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Mönchengladbach
Wenn Puppen eine Türöffner-Funktion haben

Mönchengladbach. Alltagsbegleiterinnen der Caritas lernen, wie sie mit Handpuppen einen Kontakt zu alten Menschen herstellen können.

Im Seminarraum des Caritaszentrums Holt in Mönchengladbach sind die Puppen eingezogen. Genauer gesagt: Handpuppen. "Wir teilen uns jetzt nochmals in Zweiergruppen auf. Eine nimmt die Puppe und baut ein Gespräch zum Gegenüber auf", gibt Olaf Möller vor. Die zwölf Frauen, die gerade noch im Stuhlkreis um den Theaterpädagogen und Puppenspieler gesessen haben, verteilen sich. Während die einen die Handpuppen zur Seite legen, schlüpfen die anderen mit der Hand in die Köpfe der verschiedenen Modelle und lassen den Mund probeweise auf- und zugehen sowie die Hände winken.

Leise Gespräche ziehen sich durch den Raum. Möller geht entlang der Teams, gibt Tipps, bewegt seine eigene Figur mit den roten Haaren, um zu verdeutlichen, was er meint. "Puppenspiel ist keine einfache Belustigung, sondern wirkliche Arbeit, insbesondere, wenn man sie wie hier fachlich nutzen wird", erklärt der Diplom-Sozialpädagoge. Seine Schülerinnen sind allesamt Alltagsbegleiterinnen der Caritaszentren Holt und Neuwerk. Sie erlernen in einem zweitägigen Seminar den Umgang mit den Puppen, um diese danach in der Seniorenarbeit einzusetzen.

Während Handpuppen in Kitas inzwischen zum Alltag gehören, ist der Einsatz der niedlich anzusehenden Stoffgesellen bei alten Menschen noch ein wenig Pionierarbeit. Die positiven Effekte auf Senioren sind vielen unbekannt. Dabei sprechen die Erfolge für sich. Auch bei demenziell veränderten Menschen konnten mit Hilfe der Handpuppen mit ihren liebevoll gestalteten Gesichtern gute Ergebnisse erzielt werden. "Die Puppen haben eine Türöffner-Funktion, wenn sie richtig eingesetzt werden. Viele erleben in der Arbeit mit ihnen magische Momente, weil intensive Reaktionen entstehen", sagt Möller. Über die Figuren erhalten die Betreuungskräfte einen Zugang zu den Menschen, schaffen Kommunikation, wecken Erinnerungen und rufen Ressourcen ab. Oberstes Gebot bei der Nutzung ist die Sensibilität. Wer mit der Puppe spielt, muss immer darauf achten, wie sein Gegenüber auf den Einsatz reagiert, und dementsprechend handeln. "Ist ein Mensch empfänglich oder blockt er ab? Fühlt er sich angesprochen oder eher unwohl? Genaues Beobachten ist ganz wichtig", erläutert Olaf Möller. Auch das lernten die Alltagsbegleiterinnen des Caritasverbandes in dem zweitägigen Workshop. "Wir möchten das Angebot mit den Handpuppen weiter fördern und haben daher weitere Puppen angeschafft und unsere Mitarbeiterinnen geschult", sagt Sigrid Cloerkes, Leiterin des Sozialen Dienstes vom Caritaszentrums Holt. Die Alltagsbegleiterinnen sind begeistert über die neuen Möglichkeiten in der Arbeit mit alten Menschen.

Quelle: RP
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