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Serie Denkanstoss
Wenn falsche Propheten locken

Serie Denkanstoss: Wenn falsche Propheten locken
Auch muslimische Eltern sind besorgt, wenn ihre Kinder in den radikalen Salafismus abdriften. FOTO: dpa
Mönchengladbach. Auch muslimische Eltern sind besorgt, wenn ihre Kinder von Salafisten bedrängt werden. Sie sind genauso hilflos wie Mütter und Väter, die christlichen Glaubens sind und Entfremdung beim Nachwuchs bemerken. Von Martina Wasserloos-Strunk

Seit einigen Monaten fällt mir auf, dass immer öfter Menschen mit muslimischem Glauben in die Kurse der Philippus Akademie kommen. Die meisten von ihnen engagieren sich in der Arbeit mit Flüchtlingen. Aber auch andere Themen sind für sie interessant: Gerade in dieser Woche war es ein Vortrag über Salafismus und wie man Kinder und Jugendliche davor bewahren kann, den falschen Propheten ins Netz zu gehen.

Es ist besorgniserregend, welchen Einfluss die gewinnen können! Für manchen nicht-muslimischen Teilnehmer und manche Teilnehmerin ist das überraschend: Ja, die muslimischen Eltern sind genauso besorgt über diese Radikalisierung wie wir. Und genauso hilflos... Was uns allen klar wird: Das ist nicht der Islam. Das ist nicht einmal eine Splittergruppe des Islam, sondern es sind gewaltbereite, häufig sogar gewalttätige Verbrecher, die die Religion missbrauchen, um junge Menschen zu verführen. Für die muslimischen Teilnehmer kommt noch etwas noch hinzu: Da treiben Ideologen ihr Unwesen mit dem Glauben der Menschen, missbrauchen die Bekenntnisse und machen aus ihrem Gott Allah dem Allerbarmer und Barmherzigen einen gnadenlosen Rachegott. In Gesprächen, die wir auch zum Beispiel im Rahmen der interreligiösen Konferenz darüber führen, wird das mit großer Offenheit thematisiert, und wir hören auch, wie diese Ideologie völlig zu Unrecht in manchen Medien das Bild vom Islam bestimmt. Vielleicht ist es diese Erfahrung, die viele Muslime nun bewegt, sich zu öffnen, das Gespräch zu suchen, Fragen zu stellen. So schön es ist, wenn man zum Frühlingsfest gemeinsam Baklava genießt - mindestens genauso schön ist es, mit dem Vorsitzenden des Irfan Vereins und dem Imam über Pfingsten und die Bedeutung des Heiligen Geistes für uns Christen zu diskutieren und dabei von ihnen zu erfahren, dass "Irfan" nicht nur einfach Bildung, sondern noch viel mehr, nämlich außerdem auch noch Herzensbildung und Weisheit bedeutet und dass deshalb die Türen des Vereins offen stehen für alle, die kommen möchten, egal welche Religion sie haben. Man darf sogar keine haben: Hauptsache, es gibt gemeinsam etwas zu entdecken und voneinander zu lernen!

Und wenn solche Gespräche damit enden dass man einen Termin vereinbart, am dem auch die anderen Mitglieder des Vereins etwas über das Christentum erfahren sollen - weil sie das gerne möchten -, dann ist das ein bisschen wie Sonnenschein am Pfingstsonntag. Auf jeden Fall zeigt es, dass das Übereinanderreden zu nichts führt, außer dazu, den falschen Propheten Raum zu geben. Miteinander ist es bestimmt nicht immer einfach. Aber wie sagte ein Seminarteilnehmer: "Um das Miteinander führt kein Weg herum: nur mittendurch!"

MARTINA WASSERLOOS-STRUNK IST LEITERIN DER PHILIPPUS-AKADEMIE.

Quelle: RP
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