Als Studentin hatte sie sich gegen die Ungerechtigkeiten im Land aufgelehnt. Als plötzlich all ihre Mitkämpfer auf unerklärliche Weise spurlos verschwanden, entschied sich die Frau, die als Christin zur Minderheit in ihrem Land gehörte, zur Flucht nach Deutschland. Dort lernte sie später auch ihren Mann kennen, einen früheren Geschäftsmann, der im Heimatland bei Unruhen alles verlor. Beide versuchen sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Die vier Kinder sind gut integriert. Die Älteste besucht das Gymnasium, zwei Kinder sind in der Grundschule, eins im Kindergarten. Der Vater hat einen Job, Denise N* will auch wieder arbeiten, wenn die Kinderbetreuung geregelt ist. "Für unsere Kinder versuchen wir alles, was wir können", sagt die 40-Jährige.

Kurz nachdem die Familie in die Mönchengladbacher Wohnung eingezogen war, begann das Mobbing der Nachbarn. Die beiden Männer, die zusammen im Erdgeschoss wohnen, beschwerten sich darüber, dass die Kinder zu laut wären. "Ich habe mich entschuldigt", sagt Denise N.* Dabei konnte die 40-Jährige den Vorwurf gar nicht so recht nachvollziehen. "Die Kinder sind tagsüber in der Schule oder im Kindergarten, nachmittags in der Musikschule oder im Sportverein", sagt sie. Aus den Beleidigungen wurden Beschimpfungen übelster Art. "Geht zurück in euren Dschungel", gehört noch zu den harmloseren Varianten. Auch die Kinder werden nicht ausgelassen. "Ihr Nigger", bekommen sie oft zu hören, wenn sie durchs Treppenhaus laufen. Das kleinste Kind hat schon Alpträume. Schließlich verschwanden Briefe der Familie. Alle, selbst die übrigen Mitbewohner, sind sich sicher, wer dafür verantwortlich ist. Beweisen lässt sich nichts.

Dabei ist die Familie immer freundlich geblieben. Selbst als Denis N* von einem der Männer gestoßen wurde, was man auch als tätlichen Angriff bezeichnen kann, blieben alle ruhig. "Wir sind gläubige Christen. Wir greifen keinen an", sagt Denise N*. Dennoch wollten sie sich nicht alles gefallen lassen und die Möglichkeiten des Rechtsstaats ausnutzen. Doch hier liegt das Problem. Keiner fühlt sich zuständig. Egal, an wen die Familie sich wandte, bekam sie zu hören: "Das ist ein Nachbarschaftsstreit. Versuchen Sie, das unter sich zu klären." Doch das ist angesichts der verhärteten Front nicht möglich. Deshalb fasste die Familie einen Entschluss: "Wir geben nach und ziehen um." Doch das ist nicht so leicht. Denn große Wohnungen für eine sechsköpfige Familie gibt es nicht viele. "Überall, wo wir es versucht haben, waren schon 20 bis 30 andere vor uns", sagt die Mutter. Aufgeben will Denise N* nicht: "Wir suchen weiter nach einer anderen Wohnung. Vielleicht hat ja jemand auch einmal eine für uns."

Quelle: RP
 
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