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Mönchengladbach
Vor der Mai-Demo: Schüler ignorieren NPD

Mönchengladbach: Vor der Mai-Demo: Schüler ignorieren NPD
NPD am Montag am Platz der Republik
Mönchengladbach. Ein erster Aktionsstand der NPD vor dem Berufskolleg Platz der Republik fand kein Interesse seitens der Schüler. Der DGB sagt eigenen Demonstrationszug ab, um sich am Freitag am Protest gegen die Rechtsextremen beteiligen zu können. Von Jan Schnettler und Angela Rietdorf

Die NPD habe noch "großes Glück" gehabt, sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. "Wäre im Berufskolleg nicht gerade Pause gewesen, hätte sie nämlich überhaupt kein Publikum gehabt." Am Montagnachmittag hatten die Rechtsextremen eine - ordnungsgemäß bei der Polizei angemeldete - Standkundgebung im Rahmen ihrer "Flaggschiff-Tour" am Platz der Republik hinter dem Hauptbahnhof aufgebaut. Vor dem dortigen Berufskolleg. Doch die Schüler zeigten wenig bis gar kein Interesse an den Reden der Funktionäre. "Eine PET-Flasche wurde aus der Schülerschaft geworfen", sagt Lützen. "Das war es dann auch."

NPD, Hauptbahnhof - selbstredend ist die Aktion als Vorgriff auf den 1. Mai zu verstehen. Wie berichtet, plant die Partei für das bewusst gewählte Datum des Tages der Arbeit ab 12 Uhr einen Aufmarsch vor dem Gladbacher Hauptbahnhof, um gegen "Asylbetrug" zu demonstrieren. Zu ihrem Zugweg macht die Polizei keinerlei Angaben, doch er ist ein offenes Geheimnis. "4,2 Kilometer, über Eicken bis zum Minto und zurück", sagt Hans Lehmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Mönchengladbach. Man werde "wie immer mit ausreichend Polizisten" vor Ort sein, um die Lage rund um den Bahnhof unter Kontrolle zu behalten, so Lützen. "Manche Anmelder nehmen den Mund erfahrungsgemäß etwas voll, was Teilnehmerzahlen angeht." Bisher wird mit rund 100 NPD-Sympathisanten gerechnet, jedoch wird landesweit zu der Demo aufgerufen.

Die Karte zeigt die Zugwege von Mönchengladbach stellt sich quer (in grün) und NPD (in braun). FOTO: Johannes Jungilligens

Der DGB - der dementsprechend offensiv mit "Fuck off, Rassismus"-Flyern wirbt - hat sich entschieden, nach dem Angriff auf "seinen" Feiertag mit seinen Traditionen zu brechen. "Das eigentliche Motto - ,Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!' - wird sicher in den Hintergrund rücken", sagt Lehmann. Der geplante Demonstrationszug zum Rheydter Markt wurde ganz abgesagt, die dortige Kundgebung mit der bewusst gewählten Hauptrednerin Gülistan Yüksel und anschließendem Familienfest auf 13 Uhr verschoben. "Wir wollen unseren Mitgliedern ermöglichen, gegen die NPD zu demonstrieren", so Lehmann. Mit Bussen werden sie aber nicht fahren können: Die NEW teilt mit, dass die Polizei von 9 bis 16 Uhr weite Teile der Innenstadt gesperrt habe, weshalb dort keine Busse fahren können.

Der Widerstand gegen die NPD hat sich längst formiert - zuletzt ermunterte die Antifa durch Hauswurfsendungen die Anwohner in Eicken und im Gründerzeitviertel dazu, Boxen ans Fenster zu stellen, Musik aufzudrehen und Glitzerpulver herunterstreuen. "Glitzer ist bunt und Glitzer ist schwer abzukriegen, kurz gesagt: Nazis lieben Glitzer", heißt es in dem Aufruf. Insgesamt wurden zwölf Gegendemos angemeldet. Am prominentesten wird das Bündnis "Mönchengladbach stellt sich quer" aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Vereinen sein. "Wir wollen entschlossen Widerstand leisten", sagt Frank Taufenbach von der IG Metall und erwähnt ein "Aktionstraining", bei dem sich Gewerkschafter über rechtliche Aspekte informieren können. Doch auch aus vielen anderen Ecken kommen im Vorfeld Stellungnahmen, die andeuten, dass der 1. Mai sehr politisch sein wird. Der Integrationsrat etwa wird, angedockt an die DGB-Kundgebung, die Einführung des kommunalen Wahlrechts für alle fordern.

NPD-Verbotsantrag - ein riskantes Unterfangen FOTO: dapd, Nigel Treblin

Der 1. Mai bleibe trotz allem "unser Tag, und das lassen wir uns nicht kaputtmachen", sagt Klaus Churt, DGB-Regionalsekretär. Dem DGB gehe es am Freitag nicht zuletzt um die geschichtliche Deutungshoheit - schließlich berufe sich auch die NPD auf "ihren" 1. Mai, da dieser 1933 unter den Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag wurde.

NPD-Demo in Duisburg: Prügelei zwischen Linken und Rechten FOTO: Christoph Reichwein
Quelle: RP
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