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15-Jährige zeigt Vergewaltigung an
Widersprüche bei Mönchengladbacher Sextat

Nach Vergewaltigung: Mehr Überwachung am HBF?
Mönchengladbach. Nachdem eine 15-Jährige eine Vergewaltigung angezeigt hatte, veröffentlichte die Polizei ein Foto des mutmaßlichen Täters. Der Verdächtige stellte sich, bestreitet aber die Tat. Der 20-jährige Düssseldorfer Schüler sagt, alles sei einvernehmlich geschehen.  Von Lisa Kreuzmann und Gabi Peters

Das Fahndungsfoto des mutmaßlichen Vergewaltigers war Dienstagmorgen erst wenige Stunden veröffentlicht, da stand auch schon ein junger Mann in der Bundespolizeiwache am Mönchengladbacher Hauptbahnhof und sagte: "Ich bin der, den Sie suchen." Eine Woche lang hatte die Polizei nach dem Mann gefahndet, der am Abend des 12. Januar eine 15-Jährige auf einem belebten Platz hinter dem Bahnhof vergewaltigt haben soll.

Die 15-Jährige hatte die Tat bei der Polizei so geschildert: Sie sei an dem Tag im Mönchengladbacher Stadtteil Lürrip in einen Bus Richtung Hauptbahnhof eingestiegen. Mit ihr sei auch ein junger Mann zugestiegen und habe sich während der Fahrt neben sie gesetzt. Seine Versuche, sie in ein Gespräch zu verwickeln, habe sie abgelehnt. Am Bahnhof hätten beide den Bus verlassen. Der Mann sei ihr gefolgt. Als sie schließlich hinter dem Bahnhof in einem Supermarkt einkaufen ging, habe sie gehofft, ihn abgeschüttelt zu haben. Doch der Mann hätte gewartet und sie nach Verlassen des Geschäfts weiter verfolgt. Schließlich habe der Mann sie massiv bedrängt und unsittlich berührt. Dann sei es schließlich zur Vergewaltigung gekommen.

Der mutmaßliche Täter, der sich  der Polizei stellte, ist ein 20-jähriger gebürtiger Inder, der schon seit mehreren Jahren in Deutschland wohnt. Der Düsseldorfer ist Schüler und will nächstes Jahr sein Abitur machen. Er bestreitet, gegen den Willen des Mädchens zudringlich geworden zu sein. Seinen Angaben nach geschah alles einvernehmlich. Wie ein Polizeisprecher sagte, ist er polizeilich noch nie in Erscheinung getreten. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wurde er entlassen und befindet sich auf freiem Fuß. Die Ermittlungen dauern an.

Erst am Vortag war bekannt geworden, dass die Ermittlungen in einem weiteren Vergewaltigungsfall in Mönchengladbach eingestellt wurden. Im vergangenen Jahr war der sexuelle Missbrauch einer Minderjährigen ebenfalls im Bereich hinter dem Mönchengladbacher Hauptbahnhof angezeigt worden. Das Mädchen hatte behauptet, dass es von fünf Männern vergewaltigt worden sei. Doch in seinen Aussagen habe sich das Mädchen später in Widersprüche verstrickt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es keinen hinreichenden Tatverdacht gebe.

Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln wächst bei vielen Frauen die Sorge, sich nicht vor Sexualverbrechen schützen zu können. Die Kölner Frauenberatungsstelle verweist vor allem auf Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstrainings. Ein Patentrezept gebe es nicht und damit auch keinen hundertprozentigen Schutz vor Übergriffen, betont der Opferschutzbund Weißer Ring. Ob eine Frau sich in der Gefahrensituation behaupten kann, hänge auch davon ab, wie organisiert ein Täter vorgehe. Der dringlichste Ratschlag, den Polizei und Opferschutzbund gleichmaßen geben, ist, in der Bedrohungssituation - so gut es geht - auf sich aufmerksam zu machen. "Die 110 ist die sicherste Nummer, wenn man Hilfe braucht", sagt ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei. Aber auch Passanten direkt ansprechen, um Hilfe rufen und sich nach Möglichkeit größeren Gruppen anschließen, seien einfache, aber wirksame Maßnahmen.

Vor diesem Hintergrund sind sich Polizei und Opferschutzstellen jedoch auch darin einig, dass ein vorbeugendes oder vermeidendes Verhalten nicht mit einem Fehlverhalten der Frauen verwechselt werden dürfe. "Man darf auf keinen Fall sagen, das Opfer hat etwas falsch gemacht, und deshalb ist ihm das passiert", heißt es etwa bei der Düsseldorfer Polizei.

Von dem zurzeit populären Einsatz von Pfefferspray und CS-Gas raten Polizei und Weißer Ring gleichermaßen ab. Der Einsatz von solchen Waffen zur Notwehr berge die Gefahr, dass die Täter ihren Opfern die Waffen entreißen und gegen sie selbst einsetzen.

Quelle: RP