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Bericht der Schuldnerberatung in Mönchengladbach
Warum Gladbacher überschuldet sind

Warum Menschen aus Mönchengladbach überschuldet sind
Viele Bürger haben ihre Ausgaben nicht im Griff (Archivbild). FOTO: dpa
Mönchengladbach. Jeder sechste Einwohner über 18 Jahre kann seine Schulden nicht bezahlen. Auch viele Jugendliche kaufen auf Pump. Von Andreas Gruhn

Dieser Satz klingt eigentlich wie eine gute Nachricht, doch der Schein trügt: Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist im abgelaufenen Jahr in Mönchengladbach etwas zurückgegangen. 774 statt 988 Verfahren im Landgerichtsbezirk, in der Stadt waren es laut Statistischem Landesamt it.NRW 409 Verfahren. Aber eine Abkehr Mönchengladbachs von der bisherigen Hauptstadt der Schuldner ist das nicht, wie aus dem neuesten Jahresbericht der Schuldnerberatung Mönchengladbach hervorgeht.

"Immer mehr Klienten haben ein sogenanntes P-Konto, das ihnen den nötigen Freiraum gibt. Aber sie suchen deshalb seltener den Schritt der Verbraucherinsolvenz mit der Sanierung nach sechs Jahren", sagt Karin Fuhrmann-Dally, Leiterin der Schuldnerberatung, die ihre Büros in Rheydt an der Odenkirchener Straße hat. Dort ist die Zahl der ausgestellten Bescheinigungen für ein P-Konto, die benötigt werden, wenn man nicht alleinstehend ist, im Jahr 2017 um 28 Prozent auf 417 gestiegen.

Der Schuldneratlas des Instituts Creditreform gibt ihr Recht: Die Schuldnerquote ist in Mönchengladbach im Gegensatz zum Bundestrend im vergangenen Jahr wieder angestiegen. 16,1 Prozent aller Mönchengladbacher, also ungefähr jeder sechste Einwohner über 18 Jahren, ist laut Creditreform überschuldet. Nur in zwölf von allen 402 Kreisen und Städten in ganz Deutschland ist die Schuldnerquote noch höher als in Mönchengladbach.

Die Gründe für die hohe Verschuldung sind vielfältig. Fuhrmann-Dally führt die allgemeinen Konsumwünsche und deren Finanzierung an. "Früher wurde erst gespart, und dann gekauft. Heute wird finanziert, oft auch durch verlockende Null-Prozent-Angebote." Auf Pump gekauft wird im Grunde alles: Möbel, Einrichtungsgegenstände, sogar Urlaubsreisen, aber auch der einfache Lebensunterhalt wird mitunter mit geliehenem Geld finanziert.

Wenn es dann zu Arbeitslosigkeit, zur Trennung vom Partner, zu einer Erkrankung oder anderen Einflüssen kommt, dann steht schnell die Überschuldung an. Meistens sind es auch mehrere Ursachen gleichzeitig. "Unsere Aufgabe ist es dann, das Existenz-Minimum zu schützen", sagt Fuhrmann-Dally. Wer seine Schulden loswerden möchte, braucht oft Hilfe und vor allem die richtigen Informationen. Die Schuldnerberatung, die von den freien Wohlfahrtsverbänden in der Stadt unterhalten wird, zählte im abgelaufenen Jahr insgesamt 2822 Beratungsfälle - ein leichter Rückgang, der auf personelle Veränderungen zurückzuführen ist.

Insgesamt kamen die Ratsuchenden mit 21.726 Einzelforderungen und einer Gesamtforderungshöhe von 46,9 Millionen Euro. Die höchste Schuldsumme eines Ratsuchenden betrug 693.000 Euro - zusammengekommen aus ehemaliger Selbstständigkeit. Im Durchschnitt standen die Schuldner mit 34.734 Euro in der Kreide. Bei 675 Klienten waren auch 1296 Kinder von der Überschuldung betroffen. Und jeder dritte Ratsuchende lebt von Arbeitslosengeld II ("Hartz IV"), 29 Prozent waren Angestellte.

Interessant ist auch, warum Jugendliche in die Verschuldungsfalle geraten: Handyverträge, Warenbestellungen, Miet- und Energierückstände, Schwarzfahren sowie Buß- und Strafgelder sind die häufigsten Verschuldungsgründe bei Jugendlichen. 70 Prozent der Jugendlichen in der Beratung waren mit 2500 bis 10.000 Euro verschuldet, 21 Prozent standen sogar mit mehr als 10.000 Euro in der Kreide.

Quelle: RP
 
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