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Mönchengladbach
Von wegen "besorgte Bürger"

Mönchengladbach: Von wegen "besorgte Bürger"
Auch bei Auftritten von Salafist Pierre Vogel werden Medienvertreter per Video- oder Fotokamera aufgenommen. FOTO: Rössler/dpa
Mönchengladbach. Auch wenn sie erklärte Feinde sind, gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen radikalen Rechten und Linken, Salafisten und Hogesa-Anhängern. Jede Kritik an ihnen ist Hetze. Keiner hat den Überblick außer sie selbst, und alle Journalisten sind Lügner. Von R. Jüngermann, G. Peters, L. Schameitat, N. Scharfetter, J. Schnettler, T. Specks und S. Kricke

Wir kennen das: Wer Radikale kritisiert, wird gleich kübelweise mit Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Drohungen überschüttet. Harmlos und mittlerweile oft gehört, ist die eher langweilige Häme: "Da schreiben doch nur Praktikanten." Drohungen wie "Überlege dir gut, was du das nächste Mal schreibst..." oder "Ich weiß, wo deine Kinder zur Schule gehen" sind da schon deftiger.

Als 2010 Salafisten, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen, in Eicken eine Islamschule errichten wollten, und die Medien genau das berichteten, hieß es: "Journalisten hetzen gegen Muslime." Der Vorsitzende des islamistischen Vereins sprach von "Propagandamethoden", wie sie in Nazi-Deutschland "gegen die jüdische Bevölkerung eingesetzt wurden". In einem Internetvideo wurde wie als Warnung erklärt, dass insgesamt 20.000 Schreiben international versendet worden seien, damit auch das Ausland über die Diffamierungen und die "Anti-Islam-Hetze" in Mönchengladbach informiert wird.

Das neue Bündnis "Mönchengladbach steht auf", das am Samstag gegen Merkels Innen- und Außenpolitik auf die Straße ging und auf seiner Internet-Seite Marie-le-Pen-Zitate und Pegida-Reden postet, schrieb jetzt auf einen kritischen Zeitungsbericht: "Die Mechanismen der Hexenjagd im Mittelalter sind nicht weit von eurer manipulativen Berichterstattung entfernt." Klar fehlt auch das Wort Lügenpresse nicht.

Zwei Gruppen, die unterschiedlicher nicht sein können, wehren sich mit erschreckend ähnlichen Argumenten. Obwohl, von Argumenten kann eigentlich keine Rede sein, eher von Häme oder Hetze. Dabei sind es doch eigentlich die Journalisten, die angeblich gegen alle "Muslime" oder "anders denkende besorgte Bürger" hetzen.

Die Wahrheit ist: Wir haben nicht gegen Muslime gehetzt, sondern kritisch über Salafisten geschrieben. Wir hetzen auch nicht gegen "besorgte Bürger", sondern wir schreiben, was die Köpfe von "Mönchengladbach steht auf" selbst auf ihren Seiten posten.

Die Salafisten haben etliche Male gedroht, unsere Redaktion wegen Verleumdung zu verklagen. Passiert ist nie etwas. Wahrscheinlich, weil ihre Anwälte ihnen erklärt haben, dass eine Anzeige keinen Erfolg hätte, weil die Vorwürfe falsch sind. Einschüchterungen von Medienvertretern ziehen Extreme und Radikale offenbar schon ins Kalkül, bevor sie ihre Aktionen starten. Sowohl die Salafisten als auch die Anhänger der Gruppe "Mönchengladbach steht auf" haben Journalisten während ihrer Demonstrationen fotografiert und zwar einzeln.

Auch das gehört zur Einschüchterungsmethode - nach dem Motto "Wir kennen dein Gesicht". Konfrontiert man sie damit, wird das natürlich verleugnet: "Jetzt sind sie ganz durchgeknallt, die Journalisten", "Die haben die Hose voll, weil sie wissen, dass sie lügen", "Der ist mir vor die Linse gelaufen", "Nicht wir sind es, die jemanden fertig machen, sondern die Medienvertreter".

Die Opferrolle können die Radikalen und Extremen nach außen hin übrigens auch sehr gut spielen. Passt ja sehr gut zu den Bedrohungen gegenüber Journalisten. Trotzdem werden wir weiter kritisch schreiben, und dabei auch unsere Namen nennen. Wir lassen uns nicht einschüchtern.

Quelle: RP
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