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Mensch Gladbach
Weihnachten - jetzt erst recht!

Mönchengladbach. Diesel unter einem Euro, Temperaturen über 15 Grad und Popcorn in der Ratssitzung - in einer Kino-Komödie wäre uns das ein bisschen arg dick aufgetragen. Im echten Leben hilft jetzt nur noch eines: Tannenbaum schmücken, Kamin an, Gans in den Ofen. Weihnachten - jetzt erst recht!

Meine Güte, was für Fragen man sich in diesen Tagen wieder stellen muss: Wo ist der Sonnenschirm für das Weihnachts-Kaffeetrinken auf der Terrasse? Bis wie viel Uhr darf man Heiligabend den Rasen mähen? Und schmeckt Glühwein, wenn man Eiswürfel reinwirft und ihn mit einem Strohhalm trinkt? Diese Adventszeit treibt einem echt die Schweißperlen auf die Stirn. Ich glaube ja nicht, dass das schon Folgen der Erderwärmung, des neuen Stadtbetriebs Sauberkeit oder der Steuererhöhung sind.

Letztere treiben wahrscheinlich eher manchem aus CDU und SPD die Schweißperlen auf die Stirn. Nicht, weil es so ungewöhnlich wäre, Steuern zu erhöhen. Das gehört ja zum kleinen Einmaleins, das Laienpolitiker und Polit-Profis gleichermaßen beherrschen: Kauf dem Bürger ein paar hübsche Geschenke; er muss sie ja eh selbst bezahlen. Nein. Erstaunlich ist, dass CDU und SPD ihr eigenes Wahlprogramm ernst genommen haben. Sie wollen die Stadt also wirklich sauberer machen. Und geben jetzt Geld dafür aus. Das ist in seiner Stringenz so revolutionär, das wahrscheinlich schon bald dicke Doktorarbeiten der Politikwissenschaften drüber geschrieben werden. Ein Ziel benennen und es dann vor aller Augen umsetzen - das hat immense Sprengkraft für den Politikbetrieb. Erinnern Sie sich noch an das Leitmotiv der Ampel? Das war mehr Transparenz. Womit die Ampel wenigstens Humor bewies. Denn tatsächlich brauchte das Dreier-Bündnis so viele Runden hinter verschlossenen Türen wie keine zweite Polit-Verbindung in dieser Stadt seit dem 30-jährigen Krieg. Und das viele Papier, das zum Start mit Zielen beschrieben wurde, war ein besonders geduldiges.

Tatsächlich haben sich die GroKisten selbst eine besonders schwere Aufgabe gestellt. Denn sie sammeln von Bürgern und Unternehmern vorab Geld ein. Jetzt müssen sie liefern. Und zwar so, dass am Ende keine zwei Meinungen möglich sind. Die Stadt muss ein erheblich besseres Erscheinungsbild bekommen. Das ist bei diesem Thema nicht leicht, weil man dabei auch abhängig ist von dem Verhalten einer ganzen Stadt und es zu viele gibt, die sich einfach nicht benehmen können und wollen. Apropos Stadtbetrieb Sauberkeit: Da überlegt die CDU ja, wie sie am Ende in die Hall of fame kommt und sich nicht am Ende die Sozialdemokraten den Erfolg ans abgewetzte Jackett heften. Drum zuckt mancher in der CDU, ob denn wirklich der SPD-Fraktionsvorsitzende Felix Heinrichs stellvertretender Vorsitzender des Beirats werden darf, wo doch schon ein Sozi Vorstand ist. Liebe CDU, auch wenn es gerade warm da draußen ist: Cool down! Die Frage, wer OB Reiners in diesem Gremium alle Jubeljahre als Sitzungsleiter vertritt, ist nun wirklich schnurzpiepegal.

Nun interessiert sich also sogar der Generalbundesanwalt für Sven Lau, den Salafisten, der in Gladbach mal ganz klein angefangen hat. Wir erinnern uns daran, dass damals mancher den Kampf der Eickener Bürger gegen das Salafisten-Zentrum zu harsch, die Ängste der Bürger unbegründet fand. Es war wohl im Gegenteil noch gefährlicher, als alle damals dachten. Und was sagen wir? Fürchtet Euch nicht! Wir feiern jetzt Weihnachten. So von Herzen wie noch nie!

Quelle: RP
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