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Mönchengladbach
Was befand sich in der Notenbibliothek von Bach?

Mönchengladbach. Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Außer Fleiß und Begabung gehört auch eine anregende Umwelt dazu. Welche Anregungen erhielt ein Genie wie Johann Sebastian Bach? Was kannte er von anderen Komponisten? Konkret: Was befand sich in Bachs Notenbibliothek? Dieser Frage gingen in Schloss Rheydt drei vorzügliche Kammermusiker aus dem Orchester L'arte del mondo nach, Emilio Percan (Violine), Adrian Cygan (Violoncello) und Wolfgang Kostujak (Cembalo). Kostujak gab dazu eine Fülle von Informationen. Das tat er auf eine lockere, unterhaltsame Art und Weise, die den Zuhörern im ersten Schlosskonzert gefiel. Von Gert Holtmeyer

Die Musiker spielten auf Instrumenten alter Bauart, orientiert an den Prinzipien der historischen Aufführungspraxis - sehr lebendig und mit individueller Ausschmückung des Notentextes. Kostujak wies darauf hin, dass Percan auf seiner Geige in Corellis g-moll-Sonata op.5,5 erheblich mehr Noten spielte, als er in seinen Noten vorfand. Das war damals allgemein üblich und brachte eine gehörige Portion Virtuosität ins Spiel. Cygan und Kostujak beschränkten sich nicht aufs Continuo-Spiel, beide glänzten auch als Solisten.

Dass Noten von Corelli, Händel und Vivaldi in Bachs Notenschrank lagen, ist wahrscheinlich. Die langsamen Sätze in Händels Violinsonate F-Dur (HWV 370) spielte Percan rezitativisch, wie eine Erzählung ohne Worte. In den schnellen Sätzen kam viel Schwung ins Spiel. Ob allerdings jedes Werk, das damals unter dem Namen Vivaldi verkauft wurde, wirklich aus der Feder des "Prete Rosso" stammte, sei dahingestellt. Auch Bach, meinte Kostuja, könnte da dem einen oder anderen Schwindel aufgesessen sein.

Auch in zwei Bach-Sonaten spielte Kostujak eine anspruchsvolle Continuo-Partie. Dabei gab es allerdings einen erheblichen Unterschied. In BWV 1022 hatte Bach die Cembalo-Stimme auskomponiert, in BWV 1021 musste sie, wie damals allgemein üblich, vom Cembalisten anhand der lediglich einstimmig notierten Basslinie improvisiert werden. Beides klang ganz ausgezeichnet. Das begeistert applaudierende Publikum hörte als Zugabe noch eine Da-Capo-Zugabe.

Quelle: RP
 
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