| 15.32 Uhr

Mönchengladbach
Von Rüpeln und Rasern

Mönchengladbach. Eine Fahrt im morgendlichen Berufsverkehr offenbart: Zu geringer Abstand, Geschwindigkeitsüberschreitungen und Nichtbeachtung von Stoppschildern sind die drei häufigsten Verkehrsverstöße. Daran ändern auch die höheren Strafen nichts, glaubt Fahrlehrer Sebastian Kappertz. Von Garnet Manecke

In der Morgendämmerung strahlt die leuchtend rote Ampel besonders intensiv. Fahrlehrer Sebastian Kappertz versteht die Sprache des Lichtsignals, setzt seinen Fuß auf die Bremse und lässt sein Auto sanft ausrollen. Der Fahrer des Fords auf der Nebenspur sieht in der roten Ampel bestenfalls Empfehlungscharakter: Er ignoriert das Zeichen und rauscht, ohne zu zögern, über die Kreuzung. Wäre er jetzt erwischt worden, wären mindestens 90 Euro Verwarngeld und drei Punkte auf dem Flensburger Verkehrssünderkonto fällig gewesen.

Zu geringer Abstand, Geschwindigkeitsüberschreitungen und Nichtbeachtung von Stoppschildern sind die drei häufigsten Verkehrsverstöße im Berufsverkehr, beobachtet Fahrlehrer Sebastian Kappertz immer wieder. Seit gut vier Jahren bildet er in der väterlichen Möbus-Fahrschule Kappertz Lkw- und Busfahrer aus. Dass die Bußgelder für Fehlverhalten im Straßenverkehr seit einer Woche kräftig erhöht wurden, scheint keine Auswirkungen zu haben. Um pünktlich zur Arbeit zu kommen, legen viele Fahrer in Gladbach nach wie vor eine flott-kreative Fahrweise an den Tag. Nicht immer führt der Fahrstil zum gewünschten Erfolg.

An der Kreuzung am Berliner Platz stockt der Verkehr. Drei Autos stellen die Fahrbahn auf der Linksabbiegerspur Richtung Fliehtstraße zu. Ein Fehler, der den ganzen Verkehr zum Erliegen bringen kann. Aus Richtung Korschenbroicher Straße liegt eine Autoschlange ziemlich schlapp auf der Straße. Ein Fortkommen ist nicht möglich. Der Bußgeld-Katalog sieht dafür ein Verwarngeld von 20 Euro vor.

"In eine Kreuzung sollte man immer erst reinfahren, wenn man sicher ist, dass man sie auch wieder verlassen kann", sagt Kappertz. Vor ihm fährt ein Wagen in die Mitte der Kreuzung und lässt den Gegenverkehr vorbei. Kappertz wartet an der grünen Ampel. Erst als das andere Fahrzeug anfährt, um die Kreuzung zu passieren, fährt auch Kappertz weiter.

Von einem geheimen Konsens zeugt das Verhalten der Autofahrer an den bekannten Starenkästen. Regelmäßig beobachtet Kappertz hier Autofahrer, die kurz vor dem Blitzer abbremsen, um direkt danach wieder aufs Gas zu treten. "Das bringt gar nichts", sagt Kappertz. "Außer zusätzlichem Stress." Und ein saftiges Knöllchen für denjenigen, der bei so einem Manöver erwischt wird. Von 15 Euro bis hin zu 680 Euro plus vier Punkte in der Flensburger Kartei und drei Monaten Fahrverbot reicht die Preistabelle. Die meisten dürften hier im morgendlichen Berufsverkehr die Geschwindigkeit bis zu 20 km/h übertreten haben. Das kostet 35 Euro und ist punktefrei.

Nächster Punkt: Stoppstraßen. Korrekt muss der Autofahrer an der Haltelinie seinen Wagen zum Stehen bringen. Mindestens eine Sekunde dürfen die Räder nicht rollen. Dann vorsichtig vorfahren und prüfen, ob die andere Straße frei ist. "Oft rollen die Fahrer langsam ran und ziehen dann in einem durch über die Straße", weiß Kappertz. Das passiert besonders gerne an Stellen, an denen sich die Autos in den fließenden Verkehr einfädeln müssen. Aber auch beim Linksabbiegen neigt der Gladbacher Autofahrer zur Eile und schenkt sich die einsekündige Fahrpause. Wird dabei ein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet, werden 70 Euro und zwei Punkte fällig.

An der halbfertigen Kreuzung Moses-Stern-Straße / Odenkirchener Straße wird Kappertz von einem silbergrauen Mercedes überholt. Kurz vor der Ampel zur Limitenstraße wechselt der Wagen die Spur, quer über eine deutlich gekennzeichnete Sperrfläche. Ohne ein Blinkzeichen drängelt sich der Wagen in die Reihe, Abstände werden nicht berücksichtigt.

Aber nicht nur die Autofahrer fallen an diesem Morgen durch rüpelhaftes Verhalten im Berufsverkehr auf. An einer Ampelkreuzung überquert eine Gruppe Jugendlicher etwa drei Meter neben dem gekennzeichneten Fußgängerweg die Straße. Gerade als die Ampel für die Autofahrer auf Grün springt.

Quelle: RP
 
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