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Mönchengladbach
Wenn Orgelklang den Raum erfüllt

Mönchengladbach: Wenn Orgelklang den Raum erfüllt
Kantor Reinhold Richter (l.) an der Truhenorgel. Die Teilnehmer - auch Initiator Reinhold Schiffers (2.v.l.) - waren begeistert. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Ratsherr Reinhold Schiffers führte zur Reihe "Zu Gast bei ..." in die Pfarrkirche St. Helena Rheindahlen. Hier erklärte Kantor Reinhold Richter Stationen der Baugeschichte und die beiden Orgeln. Am Ende zog seine Frau alle Register. Von Angela Wilms-Adrians

Für einen Kirchenmusiker aus Leidenschaft ist der Platz an der Orgel nicht einfach nur Arbeitsplatz, sondern sinnerfüllender Ort. "Ich fühle mich diesem Raum sehr verbunden", betonte denn auch Reinhold Richter, als er in der Pfarrkirche St. Helena Rheindahlen Besuch erhielt von Reinhold Schiffers mit kunstinteressiertem Anhang. Der Organisator der vom Forum Kultur der SPD Mönchengladbach initiierten Reihe "Zu Gast bei ..." hatte darum gebeten, die Seifert-Orgel und die Truhenorgel beim Chorraum hautnah erleben zu dürfen.

Er war mit zehn weiteren Gästen gekommen. Da eine jede Orgel für den ihr bestimmten Raum gedacht und konzipiert wird, durchwanderte und erklärte der Kantor erst einmal den Sakralbau. Richter verweilte ein wenig im älteren Teil der Pfarrkirche, die eigentlich aus zwei Kirchen besteht. An ein Gebäude von 1550 wurde 1910 bis 1914 das Langhaus angebaut. Der Kantor erklärte die Symbolik der Altarinsel, deren zwölf wellenartig ineinander gefügten Holzteile die zwölf Stämme Israels symbolisieren und Bewegung ausdrücken.

Von der Insel führte er zur Truhenorgel. Die wurde von der Mönchengladbacher Orgelbaufirma Martin Scholz erbaut, allein durch Spenden finanziert und ist ein ausgezeichnetes Continuo-Instrument bei Orchestermessen, Oratorienaufführungen und Konzerten. Anhand kurzer Stücke bewies der Organist, wie wunderschön weich der Klang des Instruments mit den zweieinhalb Registern komplett aus Holz ist.

Er bewies aber auch einen schelmischen Zug seines Naturells, als er im Chorraum sitzend eine "Pfeife von oben" versprach. Jeder erwartete, eine Orgelpfeife zu hören, fragte sich aber auch, wie der Musiker dies von der unteren Orgelbank aus bewerkstelligen wolle. Eine wunderschöne Melodie breitete sich dann tatsächlich von der Empore kommend im Kirchenschiff aus, doch von der großen Orgel stammte sie nicht. Das Rätsel löste sich auf, als die Besucher auf der Empore Richters Ehefrau Andrea mit Blockflöte vorfanden.

An der Seifert-Orgel führte ihr Mann eindrucksvoll vor, dass die Orgel wegen ihrer Klangvielfalt zurecht als Königin der Instrumente gilt. Der Organist zeigte, wie jedes Register für eine Klangfarbe steht. Er ließ ein mächtiges Prinzipalregister erklingen wie auch die Register von Rohrflöte, Trompete und Oboe. Er zeigte, wie ein nur mit einer Taste angeschlagener Ton über drei Register in drei Lagen erklingt. Für die Darbietung von Bachs Toccata und Fuge tauschte Richter sein Straßenschuhwerk gegen seine "Orgelspielschuhe" aus. Diese sind für das optimale Spiel auf dem Pedalwerk schmal geschnitten, aus weichem Leder, haben dünne Sohlen und einen kleinen Absatz. "Wir spielen mit Spitze und Absatz. Durch den Absatz wird der Weg kürzer", erklärte Richter.

Das Orgelspiel des Kantors war der krönende Abschluss eines aufschlussreichen Abends. Andrea Richter assistierte ihrem Mann, indem sie die Register zog. Schiffers, der Gastrecht erbeten hatte, war fasziniert von der großartigen Koordination zwischen Händen und Füßen beim Orgelspiel. Die Musik hatte ihn begeistert, aber eben auch der Blick auf das, was Konzertbesuchern im Kirchenschiff verborgen bleibt.

Quelle: RP
 
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