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Mönchengladbach
Wenn die Seele zerreißt

Mönchengladbach: Wenn die Seele zerreißt
FOTO: Stutte Matthias
Mönchengladbach. Inszeniert Helen Malkowsky eine Oper, geht es ans Eingemachte. Das ist bei Janaceks "Katja Kabanowa", die heute Abend Premiere im Theater feiert, nicht anders. Von Armin Kaumanns

Wenn Helen Malkowsky über Leos Janaceks Musik spricht, wie der böhmische Komponist sie 1921 sie für seine späte Oper "Katja Kabanowa" geschrieben hat, dann ist sie ganz hingerissen von ihrer Eigenheit, dem ganz speziellen, authentischen, neuen Ausdruck: "Immer zeigt die Musik Janaceks innere Zerrissenheit. Er versteckt sich förmlich in seiner eigenen Emotionalität. Und hofft doch, von allen verstanden zu werden." Diese Musik sei der Grund, auf dem die Inszenierung entstanden ist, verrät sie am Tag der Generalprobe.

Und berichtet vom Geist der Zusammenarbeit mit GMD Mihkel Kütson, der im Graben die Niederrheinischen Sinfoniker leitet und zugleich den Atem und Puls der Figuren mitempfinden muss, wie die Regisseurin sie angelegt hat. "Es gibt viele Fermaten in der Partitur, viele zerrissene Momente. Aber das ist unser tägliches Handwerk, wie sich der Regisseur mit den Sängern verständigt. Und es gründet auf die viele Erfahrung, die wir in den vorangegangenen Inszenierungen hier am Haus gesammelt haben", sagt die geborene Dresdnerin, deren "Stiffelio" und "Mazeppa" noch in guter Erinnerung sind.

FOTO: Stutte Matthias

Es ist Malkowskys erster Janacek für die Opernbühne. Das tut der Begeisterung jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil. Gern stürzt sich die Regisseurin auf die Seelenzustände der Figuren, von denen ihr - im Gleichklang mit dem Komponisten - die Frauen die interessanteren zu sein scheinen. "Ein Frauenstück? - ach ja", lächelt sie, "dabei sind wir auch noch drei Frauen, die das auf die Bühne bringen." Und fährt fort: "Nun: Janacek zeichnet die Männer mehr als Typen, er skizziert fast nur. Die Frauen sind musikalisch ausformuliert, vielschichtig.

Und an den Seelenqualen der Katja, die die Partie der Izabela Matula ist, zerreißt es einem die Seele. Das ist so traurig, so toll." Die Titelheldin endet, wie in der Oper gern und häufig, tragisch. Katja lebt in schlechter Ehe mit einem Scheußling, da reißt ihr die Liebe zu Boris, dem Nachbarn (gesungen von Tenor Michael Siemon) die Füße weg. "Es passiert, was nur die Liebe vermag", sagt die Regisseurin. In dem Dorf am Ufer der Wolga jedoch ist für derartige Abweichungen von Norm und Ordnung kein Platz, das Innere der Titelheldin zerbricht endgültig in einem Gewitter, nach dem sie ihr Geliebter tot nur mehr aus der Wolga fischt.

Kathrin-Susann Brose (Bühne) und Alexandra Tivig (Kostüm) haben die Handlung in die 60er/70er Jahre verlegt, in einen Raum, der "ein Seelenraum" sein soll, wie die Regisseurin es formuliert: "Er zerfällt wie Katjas Seele." Und die Wolga, der Janacek so viel Emotionen in seiner Musik widmet, spüle am Ende alles mit sich fort, was möglich gewesen wäre, sagt Malkowsky. Natürlich geht es in Katja Kabanowa - wie in der literarischen Vorlage "Das Gewitter" von Ostrowski - auch um allgemeine Themen: die Gegensätze zwischen alter und junger Generation, zwischen Gott und Wissenschaft.

"Vor allem aber liebe ich an Janacek, dass er so viel davon weiß, dass wir nicht unabhängig von der Welt existieren", sagt die Regisseurin. Man darf entsprechend gespannt sein, was sie aus der Oper herausliest. Premiere ist heute um 19.30 Uhr, kurz nach 21 Uhr wird der Schlussapplaus erwartet.

Karten: Telefon 02166 6151100

Quelle: RP
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