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Mönchengladbach
Wenn das Kind stirbt

Mönchengladbach: Wenn das Kind stirbt
Professor Dr. Wolfgang Kölfen (r.) mit seinem Team, das die Gedenkfeier für verstorbene Kinder vorbereitet und durchführt. Die Veranstaltung bietet das Krankenhaus jedes Jahr an, viele Eltern kommen jedes Jahr wieder. FOTO: Knappe
Mönchengladbach. Am 20. November, dem Ewigkeitssonntag, ist in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses die alljährliche Gedenkfeier für verstorbene Kinder. Viele Eltern kommen jedes Jahr, weil der Tod eines Kindes sie ein ganzes Leben beschäftigt. Von Angela Rietdorf

"Die sechs Tage, die Romy lebte, waren für uns die schönsten und die schlimmsten Tage unseres Lebens", sagt Sabrina Nix. Die schlimmsten, weil ihr Kind, die kleine Romy, viel zu früh per Notoperation auf die Welt kam, kämpfte und schließlich doch starb. Die schönsten, weil sie und ihr Mann dennoch eine intensive Zeit mit ihrem Kind haben konnten und diese Erinnerungen weiter im Herzen tragen.

Dass sie die kurze Zeit, die sie mit ihrer Tochter verbringen durften, so nutzen konnten, dafür sind sie den Kinderkrankenschwestern und Ärzten der Intensivstation der Kinderklinik des Elisabeth-Krankenhauses dankbar. "Die Kinderkrankenschwestern haben uns so zur Seite gestanden, angeleitet und ermutigt", sagt die Mutter der kleinen Romy. "Das war großartig."

Das Kind im Arm zu halten, zu baden oder auf dem Bauch liegen zu haben, das waren Erfahrungen, die Sabrina und Michael Nix im Rückblick als beglückend empfinden. "Es waren die einzigen Momente, die wir mit dem Kind hatten", erklären die Eltern. "Sie sind nie nachzuholen, wenn man sie verpasst hat." Doch das erfahrene Team der Kinder-Intensivstation hat die Eltern unterstützt und sanft angeleitet. Dazu ist viel Empathie nötig. "Eltern dürfen nicht überfordert werden", sagt Schwester Marion Schommen. "Wir begleiten sie und bieten ihnen immer wieder Möglichkeiten, mit dem Kind in Beziehung zu treten." Für die betroffenen Eltern war diese Begleitung enorm wichtig. "Es herrschte immer eine so menschliche, persönliche Atmosphäre", erinnert sich die Mutter. Deshalb werde sie auch das Baby, das sie jetzt erwartet, im Eli zur Welt bringen.

Für Professor Dr. Wolfgang Kölfen, Chefarzt der Kinderklinik, zeigt dieses große Vertrauen, dass Pflegerinnen und Ärzte alles richtig gemacht haben, auch wenn das Baby nicht gerettet werden konnte. "Als Arzt muss man lernen, sich nicht auf die Technik zu konzentrieren", erklärt er. "Man braucht Emphathiekanäle zu den Eltern und muss ihnen nahebringen, was man tut." "Die Trauerarbeit hat im Krankenhaus angefangen", bestätigt Sabrina Nix. Sie hat sich zu Hause fortgesetzt, im Familien- und Freundeskreis und bei der letztjährigen Gedenkfeier für die verstorbenen Kinder.

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine solche Veranstaltung geben. Am Sonntag, 20. November, 15 Uhr, wird in einem feierlichen und doch sehr persönlichen Rahmen der verstorbenen Kinder gedacht. In der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses werden die Namen verlesen, es werden Gedichte und Geschichten vorgetragen. Ein Krankenhausseelsorger hält eine Ansprache, das alles wird musikalisch umrahmt. Ein solches Ritual hilft beim Trauern. "Es gibt Eltern, die kommen viele Jahre wieder", sagt Schwester Antonia Schniedewind. "Der Tod eines Kindes geht Eltern ein Leben lang nicht aus dem Kopf." Auch Sabrina und Michael Nix werden am Sonntag ihrer Romy gedenken. Sich immer an die Zeit mit ihr erinnern - und auf das Baby freuen, das im Frühjahr geboren werden soll.

Quelle: RP
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