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Mönchengladbach
Warum Styropor nichts für Mädchen ist

Mönchengladbach: Warum Styropor nichts für Mädchen ist
Die Firma Schorch hat eine praktische Aufgabe zum Nachbauen mitgebracht. Die erfordert Konzentration. FOTO: Raupold, Isabella
Mönchengladbach. 330 Gesamtschüler testen 13 Berufe, lernen Ausbilder kennen und kommen auf neue Ideen für ihre Zukunft. Dabei bekommen sie praktische Arbeitsaufträge. Nur Styropor kommt bei dem Training nicht vor - der Gerechtigkeit wegen. Von Angela Rietdorf

"Der Berufsparcours ist die komprimierteste Art, Berufe kennenzulernen", ist Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke überzeugt. Und eine der erfolgreichsten dazu. "Bei 400 Schülern entstehen beim Berufsparcours zwischen 35 und 80 Kontakte zu Firmen", gibt die Leiterin des Berufsparcours Erfahrungswerte wieder. Die Berufsbildungsveranstaltung war schon mehrfach in Mönchengladbach zu Gast. In diesem Jahr findet sie in der Gesamtschule Volksgarten statt. 330 Schüler aus neun Schulen nehmen daran teil.

Auf einem Tisch hat das Mönchengladbacher Unternehmen Schorch eine praktische Arbeitsaufgabe aufgebaut: ein Klemmbrett soll nach den Angaben auf einer Zeichnung bestückt werden. Dazu müssen Kabelschuhe, Muttern und Scheiben in der richtigen Reihenfolge montiert werden. Zehn Minuten haben die Jugendlichen dazu Zeit. "Bei manchen klappt es super", sagt Ausbilder Rainer Koch. Andere tun sich schwer damit, die Schnittzeichnung zu lesen.

Man brauche ein Interesse für Technik und die Fähigkeit zum logischen Denken, erklärt der zweite Ausbilder Michael Koch. Und die Mathekenntnisse der 9. Klasse. Bei Schorch wird der Beruf des Elektronikers für Maschinen und Antriebstechnik vorgestellt. Daniel und Yannik von der Peter-Ustinov-Schule haben die Aufgabe erfolgreich absolviert. Daniel hat es Spaß gemacht, für Yannik war es okay. "Es ist für uns wichtig, dass die Jugendlichen einen Plan B entwickeln und sich nicht nur auf einen Beruf fixieren", sagt Lehrerin Mary van Vlorop. "Und dass sie sich der Herausforderung stellen und sich auf die neuen Aufgaben einlassen." Zumindest Daniel hat jetzt eine Alternative zum Berufsziel Koch.

Im Berufsparcours sind viele Berufe vertreten, die eher technisch orientiert sind. Bei den Aufgaben wird darauf geachtet, dass sie gender- und migrationsgerecht sind. Migrationsgerecht ist eine Aufgabe dann, wenn sie ohne viele Sprachkenntnisse verstanden wird. "Gendergerecht heißt, dass die Firmen zum Beispiel darauf achten, Zangen bereitzustellen, die auch in die kleineren Frauen- und Mädchenhände passen", erklärt Karin Ressel. Ganz wichtig, wenn man weibliche Bewerber nicht vertreiben will: der Verzicht auf Styropor. "Das Quietschen von Styropor vertreibt alle Mädchen", sagt Ressel.

Das wäre schade, meint Rainer Hohenstatt. Der Bosch-Ausbildungsleiter weiß, wie erfolgreich weibliche Elektroniker sein können. "Eine junge Frau war in diesem Jahr Jahrgangsbeste", stellt er fest. Mädchen seien oft besonders konzentriert und bissen sich eher durch. Für ihn ist der Berufsparcours eine wichtige Gelegenheit, um potenzielle Bewerber kennenzulernen.

Generell empfehlen alle Ausbilder Praktika, gern auch freiwillige während der Ferien. "Dann können wir die Jugendlichen kennenlernen, sehen, ob sie mit dem Arbeitsumfeld zurechtkommen oder ob sie pünktlich und interessiert sind", sagt Rainer Koch. Allerdings müssen sie sich rechtzeitig bewerben, denn Schorch nimmt nur drei Praktikanten gleichzeitig. Auch Rainer Hohenstatt von Bosch plädiert für Praktika.

Die seien wichtig, um zu sehen, ob diese spezielle Firma oder die Berufsausrichtung in Frage komme. "Bei uns sind die Mitarbeiter im Kundendienst unterwegs", sagt er. Das gefalle nicht jedem. "Aber es gibt 23 verschiedene Berufsbilder im Bereich Elektronik, da findet sich dann vielleicht etwas Ähnliches, was besser passt."

Quelle: RP
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