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Mönchengladbach
Wenn Leben auf dem Spiel stehen

Mönchengladbach: Wenn Leben auf dem Spiel stehen
Unter neugierigen Blicken testen Interessierte die Thoraxnadel: Thorsten Möller (Mitte) von der Firma "meetB" passt auf und gibt Tipps. Die Nadel ist Bestandteil des "Anti-Terror-Bags", die bei schweren Unfällen den Brustkorb entlasten soll. FOTO: Knappe Jörg
Mönchengladbach. Rettungssanitäter sind ständig in Bereitschaft, um auch bei schweren Unfällen helfen zu können. Daher muss auch ihr Wissen stets aufgefrischt und erneuert werden. Zum Beispiel über das Equipment oder den Umgang mit der Polizei. Von Dominik Lauter

Die meisten der mehr als 200 Mönchengladbacher Rettungssanitäter sind noch in Uniform und Bereitschaft, als sie sich in den gut beheizten Veranstaltungssaal auf dem Gelände des Elisabeth-Krankenhauses setzen. Die drei städtischen Traumazentren Krankenhaus Elisabeth, Maria-Hilf und Neuwerk organisieren regelmäßig Seminare. Der erste Referent Marc Deußen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, beginnt seinen Vortrag mit einem Fall vom 15. September. "Die Leitstelle erhielt eine Meldung über einen Motorradfahrer, der kurz vor Wickrath die Kontrolle über seine Maschine verloren haben sollte, mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 140 bis 180 km/h." Eine bedrückende Stille erfüllt plötzlich den Saal. Der Referent fährt fort: "Die Einsatzkräfte der Wache 3 rückten sofort aus. Einige Minuten später trafen sie am Unfallort ein und sahen den Verletzten neben der Leitplanke liegen. Wie gehen wir nun vor?", fragt Deußen in die Runde. Plötzlich ein lautes Piepen in den Zuhörerreihen, woraufhin der uniformierte Besitzer des Melders seinen Kollegen antippt - und beide eilen aus dem Saal. Besorgte Blicke folgen ihnen. Es unterstreicht, wie realitätsnah doch diese Theorie ist, die man grade bespricht.

Für einen Nicht-Mediziner sind Ausdrücke wie ATLS-Konzept, ABCDE-Schema oder eine Thoraxdrainage sicherlich unverständlich. Während Deußen den Fall des Motorradfahrers gemeinsam mit den Lehrgangsteilnehmern Schritt für Schritt unter die Lupe nimmt, hört man recht schnell zwei Dinge heraus. Erstens: "Unsere Rettungskräfte sind sehr gut ausgebildet." Zweitens: "Bei den zuvor genannten Fachausdrücken handelt es sich um Vorgehensweisen, die bei einem Einsatz abgearbeitet werden müssen. Dabei wird der Zustand des Patienten ermittelt, er wird stabilisiert, um ihn transportfähig zu machen."

In der Pause darf dann, bei einer Simulation eines Unfalls, selber Hand angelegt werden. Während sich im Nebenraum die meisten Sanitäter einen verfrühten Feierabend-Snack genehmigen, liegen in der Kapelle jeweils eine Puppe und eine Schweinehälfte. Sie warten darauf, von Sanitätern in den Brustkorb eine Nadel geschoben zu bekommen. Die Puppe erweist sich als das geeignetere Versuchsobjekt. Thorsten Möller, von der Firma "meetB", erklärt den Umgang mit der sogenannten Thoraxnadel. Und so geht es: "Zuerst die Lunge vollpumpen und dann die Nadel an der oberen, linken Seite des Brustkorbs einführen." Leichter gesagt als getan, denn der Brustkorb erweist sich als harter Gegner. "Die Nadel ist dazu da, Luft oder auch Flüssigkeiten aus der Lunge entweichen zu lassen", sagt Möller. Dies muss vor allem bei schweren Unfällen gemacht werden. Die Nadel ist Teil des "Anti-Terror-Bags", den Möller zuvor in seinem Vortrag genauer vorgestellt hatte. Die Tasche, nicht größer als eine Herrenhandtasche, ist seit dem Besuch der "Tour de France" in Gladbach Standardausrüstung in allen Dienstfahrzeugen. Darin enthalten sind Membranpflaster, Tourniquets zum Abbinden von Gliedmaßen, blutstillende Verbände und die zuvor getesteten Thoraxnadeln. Diese Tasche ist eine Art Erste-Hilfe-Kasten für extreme Verletzungen.

Im Gespräch erklärt Deußen die Ziele des Seminars: "Das wichtigste ist die Absprache. Nicht nur unter den Rettungssanitätern, sondern auch mit anderen Behörden, wie beispielsweise der Polizei."

Für Michael Bauermann vom NRW-Innenministerium ist die Absprache ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Bei Terroranschlägen hätten sich vor allem die Sanitäter oft in Gefahr begeben, weil es keine oder nur eine mangelnde Absprache zwischen den Einsatzkräften gegeben habe. "Damit ihr den Verletzten helfen könnt, muss zuerst eure Sicherheit garantiert sein." Die Sanitäter teilen Bauermanns Meinung, sprechen aber auch Mängel offen an. Am Ende ist man sich einig: "Vieles läuft gut, aber in extremen Situationen reicht gut eben noch nicht."

Quelle: RP
 
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