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Mönchengladbach
Werbung am Geschäft - aber nicht so

Mönchengladbach: Werbung am Geschäft - aber nicht so
Erika Kick vor ihrem Laden. Die Stadt verlangt mit Verweis auf die Gestaltungssatzung, dass sie ihre Werbung vom Geschäft entfernt. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Erika Kick soll die Werbeanlagen an ihrem Geschäft in der Rheydter Innenstadt entfernen: zwei Klebefolien und ein Schild. Dagegen hat sie Einspruch eingelegt - und bekommt Unterstützung vom Citymanagement. Von Marlen Kess

Der Stein des Anstoßes ist grau-pink. Das sind die Farben, in denen Erika Kick den Schriftzug ihres Modegeschäfts "être en vogue" in der Rheydter Innenstadt gestaltet hat. "Mein Markenzeichen", sagt die 52-Jährige - und prominent am Geschäft platziert. Ein grau-pinkes Schild am Haus weist auf den Laden hin, Klebefolien in den beiden Farben schmücken die Schaufenster. Doch bald könnte damit Schluss sein: Die Verwaltung hat Kick per Anhörungsbogen dazu aufgefordert, Folien und Schild zu entfernen.

In dem Brief des Fachbereichs Bauordnung werden drei Elemente als illegal bezeichnet: Werbefahnen, die Erika Kick vor ihrem Geschäft aufgestellt hatte, das Ladenschild an der Hauswand und die grauen Klebefolien mit dem pinken Schriftzug. Diese seien unzulässig, da der Schriftzug nicht ausgeschnitten sei, sondern grau hinterlegt. Das Ladenschild sei von ihr dorthin montiert worden, das sei baurechtlich illegal. Fahnen und Folien widersprechen der Werbeanlagensatzung für die Rheydter Innenstadt. Diese steht im Zusammenhang mit der Gestaltungsrichtlinie. Beide traten 2016 in Kraft und sollen den Stadtkern einheitlicher und hochwertiger machen.

Die Werbefahnen hat Kick entfernt, gegen den Rest der Aufforderung hat sie Einspruch eingelegt. Das Schild hänge schon seit mehr als 20 Jahren an dieser Hauswand - es gelte deshalb Bestandsschutz. "Neu ist lediglich mein Schriftzug, den ich im Juni 2016 angebracht habe." Die Folien hängen laut Kick aus praktischen Gründen: "Die Aufkleber decken die Stromleitungen für die Schaufensterbeleuchtung ab." Um die Leitungen zu verdecken, müsse die Wand aufgerissen und eine neue Beleuchtung installiert werden - mehr als 10.000 Euro würde das kosten, schätzt Kick. Und als Mieterin könne sie ohnehin keine baulichen Veränderungen vornehmen.

Die Geschäftsfrau ist sauer: "Ich habe das Gefühl, die Stadt arbeitet gegen die Einzelhändler, anstatt froh zu sein, dass es überhaupt noch inhabergeführte Geschäfte außerhalb der großen Ketten gibt." Ob ein Schriftzug auf transparentem Grund oder auf Grau angebracht sei, könne nicht entscheidend sein: "Das ist engstirnig und willkürlich - schließlich müssen die Kunden mein Geschäft auch finden können."

Stadtsprecher Wolfgang Speen erklärt dazu, dass die Verwaltung immer eine gemeinsame Lösung anstrebe, wenn sich der Betreiber des Geschäfts meldet. "Dies hat in der Regel zu positiven Ergebnissen geführt." Erhalte die Stadt keine Rückmeldung und die angegebene Frist verstreiche, werde ein ordnungsbehördliches Verfahren eingeleitet.

Ulrich Elsen (SPD), Ratsherr und 2. Bürgermeister, fordert ein Gespräch zwischen Verwaltung und Händlerin. "Ein Formblatt vom Amt reicht nicht aus, ich kann gut verstehen, dass da Frust entsteht." Die Richtlinien seien zwar sinnvoll und sorgten für ein positiv verändertes Stadtbild - Einzelfälle solle die Verwaltung aber zusammen mit den Geschäftsleuten vor Ort regeln.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Konflikte zwischen Rheydter Geschäftsleuten und der Verwaltung gibt. Im Januar hatte Juwelier Ralf Winkels versucht, vor seinem Geschäft am Harmonieplatz Blumenkübel als Einbruchschutz aufzustellen - und verstieß damit gegen die Gestaltungsrichtlinie. Nach langem Hin und Her durfte er als Kompromiss eine Bank aufstellen. Im Sommer stellte Harald Gerstung, Inhaber des Rheydter Ratskellers, vor seinem Restaurant Blumenkübel für das Turmfest auf - musste dieser aber danach wieder entfernen. Begrünungselemente als Begrenzung sind im Bereich des Marktplatzes laut der Richtlinie verboten.

Christoph Hartleb vom Citymanagement Rheydt wundert sich über das Vorgehen der Verwaltung. "So sollte man nicht mit dem Handel umgehen. Anstatt die Leute anzusprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden, werden Richtlinien durchgepaukt und Anhörungsbögen verschickt." Hartleb setzt deshalb auf die bald anstehende Evaluierung von Werbeanlagensatzung und Gestaltungsrichtlinie. Dazu habe es bereits ein erstes Gespräch zwischen Citymanagement und Vertretern von Politik und Verwaltung gegeben. Laut Stadtsprecher Speen sollen die Ergebnisse im ersten Quartal 2018 in der Bezirksvertretung und im Planungs- und Bauausschuss vorgestellt werden.

Quelle: RP
 
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