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Mönchengladbach
Wer was werden will, wird Wirt

Mönchengladbach: Wer was werden will, wird Wirt
Werben für die Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie (v.l.): Benno Giesen (Arbeitsagentur), Azubi Kim Derenthal, Peter Jost (Elisenhof), Azubi Samantha Weegen, Holger Böker (Richard Wagner) und Angela Schoofs (Arbeitsagentur). FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Gute Aufstiegschancen, internationale Einsetzbarkeit: Trotz solcher Vorzüge werden in Hotellerie und Gastronomie noch viele Auszubildende gesucht. Die Arbeitsagentur will Abhilfe schaffen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist markant gesunken. Von Jan Schnettler

Die Binsenweisheit "Wer nichts wird, wird Wirt" hält sich hartnäckig, ebenso wie das Vorurteil, in Gastronomie und Hotellerie ließe sich kein gutes Geld verdienen. Alles Mumpitz, sagt Holger Böker, Betreiber des Restaurants Richard Wagner und Ausbildungsbotschafter des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. "Wer die richtige Motivation mitbringt, hat in unseren Branchen alle Aufstiegschancen. Wer gut ist, kommt auch weiter und verdient gutes Geld." Und Peter Jost, Inhaber des Hotels Elisenhof, fügt hinzu: "Das fundierte Ausbildungssystem im deutschen Gastgewerbe wird weltweit anerkannt. Nicht zufällig werden viele Spitzenpositionen im Ausland, beispielsweise zwei Drittel der Top-Häuser in Dubai, von Deutschen geleitet." Die Branche habe es in den letzten Jahren bloß versäumt, vernünftige Imagewerbung zu betreiben, auch die Ausbildungsgehälter seien sukzessive angestiegen.

Deswegen hat sich auch die Arbeitsagentur auf die Fahnen geschrieben, für eine Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie die Werbetrommel zu rühren. "Es wird Zeit, dass diese Berufe endlich in die Top Ten aufsteigen", sagt ihre Leiterin Angela Schoofs. Noch nämlich sind die Jugendlichen diesbezüglich zurückhaltend: Von den 1477 in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss aktuell noch unbesetzten Ausbildungsstellen sind 125 in der Gastronomie und noch einmal so viele in der Hotellerie zu finden. Die Botschaft lautet: Kommt zu uns - während es über alle Ausbildungsberufe hinweg statistisch gesehen 0,6 Stellen pro Bewerber gibt, sind es im Gastgewerbe drei bis vier. Und auch mit niedrigen Qualifikationen (oder gar ohne Schulabschluss) gibt es gute Chancen - und Nachhilfe-Programme der Arbeitsagentur - in die Branche einzusteigen.

Mit einem niederschwelligen Angebot namens "Open House" soll nun bewerkstelligt werden, dass interessierte Jugendliche schnell und unkompliziert einen Weg in die Ausbildung finden. Wer sich für die Berufe Koch, Restaurantfachkraft, Hotelfachkraft, Fachkraft Gastgewerbe und Fachkraft Systemgastronomie interessiert, sollte also in der 23. Kalenderwoche (vom 6. bis 10. Juni) ohne Anmeldung oder Termin in die Arbeitsagentur Mönchengladbach, Lürriper Straße 56, 3. Etage, Zimmer 309, kommen (Mo. und Di. 8 bis 15.30 Uhr, Mi. und Fr. 8 bis 13 Uhr, Do. 8 bis 18 Uhr). "Es braucht nur den Willen, in diesem Bereich zu arbeiten, Lebenslauf und Zeugnisse. Den Rest kriegen wir hin", sagt Benno Giesen, Vermittler im Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur. Er berät die Jugendlichen, vermittelt sie, wenn denn alles passt, direkt auf freie Stellen - oder organisiert kurzfristige Kurzpraktika von ein bis zwei Tagen, damit sich Bewerber und Betrieb kennenlernen. Der Weg vom Tellerwäscher zum Hoteldirektor sei ein langer und steiniger Weg. "Aber er ist absolut möglich", sagt Giesen.

"Teamarbeit ist sehr wichtig. Sehr gut finde ich auch die Balance zwischen der Arbeit direkt mit den Gästen und am Schreibtisch im Büro. Und natürlich, dass ich überall arbeiten kann", sagt Kim Derenthal (21), im zweiten Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau im Elisenhof. Sie wolle definitiv eines Tages im Ausland arbeiten. "Auch ich genieße, neben der Arbeit in der Küche, den direkten Kontakt zu den Gästen", sagt Samantha Weegen (21), im Richard Wagner im dritten Ausbildungsjahr als Köchin. Böker sagt, ihm sei es wichtig, seine Azubis in viele Aspekte wie die Gestaltung der Karten einzubinden.

Vom Ausbildungsmarkt konnte die Agentur gestern Positives berichten. Gegenüber dem Vorjahr gab es sowohl mehr Ausbildungsstellen (3126 gegenüber 2963 in 2015) als auch mehr Bewerber (1362 statt 1269 in Gladbach und 1764 statt 1694 im Rhein-Kreis). "Sensationell", so Schoofs, "ist im Mehrjahresvergleich unsere Entwicklung bei der Jugendarbeitslosigkeit. Gegen den Landestrend geht sie sowohl gegenüber dem Vormonat als auch dem Vorjahr deutlich zurück." Im Mai waren im Agenturbezirk 2068 junge Männer und Frauen arbeitslos, die Quote liegt bei 5,6 Prozent (Vorjahr: 6,1). Auch die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk sank deutlich, um 888 Menschen gegenüber April und 623 gegenüber Mai 2015. Die Quote liegt in Gladbach nunmehr bei 10,7 Prozent, im Rhein-Kreis bei 5,7 Prozent.

Quelle: RP
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