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Mönchengladbach
Wenn der Trainer zudringlich wird

Mönchengladbach: Wenn der Trainer zudringlich wird
Beate Fränken, Vorsitzende der Sportjugend Mönchengladbach. FOTO: RPO
Mönchengladbach. Sexueller Missbrauch von Kindern in Sportvereinen war bislang ein Tabuthema. Dabei passiert es immer wieder – auch in Mönchengladbach. Erst vor einer Woche wurde erneut ein Verdachtsfall in einem Mönchengladbacher Fußballclub bekannt. Von Gabi Peters

Beate Fränken, Vorsitzende der Sportjugend Mönchengladbach, will das Problem nicht verschweigen: "Wir sagen nicht: Das passiert bei uns nicht. Potentielle Täter wird es immer wieder in Sportvereinen geben. In Schulen und in Kirchenkreisen kommt so etwas ja auch vor." Aber gerade im Sport könne es oft zu heiklen Situationen kommen. Beate Fränken: "Da wird sich umgezogen, geduscht, bei manchen Übungen gibt es Körperkontakte, und ganz häufig entwickelt sich zwischen Trainern und jungen Sportlern ein sehr enges Vertrauensverhältnis."

Zu unterscheiden zwischen normalem Verhalten und grenzwertigen Übergriffen sei nicht immer leicht. "Dass ein Übungsleiter alleine mit Kindern duscht, geht natürlich gar nicht", sagt Beate Fränken.

Aber was ist mit den Hilfestellungen bei Turnübungen? "Wir müssen genau hingucken. Und auf das Empfinden des Kindes achten", sagt die Vorsitzende des Stadtsportbundes. Wenn ein Mädchen oder Junge immer gerne zum Sport ging und das plötzlich nicht mehr der Fall ist, dann müsse man dem nachgehen. "Manchen Mädchen ist es unglaublich peinlich, wenn der Übungsleiter zu ihr sagt: Mensch, du kriegst ja schon einen richtigen Busen", sagt Beate Fränken.

Pädophile suchen die Nähe zu Kindern. Und gerade Sportvereine würden von ihnen recht häufig als Betätigungsfelder gewählt. In Rheinland-Pfalz müssen Übungsleiter aus diesem Grund ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. So weit will Beate Fränken jedoch nicht gehen, aber sie sieht andere Präventionsmöglichkeiten. Zum Beispiel könnten Übungsleiter in der Sportjugend einen Ehrenkodex unterschreiben. Der sei bereits ausgearbeitet und abrufbar. "Natürlich schützt das auch nicht hundertprozentig. Aber die Vereine könnten so das Zeichen setzen: Passt auf! Wir gucken genau hin. Das schreckt bestimmt einige potenzielle Täter ab", sagt die Vorsitzende der Sportjugend.

Sportjugend und Landessportbund hätten schon viele Kampagnen gestartet, die einerseits Erwachsene für dieses Thema sensibilisieren und andererseits Kindern und Jugendlichen Mut machen sollen, sich nichts gefallen zu lassen. Fränken: "Wir müssen Netzwerke aufbauen. Kinder müssen in Sportvereinen Ansprechpartner haben, wenn etwas nicht stimmt."

Schutz vor sexuellen Missbrauch

Das Thema "Schutz vor sexuellen Missbrauch" habe beim Dachverband, dem Landessportbund, schon vor Jahren einen hohen Stellenwert eingenommen. Und das werde angesichts der immer wieder vorkommenden Fälle auch weiterhin so sein.

Immerhin gibt es alleine in der Stadt 210 Sportvereine, in denen 20 000 Kinder und Jugendliche gemeldet sind.

Quelle: RP
 
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