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Mönchengladbach
Wegen Rechtsstreit: Vis-a-Vis bleibt länger

Wegen Rechtsstreit: Vis-a-Vis bleibt länger
Bis auf die Mayersche Buchhandlung sind sämtliche Geschäfte aus dem Vis-a-Vis (rechts) ausgezogen. Die Buchhandlung hat den Minto-Betreiber Mfi verklagt. Deshalb wird beim Abriss des Vis-a-Vis der Zeitplan nicht einzuhalten sein. FOTO: Knappe
Mönchengladbach. Ende Juni sollte der Interimsbau abgerissen und mit dem Bau des Sonnenhaus-Platzes begonnen werden. Daraus wird nichts. Grund ist ein Rechtsstreit zwischen Minto-Betreiber Mfi und Mayerscher Buchhandlung. Es geht um Millionen. Von Ralf Jüngermann

Wer auf der Terrasse des vierten Stockwerks im Minto steht, ahnt schon jetzt, dass der Blick in Richtung Abteiberg einmal ein besonderer sein wird. Und inzwischen kann man sich auch plastisch vorstellen, dass der Platz, der vor dem Minto entsteht und sich Richtung Hans-Jonas-Park öffnet, ein echtes Pfund in der Gladbacher Innenstadt sein wird. Nur im Moment hat man von alldem noch wenig bis gar nichts.

Denn im Weg steht das Vis-a-Vis, jener nur bedingt schmucke Bau, der für zweieinhalb Jahre übergangsweise Geschäfte wie Sport Scheck beherbergte, die wegen des Abrisses der Theatergalerie ihren alten Standort verloren hatten. Das Vis-a-Vis ist leer, seit vor gut drei Wochen gegenüber das Minto eröffnet hat. Mit einer allerdings entscheidenden Ausnahme: Die Mayersche Buchhandlung verkauft in der ansonsten verlassenen Halle weiter Bücher und Kalender.

Eigentlich hatte die Buchhandlung ins Minto ziehen sollen. Doch Mfi und die Mayersche wurden sich nicht einig. Die Buchhandlung hat nun den Minto-Betreiber verklagt - und zwar auf 5,148 Millionen Euro plus Zinsen. Der Prozess läuft noch. Bis zum 30. April haben beide Parteien Zeit, sich zum Vergleichsvorschlag des Handelsgerichts, das vorgeschlagen hat, dass Mfi zwei Millionen Euro an die Mayersche zahlt, zu äußern.

Bevor dieser Rechtsstreit nicht beendet ist, wird die Buchhandlung wohl kaum aus dem Übergangsbau ausziehen. Zumal der neue Standort, der bisherige Sitz von Deichmann, 100 Meter tiefer an der Hindenburgstraße, erst noch umgebaut werden muss. Es sind unter anderem brandschutzrechtliche Auflagen zu erfüllen. Noch gibt es nicht die nötige Baugenehmigung.

Mfi wiederum steht bei der Stadt in der Pflicht. Sie hat vertraglich zugesichert, das Vis-a-Vis drei Monate nach der Minto-Eröffnung - also Ende Juni - komplett abgebaut zu haben. Dieser Termin ist nicht zu halten. Und die Stadt ist zwar kompromissbereit, aber nur in einem klar definierten Rahmen. Bis zum Ende der Sommerferien, also Mitte August, will man Mfi die Frist aus Kulanz verlängern. Warum es auf keinen Fall länger geht, erklärt Jürgen Beckmann, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung: "Wir brauchen zwölf Monate, um den Sonnenhaus-Platz fertig zu bekommen. Und den wollen wir im Sommer 2016 eröffnen - und nicht erst in der dunklen Jahreszeit." Es gingen fast täglich Anfragen von den Bürgern bei der Stadt ein, wann das Vis-a-Vis denn nun abgebaut würde.

Auch Stefan Wimmers, Vorsitzender des City-Managements, hofft, dass die Übergangshalle so schnell wie möglich verschwindet. "Sie steht jetzt einfach im Weg." Wiewohl der große Nachteil, dass das Vis-a-Vis länger stehen bleibt, auch einen Vorteil hätte: "Bleibt das Vis-a-Vis bis Ende Oktober, bekommt Gladbach noch in diesem Jahr das Ski-Event. Alle stehen Gewehr bei Fuß", so Wimmers. Sonst werde es 2016, bis die Schnee-Gaudi nach Gladbach zurückkehrt.

Derweil zeigt der zivilrechtliche Prozess vor dem Mönchengladbacher Gericht, um welche Summen es rund um das Minto geht. Die Mayersche Buchhandlung verlangte im August 2012 rund 1,8 Millionen Euro Schadenersatz von Mfi. Dieser sei berechtigt, weil man in der Theatergalerie, in der das Unternehmen seit 1993 eine Filiale betrieb, noch einen Mietvertrag bis Ende 2015 hatte, mit der Option, diesen um fünf Jahre zu verlängern. Mfi hat, wie das Unternehmen vor Gericht ausführte, der Buchhandlung mehrere Flächen im Minto angeboten. Einig wurde man sich aus finanziellen Gründen aber nicht.

Ein Gutachter sollte nun beziffern, wie viel Einnahmen der Buchhandlung entgangen sind. Er bezifferte den Schaden auf rund drei Millionen Euro. Die Handelsrichter schlugen beiden Parteien am 19. März vor, dass Mfi zwei Millionen an die Mayersche zahlt. In einer ersten Reaktion schien Mfi weniger abgeneigt, sich auf diese Summe einzulassen, als die Mayersche. Die bezeichnete den Betrag als deutlich zu niedrig. Für endgültige Stellungnahmen zum Vergleichsvorschlag haben beide bis zum 30. April Zeit.

Quelle: RP
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