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Serie Was Macht Eigentlich?
Warten auf Nachfolger von Boris und Steffi

Serie Was Macht Eigentlich?: Warten auf Nachfolger von Boris und Steffi
Alexander Zverev, heute Deutschlands großer Hoffnungsträger, schied 2011 in Gladbach in der ersten Runde aus. FOTO: Thomas Grulke
Mönchengladbach. Internationale Jugendmeisterschaften von Deutschland, später German Junior Open: Bei der TG Rot-Weiß traf sich der Tennis-Nachwuchs der Welt, traten etliche spätere Weltklassespieler an. 1956 war das erste Turnier - vor genau 60 Jahren. Seit 2009 gibt es eine kleinere Neuauflage. Von O. E. Schütz

Es waren Zeiten, in denen "ganz Deutschland" am Fernsehgerät mitfieberte: Wenn Steffi Graf und Boris Becker von Sieg zu Sieg eilten, sich die bedeutendsten Titel holten, über Jahre ganz vorne in der Tennis-Welt standen. Und in Mönchengladbach erinnerte man sich immer wieder: Die haben wir doch schon hier live auf dem Platz siegen gesehen, beim Jugendturnier der TG Rot-Weiß. Am Bunten Garten traten Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre etliche junge Spieler an, die nicht viel später zur absoluten Weltklasse aufstiegen, die Konkurrenz zum Teil jahrelang dominierten.

Steffi Graf und Boris Becker, zuvor schon Björn Borg und Ivan Lendl, später Mats Wilander, Michael Stich, Pat Cash oder Gustavo Kürten. Gewonnen haben nur die vier Letztgenannten hier nicht - die Konkurrenz war halt sehr stark. Denn die Internationalen Jugendmeisterschaften von Deutschland, die später German Junior Open hießen, waren eines der bedeutendsten Jugendturniere der Welt, kamen in der Einstufung des Welttennisverbands ITF direkt hinter den vier Grand-Slam-Veranstaltungen: Australian Open in Melbourne, French Open in Paris, US Open in New York und Wimbledon, dem berühmtesten Tennisturnier der Welt.

Begonnen hat es am Bunten Garten 1956. Und nun gibt es vom 11. bis 17. Juli eine Jubiläumsauflage - wenn man so will: Es ist 60 Jahre her, dass die TG Rot-Weiß ihr erstes Jugendturnier veranstaltete - bei dem sich der Nachwuchs der damals noch sehr überschaubaren Zahl der Vereine am Niederrhein einmal messen konnte. Dass daraus eine riesige 40-jährige Erfolgsgeschichte werden sollte, ahnte niemand.

Johann Faßbender, der Trainer des Vereins, hatte zusammen mit Günther Bunkowitz, damals Sportwart, später 20 Jahre lang Vorsitzender der Tennis-Gesellschaft, die Idee gehabt und umgesetzt. Rot-Weiß hatte 1953 seine alte Anlage in der Nähe der Kaiser-Friedrich-Halle räumen müssen, weil sie Baugrund in allerbester Lage bot, der vom Eigentümer verkauft wurde. So war man die Lettow-Vorbeck-Straße einen guten Kilometer hinauf, entlang am Bunten Garten und "Birkenwald", gezogen und hatte sich dort eine neue Heimat geschaffen. Auf der 1960 statt der alten Holzbaracke auch ein Clubhaus entstand, für die Zeit hochmodern und heute noch sehr ansehnlich, in dessen Bauzeit das Jugendturnier ein Jahr pausieren musste. Und dann 1961 sofort wieder aufgenommen wurde, mit bereits 230 Teilnehmern.

Es ging die Zeit zu Ende, in der die Teilnehmer in Militärzelten vor dem Clubhaus, im NATO-Hauptquartier Rheindahlen, in Jugendherbergen untergebracht wurden, dann bei Rot-Weiß-Mitgliedern als Gastfamilien - wobei sich manche private Freundschaft entwickelte - etwa mit Ivan Lendl. Die Spieler mussten in Hotels untergebracht werden, anfangs in einfacheren, dann in den besten der Stadt.

1984 änderte die ITF die Ausschreibung ihrer Jugendturniere: Die Wettbewerbe für die Jahrgänge bis 16 Jahre wurden gestrichen, es gab nur noch eine Klasse, bis 18 Jahre. Björn Borg und Ivan Lendl hatten sich ihre zwei Einzel-Titel im jüngeren Jahrgang geholt, Lendl dann noch einen in der älteren Klasse. 1982 gewann Boris Becker die jüngere Konkurrenz - und Steffi Graf kurz nach ihrem 13. Geburtstag bereits die gegen bis zu 18-jährige Konkurrentinnen.

International war die Besetzung des Turniers in Gladbach bereits 1958, als Italien als erster Verband Jugendliche schickte. Insgesamt werden es im Lauf der Jahrzehnte wohl mehr als 50 Nationen gewesen sein, die hier waren. 1996, bei der letzen Auflage als German Junior Open waren es 45.

"Das Turnier ist mit dem Club gewachsen, zu einem der weltweit beliebtesten Jugendturniere", sagt Ulrich Bunkowitz. Der 72-Jährige, Sohn des 1977 gestorbenen Rot-Weiß-Vorsitzenden, kennt die 60-jährige Geschichte des Turniers wie kein anderer, war bei 48 Auflagen immer dabei, so lange es in Mönchengladbach und von 1997 bis 2008 in Essen ausgerichtet wurde.

Es gibt das Turnier immer noch, seit 2009 aber ist es in Berlin. In Mönchengladbach hat die TG Rot-Weiß die Veranstaltung 1996 abgegeben, weil das über Jahre bewährte Organisationsteam mit Julia Sahner (geborene Bunkowitz) als Nachfolgerin von Jörg Voigtsberger, Bert Achten und Hartmut Röhl aufgehört hatte und der neugewählte Clubvorstand das Risiko nicht weiterführen wollte, die Hälfte des 200.000-Mark-Etats über Sponsoren aufzubringen. "Das hatten wir aber mit dieser auch für das Image der Stadt wichtigen Veranstaltung und dank des guten Rufs stets geschafft - ohne den Club damit finanziell zu belasten", sagt Ulrich Bunkowitz, immer noch bedauernd.

Nicht nur das Turnier hat sich mit dem Verein über Jahrzehnte entwickelt, auch Ulrich Bunkowitz, kurz Uli genannt. Er war schon 1956 als zwölfjähriger Helfer dabei, übernahm immer weitere Aufgaben, war von 1961 bis 1983 Turnierleiter oder Turnierdirektor, wie es später hieß. Bunkowitz wurde Jugendwart des Tennisverbandes Niederrhein, dann ehrenamtlicher Jugendwart als Vizepräsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB). 1984 ging er als hauptamtlicher Sportdirektor des DTB nach Hannover und später Hamburg und war bei den German Junior Open fortan Vorsitzender des Turnierausschusses. Nach der Rückkehr aus Hamburg war er Sportwart und zuletzt Präsident des Tennis-Verbandes Niederrhein.

Quelle: RP
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