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Mensch Gladbach
Warum ein letzter Platz gut sein kann ...

Mönchengladbach. Medikamente in der Niers, bedenkliche Diesel-Abgase in der Luft - und der Wohnungsmarkt ist auch angespannt. Grund genug, mit unserer Stadt zu hadern? Keinesfalls, denn es gibt immer mehrere Möglichkeiten, die Dinge zu betrachten. Von Denisa Richters

Alles ist im Fluss. Oder Panta rhei, wie der griechische Philosoph Heraklit der Überlieferung nach gesagt haben soll. Wörtlich übersetzt heißt es "Alles fließt". Doch am Ende landet auch alles im Fluss, das gilt für fast alles, was der Mensch so zu sich nimmt oder auf sich verschmiert. Das wird dann abgeduscht oder ausgeschieden - und landet im Abfluss, später, trotz aller Klärwerk-Filterei, im Fluss. Das erklärt, warum im Rhein regelmäßig hohe Werte an Kokain oder anderen Drogen gemessen werden.

In der bei uns in Mönchengladbach vollkommen zu Recht so beliebten Niers sind nicht illegale, berauschende Substanzen das Problem, sondern Medikamente. Deren Rückstände in dem mancherorts so malerisch-harmlos daherfließenden Gewässer überschreiten vorgeschriebene Grenzen. Der Niersverband schlug jetzt Alarm. Schlimm, keine Frage. Aber kein Grund, herzhaft zu hadern.

Zwar sollte man Nierswasser nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker in größeren Dosen zu sich nehmen. Aber insgesamt hat der Verband auch viele gute Nachrichten vom Fluss zu vermelden: Auf zwölf Prozent ihrer Länge schlängelt sich die Niers wieder durch die Landschaft, was Flora und Fauna durch Artenreichtum zu danken wissen. Im Bresgespark wird in den kommenden Jahren viel Geld investiert, danach darf die Niers auch dort wieder richtig mäandern, wie es im Fachjargon heißt.

Die Umwelt spielt auch beim Diesel-Skandal eine Rolle. Schließlich geht es darum, wie viele Schadstoffe in die Luft, die wir atmen, geblasen werden. Nun könnte es sein, dass auch Mönchengladbach Fahrverbote für Dieselautos verhängen muss, denn die Umwelthilfe will entsprechend gegen Städte klagen, in denen Grenzwerte überschritten werden. Bevor Sie sich jetzt schon vorstellen, wie Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners auch zu repräsentativen Terminen nicht mehr mit dem diesel-betriebenen Dienstwagen, sondern mit Fahrrad oder Roller fährt: Gemach! Denn Mönchengladbach belegt einen letzten Platz, der endlich mal erfreulich ist: Beim Ranking der NRW-Städte mit den höchsten Werten an Stickoxid in der Luft landet Mönchengladbach auf dem letzten Platz 22, Düsseldorf belegt Rang drei. Also kann es gut sein, dass das Fahrverbot noch mal einen Bogen um MG macht - oder, noch besser: Die Stadt an der einen Messstelle die Luft reiner bekommt.

Nachdenklich gemacht haben uns diese Woche auch die Zahlen der Landesstatistiker, denen zufolge in Mönchengladbach zu wenige Wohnhäuser gebaut werden und außerdem immer weniger Sozialwohnungen auf dem Markt sind. Das heißt, dass Wohnen teurer wird. Aber es heißt auch, dass Mönchengladbach attraktiver für Neubürger und interessanter für Investoren wird. Die sind inzwischen auch bereit, viele Wohnungen zu bauen. Dass dabei nicht nur das Luxus-Segment bedient wird, kann die Stadt über Vorgaben und städtebauliche Verträge steuern. Vor allem sollte sie erst einmal ihre eigenen Wohnungsbaugesellschaften dazu bringen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Immerhin: Transparenz wird aktuell groß geschrieben. Und das im materiellen Sinne. Auf dem Tisch liegt die Idee, den Innenhof des Rathauses Abtei mit einem Glasdach zu versehen und den Stadtrat darunter tagen zu lassen. Das könnte nicht nur gut aussehen, sondern kostengünstiger als andere Lösungen sein. Von uns also glasklare Zustimmung.

Ihnen, ein ruhig dahinfließendes Wochenende!

Quelle: RP
 
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