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Mönchengladbach
Vorbilder für unsere Gegenwart

Mönchengladbach: Vorbilder für unsere Gegenwart
v. l.: Dirk und Nora Hespers, Prälat Helmut Moll mit zwei Ordensfrauen der Dernbacher Schwestern. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Zum Schluss hängen 13 Schwarzweißfotos an der großen Stellwand in der Citykirche - zwölf Männer und eine Frau. Sie wirken fern wie die alten Fotos in den Alben der Großeltern und doch vertraut, denn sie haben Profil bekommen, sind in den Köpfen der Zuhörer zu Menschen geworden, die für ihre Überzeugung eingetreten sind. Von Angela Rietdorf

Die in unmenschlicher Zeit menschlich geblieben und dafür gestorben sind. Märtyrer oder Blutzeugen nennt das die katholische Kirche ein wenig sperrig. Vorbilder für die Gegenwart kann man auch sagen.

13 Lebensbilder stellen Prälat Helmut Moll und seine Mitstreiter an diesem Abend in der Citykirche vor. Immer wieder fragt der katholische Theologe, der das Werk zusammengestellt hat, ob die Namen der vorgestellten Personen bekannt seien. Meist erntet er Kopfschütteln bei den rund 60 Zuhörern, die der Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gefolgt sind. Wer in Mönchengladbach kennt Walter Spix, Kuno Kamphausen oder Luise Löwenfels? Einzig Theo Hespers ist aufgrund der unermüdlichen Erinnerungsarbeit der Familie und der gleichnamigen Stiftung in der Stadt präsent. "Eine Stadt mit einer solchen Tradition wie Mönchengladbach muss sich an diese Menschen erinnern", fordert Moll.

Die im Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgeführten, mit Mönchengladbach verbundenen Menschen, die während der NS-Zeit ermordet wurden, sind sehr unterschiedlich: Es sind Pfarrer, Ordensleute, Juristen, Redakteure, Mitglieder der Katholischen Arbeiterbewegung. Sie alle eint, dass die katholische Kirche sie als Märtyrer oder Zeugen für Christus anerkennt. Kuno Kamphausen beispielsweise, der in Mönchengladbach geboren und aufgewachsen ist und in Waldenburg als bekennender katholischer Christ während der NS-Säuberungsaktionen im Zusammenhang mit der Röhm-Affäre ermordet wurde. Oder Walter Spix, ebenfalls in Mönchengladbach geboren und in die Kongregation der Arnsteiner Patres eingetreten. Er kam im KZ Dachau um, weil er polnische Zwangsarbeiter mit Brot und Kaffee versorgt und mit ihnen Gottesdienst gefeiert hatte. Besonders gut dokumentiert ist der Weg, den Luise Löwenfels gegangen ist. Als Tochter einer gläubigen jüdischen Familie erlebte sie in Schule und Ausbildung den katholischen Glauben als prägend und wurde 1935 in Hehn getauft. 1940 legte sie in einem niederländischen Kloster die Gelübde ab, wurde nach der Besetzung Hollands durch die Nazis verhaftet und gemeinsam mit vielen anderen Ordensleuten und getauften Juden nach Auschwitz gebracht und dort ermordet. Seit 2015 läuft ein Seligsprechungsverfahren. "Sie ist sehr konsequent einen Weg gegangen, den sie als richtig erkannt hat", sagt Schwester Christiane Humpert vom Orden der Dernbacher Schwestern, zu dem auch Luise Löwenfels gehörte.

Der bekannteste der Gladbacher, die sich gegen die Nazi-Diktatur stellten und deswegen ermordet wurden, ist sicher Theo Hespers. Seine Enkelin Nora Hespers stellt ihren Großvater in einer engagierten und lebendigen Rede vor und macht so aus dem Schwarzweiß- ein Farbbild. Der Mensch, der sich schon vor Beginn der Diktatur aktiv gegen die Nazis stellt, auf Parteiversammlungen widerspricht, deshalb schon im März 1933 nach Holland fliehen muss und schließlich 1943 in Plötzensee hingerichtet wird, wird greifbar mit seinem Mut und seiner aufrechten Haltung.

"Er ist im Namen der Nächstenliebe aufgestanden", sagt seine Enkelin und fragt, wie viele Menschen denn heute den Mut haben, beispielsweise in einer Parteiversammlung der AfD aufzustehen und eine andere Meinung zu vertreten. Die Vorbilder sind so aktuell wie eh und je.

Quelle: RP
 
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