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Mönchengladbach
Wie auf einer italienischen Piazza

Mönchengladbach: Wie auf einer italienischen Piazza
Die Band "Die barmherzigen Plateausohlen" spielte als Höhepunkt des ersten Festtages ein Konzert mit Musik aus den 1960ern und 1970ern. Der Marktplatz war dabei rappelvoll. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Das Turmfest genießt Kultcharakter und hatte am Wochenende für jeden etwas zu bieten. Samstagabend trafen sich die Rheydter zu Musik, Bier und gutem Essen. Am Sonntag kamen junge Familien. Sie erlebten das Fest als Sportveranstaltung. Von Christian Lingen

Der riesige Biergarten auf dem Rheydter Marktplatz und auch der vom Ratskeller sind voll besetzt. Wer keinen Platz mehr gefunden hat, sitzt am Rand des Brunnens, entlang der Wiese vor der Hauptkirche, oder steht einfach vor der Bühne. Die Temperaturen laden dazu ein, bis in die späten Abendstunden draußen zu feiern, ein Bier zu trinken und etwas Leckeres zu essen. Dazu gibt es Musik, die jeder kennt, aber die nicht aufdringlich daherkommt.

Das Rheydter Turmfest ist die beliebteste und am besten besuchte Veranstaltung, die der Stadtteil zu bieten hat. Keine andere genießt diesen Kultstatus. "Die Atmosphäre hier ist so, als sitze man irgendwo in Italien mitten auf einer Piazza", sagt Besucher Holger Vits, der am Samstagabend während des Konzertes der Band "Die barmherzigen Plateausohlen" mit Freunden im Biergarten des Ratskellers sitzt.

Das war das Turmfest 2017 in Rheydt FOTO: Ilgner Detlef

Der laue Sommerabend war der Abschluss des ersten Festtages, der zwar weniger Besucher anlockte als erwartet, aber dennoch einiges zu bieten hatte. Dazu gehörte zum Beispiel auch das "Miniatourfieber". Dabei traten die Besucher auf einem Fahrrad, das auf einem Rollentrainer stand, in die Pedale, erzeugten damit Strom und trieben damit ein Modellfahrrad auf einer Carrerabahn an

In den vergangenen Wochen tourte Aktionskünstler Norbert Krause damit durch Schulen und suchte die beste Klasse im Sprint der etwas anderen Art. Das Finale des Wettbewerbs fand am Samstagnachmittag beim Turmfest statt. Gewonnen hat die neunte Jahrgangsstufe des Gymnasiums an der Gartenstraße. "Die Aktion hat den Kindern total gut gefallen. Deshalb biete ich sie heute auch den anderen Besuchern an", sagte Krause, der mit seinem Stand nur am ersten Festtag vertreten war.

Auf dem Harmonieplatz war die Wechselzone des Triathlons. Dort stiegen die Athleten auf die Räder. FOTO: Ilgner Detlef

Gestern stand die 40. Auflage des Turmfestes, mit dem die Rheydter die Fertigstellung der Rathausspitze feiern, im Zeichen des dritten Sparkassentriathlons, zu dem auch die Läden in der Innenstadt öffneten.

Der große Anziehungspunkt ist an diesem heißen Tag vor allem das Wasserbecken, das auf dem Marktplatz am Rande der Hauptstraße aufgebaut ist. Dort steht auch eine große Tribüne, von der aus sich die Schwimmwettbewerbe, Teile der Fahrradstrecke und der Zieleinlauf vor dem Rathaus beobachten lassen. Dort einen Platz zu ergattern, ist alles andere als einfach. Axel Tillmanns vom Stadtsportbund führte als Moderator durch den sportlichen Wettbewerb. "Das Publikum ist jünger und sportlicher als in den vergangenen Jahren. Genau das wollten wir erreichen. Der Triathlon hat dem Turmfest eine ganz neue Qualität verliehen", sagt Peter Schlipköter, Geschäftsführer der städtischen Marketinggesellschaft, zufrieden.

Auf der voll besetzten Tribüne am Rand des Schwimmbeckens schwappten Laola-Wellen durch das Publikum. FOTO: Ilgner Detlef

Die Verbesserungen vor Karstadt gehen voll auf. Es gibt zwei Übergänge, einen als Eingang und einen Ausgang zum Marktplatz, und das Chaos der vergangenen beiden Jahre bleibt aus. Die Triathleten, deren Laufstrecke über Teile des Marktplatzes führt, haben somit keine Probleme, ihren Sport auszuüben. Sowohl die Radstrecke als auch die Laufstrecke sind komplett mit Gittern versehen. Auf der Stresemannstraße bleibt damit genügend Platz für die Besucher des verkaufsoffenen Sonntags. Sie können sogar Teile der Fahrbahn als Fußgängerzone nutzen. Davon macht jedoch kaum jemand Gebrauch. Obwohl die Hitze am Nachmittag vor allem auf dem Marktplatz schweißtreibend ist, läuft der Triathlon glatt. Die Sportler haben keine Probleme. Einige Teilnehmer diskutieren nur darüber, dass Rheydt keine schöne Kulisse für einen Triathlon sei. Damit können sie aber höchstens Teile der Architektur der Rheydter Innenstadt gemeint haben.

Viele Besucher sehen den zweiten Tag des Turmfestes als Sportveranstaltung. Auf der Tribüne am Schwimmbecken starten Laola-Wellen und entlang der Rad- und Laufstrecke feuern einige Besucher die Sportler lautstark mit Rufen und Applaus an, obwohl sie die Triathleten gar nicht persönlich kennen. Während die große Bühne, auf der am Samstagabend noch das Konzert stattfand, dem Zielbereich weichen musste, nutzen die Veranstalter die kleine Bühne neben der Terrassenanlage als Ort der Siegerehrung. Sportler und Besucher vermischen sich dort und sind nur durch ihre Kleidung voneinander zu unterscheiden. Zeitweise ist es auf dem Marktplatz daher so voll, dass es fast schon eng wird.

Die Kinder zieht es an beiden Tagen neben die Hauptkirche. Dort können sie sich an zahlreichen Ständen von Hockey über Tischtennis bis hin zu Kickboxen sportlich betätigen. Besonders beliebt ist aber die Half-Pipe der Rollbrett Union. Sie ist auf der Boulebahn aufgebaut und von Skatern gut frequentiert.

Quelle: RP
 
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