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Mönchengladbach
Was macht ihr denn da?

Mönchengladbach. Experten bemängeln, Sexualität werde an Schulen nicht genug thematisiert. Wir haben Schüler und Lehrer dazu befragt. Von Sabine Kricke

Leon kichert. Er schaut beschämt auf den Boden, dann ins Nichts. Nachdem er zunächst recht förmlich über das Thema Sexualkundeunterricht spricht, traut sich der 16-Jährige doch: "Es ist schon wichtig. Aber wie das geht, kenne ich aus Pornos. Den ersten habe ich bei einem Freund geschaut, damit meine Eltern das nicht mitbekommen", erzählt Leon. Das Thema Sexualkundeunterricht an Schulen wird derzeit kontrovers diskutiert. Organisationen wie die Aids-Hilfe oder Pro familia beklagen, dass Schulen das Thema vernachlässigen würden. Und manche Eltern wehren sich gegen den Unterricht. Sie kritisieren, er sei teils schamverletzend. Sexualkundeunterricht sei wichtig, damit Jugendliche lernen, Dinge richtig einzuordnen, sagt hingegen Thomas Hollkott, stellvertretender Leiter des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums. Sexualkunde dürfe in der Schule nicht fehlen.

"Es geht nicht nur darum, dass Jugendliche etwas über die Verschiedenheit der Geschlechtsorgane lernen, sondern auch um die emotionale Entwicklung der Kinder. Das muss auch in der Schule aufgegriffen werden", sagt er. Vanessa (13) wurde bereits vor dem Sexualkundeunterricht von ihren Eltern aufgeklärt. "Da kam in den Nachrichten, dass Frauen in Gladbach vergewaltigt wurden", erzählt Vanessa - ihre Eltern sprachen mit ihr darüber. Experten halten dieses Vorgehen für falsch. "Sexuelle Aufklärung an etwas Negativem wie einer Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch aufzuhängen, ist schwierig. Kinder sollten an das Thema nicht über etwas Negatives herangeführt werden", sagt Hollkott. Hin und wieder komme es vor, dass Eltern ihre Kinder nicht am Unterricht teilnehmen lassen wollten. "Aber jedes Kind muss. Das ist so im Lehrplan verankert, da werden keine Ausnahmen gemacht", sagt der Biologie-Lehrer. Nicole (14) findet das gut so. "Wie das zum Beispiel bei meiner Periode abläuft, habe ich dort gelernt", sagt sie. Zwar habe ihre Mutter ihr Binden gegeben, als es soweit war, aber wie oft sie diese wechseln muss, habe sie im Sexualkundeunterricht gelernt.

Quelle: RP
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