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Mönchengladbach
Warum eigentlich Kothausen?

Mönchengladbach: Warum eigentlich Kothausen?
Zwei Ritterlehen und einen Stiftshof gab es zu Zeiten der ersten urkundlichen Erwähnung Kothausens 1339 (obere Karte): Kothausener Hof (1), Mörser Hof (2) und Südderather Hof (3). Die Luftansicht zeigt, dass die Honschaft von den Höfen ausgehend "nach innen" gewachsen ist. FOTO: A. Schneider, Screenshot: Google Maps
Mönchengladbach. Dorfhistoriker Alfred Schneider hat Neues zur Geschichte zutage gefördert: So könnte es ein Familienverband "Derer von Kothausen" gewesen sein, der den ersten Hof der Honschaft baute. Sogar in der Schlacht von Worringen spielte er eine Rolle. Von Jan Schnettler

Eher zufällig fiel das Buch Alfred Schneider kürzlich in die Hände. Schon 1993 hatte der Kreisheimatbund Neuss in seiner Reihe "Lebensbilder" das Leben eines gewissen Hermann von Kothausen skizziert. "Davon hörte ich jetzt zum ersten Mal", sagt das Kothausener Urgestein, der wohl mehr über die Historie der Honschaft weiß als jeder andere. Zumal jener Hermann nicht irgendjemand war - sondern ein extrem wohlhabender Neusser Bürger. So wohlhabend, dass er dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg nach der Schlacht von Worringen eine stolze Summe für das Lösegeld vorstreckte, damit der Graf von Berg den gefangenen Siegfried freiließ.

Über Hermanns Leben ist, so der Autor des Beitrags, Erich Wisplinghoff, wenig bekannt - "was an der schlechten Erhaltung der Archive der Stadt Neuss und ihrer Klöster, aber auch an der Ausdehnung des Familienverbands Kothausen liegt". Letzteres ist es auch, was Alfred Schneider zu der Annahme verleitet, dass es ein Spross eben jenes offenbar wohl begüterten Familienverbands "Derer von Kothausen" war, der im 13. Jahrhundert den Kothausener Hof in der heutigen Mönchengladbacher Honschaft gründete. Der Hof, der heute eine moderne Schreinerei ist, war für den Ort auch namensgebend. Glaubte man zumindest bisher.

FOTO: NN

Aber warum eigentlich Kothausen? Die Namensherkunft ist Stuhl-frei und hat wohl auch wenig mit Kotten (Kate) oder Kötter (Bewohner desselben) zu tun. "Die Silbe Kot kommt aus dem Altniederdeutschen und bedeutete damals ,Erde in zwei verschiedenen Formen'", erläutert Schneider. "Nämlich Melm - Erde in Staubform - und Matsch - Erde in Brei- oder Teigform." Einen Beweis, dass der Name wirklich etwas mit der Neusser Familie Kothausen zu tun hat, gibt es nicht, weil auch im Gladbacher Raum die entscheidenden Archive vernichtet wurden, etwa durch den Brand der Stadt Dalen im Jahr 1647. Immerhin: Die Honschaft ist erwiesenermaßen der einzige Ort, der diesen Namen trägt; in Neuss gibt es bis heute einen Kotthauserweg, wenn auch mit zwei T. Alfred Schneider setzt diesbezüglich jedoch Hoffnung in ein seltenes Buch, von dem er bisher leider noch kein Exemplar hat auftreiben können: "Die ältesten Kellnerrechnungen der Mannkammer in Randerath".

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Honschaft Kothausen 1339. Besagter Hermann könnte von ungefähr 1250 bis 1310 gelebt haben, als "zehnfachen Millionär" könnte man ihn nach heutigen Maßstäben wohl bezeichnen, schrieb Wisplinghoff noch zu D-Mark-Zeiten. Ihren Wohlstand reinvestierten die Kothausens im Neusser Raum, errichteten dort unter anderem das Klarissenkloster.

FOTO: NN

In den Dokumenten verbrieft ist, dass der Kothausener Hof von seinen Besitzern einst, um den Schutz eines Landesherren zu haben, den Grafen von Jülich übergeben worden war, woraufhin sie ihn als Ritterlehen zurückbekamen. 500 Jahre lang gehörte er den Grafen bzw. Herzögen von Jülich. Die anderen beiden anderen noch bestehenden Höfe aus der Gründungszeit sind der heutige Stevenshof, der als "Mörser Hof" erst dem Kölner Kloster Maria im Kapitol gehörte, später den Grafen von Moers, sowie der Südderather Hof, der bis zur Enteignung durch Napoleon ein halbes Jahrtausend dem Kloster Maria im Kapitol gehörte. "Drei Höfe hatte zu jener Zeit nur noch das 1354 zur Stadt erhobene Dalen zu bieten", sagt Schneider.

Kothausen war über Jahrhunderte ein regional bedeutendes Dorf. Es stellte Schöffen, Ratsmitglieder, Bürgermeister und Vögte. Nicht weniger als neun Schöffen und sechs Ratsherren stellte zwischen 1243 und 1373 übrigens auch die Neusser Familie Kothausen. Von denen, schreibt Wisplinghoff, ist besagter Hermann jedoch der einzige, der in den Überlieferungen etwas schärfere Konturen gewinnt. Die anderen waren meist im Dienste der Stadt Neuss; ein Ratsherr namens Peter Kothausen hatte sich um 1300 herum immerhin den Beinamen "Malmort" (schlimmer Tod) erworben, wohl bei Kriegsdiensten im französischsprachigen Raum. Der letzte nachweisbare Kothausen hieß ebenfalls Hermann und erregte 1373 das Missfallen des Kölner Erzbischofs Friedrich von Saarwerden.

Quelle: RP
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