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Mönchengladbach
Wenn das Nummernschild zum Fluch wird

Mönchengladbach: Wenn das Nummernschild zum Fluch wird
FOTO: Ilgner Detlef (ilg)
Mönchengladbach. Das Auto ist wunderschön, lichtblau und flott. Die Initialen des eigenen Namens waren vor drei Jahren, als der Mini angeschafft wurde, noch harmlos. Jetzt nicht mehr. Jetzt steht IS für Terror und Wahnsinn. Ich brauche ein neues Schild. Von Inge Schnettler

Zum allerersten Mal in meinem Autofahrer-Leben habe ich vor drei Jahren die Buchstaben-Kombination MG-IS für das Kennzeichen meines Mini-Coopers gewählt. Meine Initialen halt - ein Klassiker. Damals habe ich mir nichts dabei gedacht, hat sich niemand etwas dabei gedacht. IS als Abkürzung für "Islamischer Staat" - das hatte noch keiner wirklich auf dem Schirm. Aber jetzt. Verdammt! Es ist mir echt peinlich, mit diesem Kennzeichen durch die Gegend zu fahren. Und ich ärgere mich maßlos, weil ich mein lichtblaues süßes kleines Auto ansonsten so sehr liebe und extrem gerne damit fahre. Weil es ein super Lebensgefühl ist, mit dem kleinen Flitzer durch Stadt und Land zu brausen.

Außer meinem gibt es 449 weitere Autos in Mönchengladbach mit dem MG-IS-Kennzeichen. "Wir haben keine gesteigerte Nachfrage nach dieser Buchstabenkombination feststellen können", sagt Stadtsprecher Dirk Rütten. Deshalb sei es hier nach wie vor möglich, MG-IS zu wählen. In Düsseldorf hingegen habe die Stadt das Wunschkennzeichen IS gesperrt, dort waren auffällig viele Nummernschilder mit diesen Buchstaben angefordert worden. "Da hat es wohl eine gezielte, politisch motivierte Nachfrage gegeben", sagt Rütten.

Auf Österreichs Autokennzeichen ist die Buchstabenkombi IS seit März grundsätzlich verboten. Auch ein Landkreis in Hessen hat sie verboten. Was ist, wenn die Stadt Mönchengladbach sich dem anschließt? Müssen dann alle MG-IS-Nummernschilder ausgetauscht werden. Auf eigene Kosten womöglich? "Nein", sagt Dirk Rütten. "Wir würden die Buchstabenkombination in diesem Fall nur aus der Reservierung herausnehmen."

Es ist das erste Mal, dass eine Buchstabenkombination, die nichts mit dem Nazionalsozialismus zu tun hat, in die Diskussion geraten ist. Auf der bundesweiten Verbotsliste stehen die Nazi-Codes NS, HJ, KZ, SS und SA. In Nürnberg beispielsweise werden aber auch keine Autokennzeichen mit den Buchstabenkombinationen N-PD und N-S vergeben.

Kurios ist diese individuelle Regelung. In Moers, wo die Stadtkennung auf dem Autoschild MO lautet, darf niemand RD dazusetzen - MORD.

Quelle: RP
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