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Serie Denkanstoss
Vor der eigenen Haustür kehren

Mönchengladbach. Erst mit der Aufnahme von Asylbewerbern hätten die Verbrechen in Deutschland begonnen? Das will Albert Damblon nicht glauben: "Wer so tut, als sei unsere Heimat ohne Flüchtlinge ein Paradies gewesen, lügt." Von Albert Damblon

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt. Wie zu erwarten zieht die AfD in den Landtag ein. Zum neunten Mal ähneln sich die Kommentare im Fernsehen und in den Zeitungen. Die Angst habe die Menschen zu einer Protestwahl veranlasst.

Dann versuchen die Kommentatoren zu erläutern, was das für eine Angst sei. Unter dem Strich verkünden sie immer ein gleiches Ergebnis. Die Angst vor Flüchtlingen treibe die Bürgerinnen und Bürger um. Die neue Partei schüre sie und nütze sie aus. Obwohl es nur fünf Moscheen in ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt, wird der Schrecken einer Islamisierung an die Wand gemalt. Gar von einem drohenden Kalifat hatte der Spitzenkandidat geredet und damit Angstmache betrieben. Mit den Fremden wird immer die Angst vor Kriminalität verbunden. Und dann werden Vorfälle zitiert, die traurig, aber nicht typisch sind.

Angst vor Verbrechen verstehe ich. Denn ich habe auch Angst vor Kriminellen. Vor Taschendieben, Betrügern und Gewalttätern möchte ich beschützt werden. Nur eines verstehe ich nicht. Manchmal wird so getan, als ob mit der Aufnahme der Flüchtlinge die Verbrechen in Deutschland begonnen hätten. Vorher sei Deutschland ein gelobtes Land gewesen, in dem man nachts unbehelligt auf die Straße konnte. Früher konnte ich mein Fahrrad unverschlossen auf die Straße stellen, erzählen alte Leute. Erst seitdem Syrer, Afghanen und Afrikaner vor Krieg und Hunger geflohen seien, steige die Kriminalität.

Sicher gibt es unter den Asylbewerbern auch Kriminelle. Davor verschließe ich nicht die Augen. Wer aber so tut, als sei unsere Heimat ohne Flüchtlinge ein Paradies gewesen, lügt. Denn die Gerichte haben mit deutschen Straftätern genug zu tun. Noch in dieser Woche verurteilte das Landgericht vier Mönchengladbacher, die ein Leihhaus überfallen haben. Der Gladbacher Sven Lau wollte uns islamisieren. Liegt vor unserer Haustür nicht genug Schmutz, um dort gründlich zu kehren?

DR. ALBERT DAMBLON (69) IST SEELSORGER IN ST. BENEDIKT.

Quelle: RP
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