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Mönchengladbach
Wie aus einem Rad ein Instrument wird

Mönchengladbach: Wie aus einem Rad ein Instrument wird
Weil ihnen Geigen, Klarinetten oder Trompeten zu gewöhnlich sind, lassen die Teilnehmer der Umwelt-AG des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums ein kaputtes Fahrrad zu ihrem Musikinstrument werden. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Für den Kreativwettbewerb der Aktion "Clean ist cool" hat die Umwelt-AG des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums ein kaputtes Fahrrad in ein Musikinstrument und Glücksrad verwandelt. Dazu wurde ein Song mit Video aufgenommen. Von Marei Vittinghoff

Wenn Lennart mit dem Haken eines alten Kleiderbügels über die Speichen des Hinterrades streicht, Magdi mit der Fahrradklingel gegen den Drahtkorb schlägt und Mona das rahmenlose Vorderrad mit voller Kraft auf den Boden knallen lässt, kann jedes Orchester einpacken. Denn weil ihnen Geigen, Klarinetten oder Trompeten zu gewöhnlich sind, lassen die Teilnehmer der Umwelt-AG des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums ein kaputtes Fahrrad zu ihrem Musikinstrument werden. Damit ist aber lange noch nicht genug: Die Schüler, die vor Ideen und Kreativität nur so sprühen, musizieren nicht nur mit dem Fahrrad, sie rappen, singen, filmen, basteln und nähen auch noch.

Auf die Idee mit dem Fahrrad sind die AG-Teilnehmer beim jährlichen "Frühjahrsputz" gekommen. Mit Müllsäcken, Handschuhen und Greifzangen bewaffnet, war die Umwelt-AG Anfang April mit weiteren Schülern, Eltern und Geschwistern in den traditionellen Kampf gegen die Verschmutzung der Schulumgebung und des Hans-Jonas-Parks gezogen. "Dabei entdecken wir immer wieder komische Sachen, wie Kleider, Bretter oder Leitern", erzählt beispielsweise Ina. Das ärgerte die Schüler: "Viele Sachen, die man noch benutzen kann, liegen einfach auf der Straße", klagt Emely. Einmal hatten die Schüler sogar ein altes Fahrrad gefunden. Zusammen mit einem Auftritt des Musikers Frank Zappa, der in einer TV-Show in den 1960er Jahren das Potenzial des Fahrrads als Instrument unter Beweis stellte, diente dieses den Schülern schnell als Inspiration für ihre ganz eigenen Ideen.

Schülerin Lena erinnerte sich gleich an das Fahrrad ihres Großvaters, das eigentlich auf dem Sperrmüll landen sollte. Die Teilnehmer der AG befreiten das Fahrrad von seinem Schicksal und zauberten aus ihm mit Hilfe von Blumen und Wollfäden ein kunterbuntes Musikinstrument: "Alles sollte so schön und fröhlich wie möglich aussehen", erzählt Soukaine begeistert.

Um die Klänge des Instruments der besonderen Art auch noch stimmlich begleiten zu können, dachten die Schüler noch weiter. Für den Kreativwettbewerb der Aktion "Clean ist cool", der dieses Jahr unter dem Motto "Ich mags sauber" steht, wollten die Schüler einen Videoclip mit Lied über die Geschichte des Fahrrads drehen. "Letztes Jahr haben wir schon einmal mit einem Rap erfolgreich teilgenommen. Darum wollten wir auch dieses Mal wieder zusammen ein Lied schreiben", erinnert sich Emely.

Gesagt, getan: Bald stand durch viel Teamarbeit der Text ihres ganz eigenen Liedes "Bicyclerecycle" fest, das sich passend zum Kreativwettbewerb um Umweltschutz und Sauberkeit dreht. Die Melodie des Beatles-Hits "Ob-la-di, Ob-la-da", von Emely am Klavier begleitet, bildet den Refrain. Jerome und Tobias, die schon letztes Jahr geholfen hatten, kümmerten sich um Kamera und Schnitt für das Video zum Song, während die zehnjährige Viola kurzerhand zur Kostümbildnerin wurde, indem sie mit ihrer Mutter fantasievolle T-Shirts, Helme und Jacken aus alten Plastiktüten schneiderte.

Am Tag der offenen Tür des Gymnasiums, an dem sich die Umwelt-AG mit einem Mitmach-Stand beteiligen wollte, bekam das gebrauchte Fahrrad sogar noch eine weitere Rolle: Zahlen, Buchstaben und ein gelber Pfeil am Hinterrad verwandelten den ehemaligen Drahtesel in ein Glücksrad. Begleitet hat das Projekt neben Lehrer Axel Knappmeyer noch AG-Leiterin Claudia Busenius-Pongs. Ihr liegt der Kreativwettbewerb besonders am Herzen: "Die Kinder lernen, dass Umweltschutz bei jedem einzelnen anfängt und nur klappt, wenn alle an einem Strang ziehen. Darüber hinaus macht es aber auch einfach Spaß", so die Lehrerin.

Wie viel Freude die Schüler an der Aktion fanden, zeigt allein ein Blick auf die Mitgliederzahlen der AG. Trotz des großen Zeitaufwandes, den die Kinder nicht nur jeden Montag, sondern sogar mal samstags und sonntags in das Projekt steckten, verdoppelte sich die Teilnehmerzahl der AG in kurzer Zeit von zehn auf 20 Schüler. Auch Magdi kam so dazu: "Ich habe vorher immer gedacht, die Umwelt-AG sei langweilig, aber es macht total viel Spaß. Man muss es einfach mal ausprobieren", weiß der Elfjährige.

Ob die Schüler den Wettbewerb wirklich gewinnen, ist für sie zweitrangig: "Es hat trotzdem Spaß gemacht, und wir haben etwas Gutes getan", sagt etwa Soukaine. Und fügt hinzu: "Das Wichtigste ist der Zusammenhalt in der AG."

Quelle: RP
 
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