| 15.37 Uhr

Mönchengladbach
Das 40-Grad-Experiment

Spiegeleier im Sommer braten
Mönchengladbach. "Da kannste ein Spiegelei drauf braten". Dieser Satz fällt seit Jahrzehnten regelmäßig, wenn das Thermometer mehr als 30 Grad anzeigt. Gemeint ist die Motorhaube von in der Sonne geparkten Autos. Aber geht das eigentlich wirklich? Ein Ei auf einer Motorhaube zu braten? Oder Speck? Und wie sieht es auf anderen Untergründen aus? Wir wollen es wissen und wagen den Test in der Mittagshitze bei knapp 38 Grad. Von Laura Schameitat und Sabine Kricke

Nachdem wir uns sicherheitshalber noch einmal fingerdick mit Sonnencreme eingeschmiert haben, fahren wir zum Gelände des THW Mönchengladbach, das uns freundlicherweise seinen Übungsplatz für unser Experiment zur Verfügung gestellt hat. Mitten auf dem Platz steht - auf die Seite gekippt - eine schwarze Schrottkarre in der prallen Sonne. Das perfekte Testfeld. Kurz mal mit den Händen drauf gepackt. Aua! Ja, der Lack ist echt saumäßig heiß.

Mit einem Stock verteilen wir Butter auf dem Kotflügel des Autos. Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten fängt das Fett ganz leicht an zu brutzeln. Dann muss es mit dem Ei und dem Speck doch auch klappen, oder? Optimistisch gestimmt schlagen wir das Ei über der Karre auf. Damit es nicht einfach am Auto runter läuft, haben wir eine Spiegelei-Form mitgebracht. Den Speck legen wir einfach so auf den Lack.

Dann passiert erst mal…nix.

"Ihr müsst dem Ei Zeit geben", sagt der Kollege. Na, gut. Also warten wir. Zehn Minuten, 20 Minuten. Immerhin können wir in der Zeit mal in den Schatten gehen. Nach einer halben Stunde gehen wir nochmal gucken, wie es unserem Mittagessen so geht. Und entscheiden dann: Wir beenden Test Nummer eins.

Speck und Ei sehen unverändert aus. Wir haben ja noch ein paar Versuche übrig. Zurück in der Redaktion klettern wir auf unser Flachdach. Durch die Sohlen unserer Schuhe können wir die Hitze spüren. Also, hier muss es jetzt aber klappen! Platsch! Schon liegt das Ei auf der Dachpappe. Den Speck legen wir fein säuberlich daneben. Diesmal sparen wir uns die Butter.

Nach dem ersten Test hätte man die auch nur noch kippen können, so flüssig ist sie geworden. Wir haben gelernt. Und warten daher geduldig ab. Nach einer halben Stunde gehen wir wieder gucken. Und sind enttäuscht. Auch hier missglückt das Experiment. Wir wollen doch endlich ein Ei brutzeln sehen!

Vielleicht klappt es ja mit dem Kunstrasen. Den haben wir in einem Deko-Geschäft gekauft und auf das Redaktionsdach gelegt. Und los! Das Ei verteilt sich im satten Grün, den Speck legen wir daneben. Und gehen zurück in die Redaktion. Nach einer halben Stunde kommen wir wieder. Optimistisch sind wir zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Und wir sollen Recht behalten: Beide Testobjekte sehen aus wie immer. Das Ei: flüssig und glitschig. Der Speck: labbrig und blass.

Wer also geglaubt hat, er könnte sich sein Mittagessen bei Hitze im Freien braten, der irrt. Ohne Herd geht gar nichts. Und wir können sowieso erst mal keine Eier mit Speck mehr sehen.

(skr)
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