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Mensch Gladbach
Was Regenschirme mit Müll zu tun haben

Mönchengladbach. Sie nutzen Regenschirme nur, wenn es regnet? Dann sind Sie nicht auf dem neuesten Stand. Wir brauchen Regenschirme, um für Mülltonnen zu werben. Warum, lesen Sie hier.

Jetzt muss ich Sie einmal mit dieser Frage schockieren: Ist der Mönchengladbacher eigentlich besonders unsauber? Es ist nicht gemeint, wie oft er sich die Hände wäscht, sich die Zähne putzt oder sich duscht. Nein, diese Frage ist gemünzt auf den Müll, den jeder Gladbacher und jede Gladbacherin produziert. Genauer: auf den Abfall - und das ist eine entscheidende Erkenntnis -, der nicht vom Himmel fällt, sondern der von Bürgerinnen und Bürgern im städtischen Grün entsorgt wird. Gibt's nicht, sagen Sie? Beziehungsweise: Das machen nur irgendwelche Schmutzfinken, die sich nicht zu benehmen wissen?

Doch warum gibt's davon so viele in dieser schönen Stadt? Sogar mehr als in anderen Städten, die nicht so schön sind und in denen sozial schwieriges Klientel wohnt? Es ist merkwürdig, dass auf jeden Mönchengladbacher 6,3 Kilo wilder Müll kommen. Anderswo sind es im Schnitt nur 1,5 Kilo. Jetzt hat ein Gutachter, der für die Stadttochter Mags und deren Tochter GEM alternative Abfallkonzepte entwickeln sollte, festgestellt, dass daran kleine Tonnen schuld sein könnten. Weil da kein kaputter Regenschirm reinpasst und dieser dann irgendwo im Schmölderpark oder am Rand der Kaldenkirchener Straße entsorgt wird. Glauben Sie nicht? Doch, dürfen Sie glauben, denn der Experte hat Schaubilder gezeigt, wie dieser ausrangierte Stockschirm nur in einer 240-Liter-Tonne ganz versenkt wird, während sein Handgriff bei einer 60-Liter-Tonne oben wieder rausguckt. Und was Gutachter sagen, stimmt immer. Fast. Oder meistens. Oder mit einer besonderen Überzeugungskraft, die in einem proportionalen Verhältnis zu den Interessen der Auftraggeber steht.

Sie aber mit Ihrem 25-Liter-Tönnchen dürfen bei diesem Kaputter-Stock-Regenschirm-Rolltonnen-Vergleich gar nicht erst mitreden. Sie müssen sich schon ein achtmal faltbares Regenschirm-Modell kaufen, wenn sie es in Ihrem niedlichen Müllgefäß verstauen wollen. Ich darf da mitreden. Weil ich an der Stadtgrenze in einer Stadt lebe, die seit genau 20 Jahren Rolltonnen hat. Wir versenken Stockschirme in unseren Tonnen, dass es eine wahre Pracht ist. Da existiert auch ein harmonisches Zusammenleben von kaputten Schirmen mit dem sonstigen Restmüll - ohne Maden, Ratten und Schimmel-Monster.

Aber ich habe Sympathie für Ihre Klein-Tonnen. Weil sie so schön Mönchengladbach-spezifisch sind und die Stadt herausheben aus dem Entsorgungs-Einerlei. Diese Tonnen werden zwar, wenn sie bleiben sollten, am Ende mächtig teuer, da Sonderlösungen notwendig werden und man Fahrzeuge umkonstruieren und noch zusätzliches Personal einstellen muss. Aber Eigenarten fordern oft Opfer. Die Linke hat in der jüngsten Ratssitzung sogar ein Modell vorgelegt, wie Tönnchen upgedated werden können, wie das heute heißt. Man braucht einen kleinen Betrieb, der die Minis mit Rollen versieht. So eine Art Start-up-Unternehmen. Süß, die Idee. Nur leider betriebswirtschaftlich völlig hirnrissig, weil nur ein industriell konzipiertes Gesamtsystem die Gebühren am Ende stabil hält.

Jetzt werde ich Ihnen sagen, wie es laufen wird. Das funktioniert wie bei Tarifverhandlungen. Die Mags hat eine am Schreibtisch entwickelte Maximalforderung erarbeiten lassen. Jetzt treten CDU und SPD auf den Plan und sagen, dass diese unerfüllbar ist, weil die Bürgerinnen und Bürger sie nicht wollen. Am Ende gibt's zwar Rolltonnen, aber deutlich mehr Leerungsintervalle und nette Zusatz-Dienstleistungen wie zum Beispiel Aus-dem-Keller-Hol- und Bringdienst und Windelservice für junge Eltern. Hinter dem ganzen System steckt viel Taktik. Wetten?

Quelle: RP
 
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