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Mönchengladbach
Wie Burkhard Spinnen die Bücher lieben lernte

Mönchengladbach. Der Autor las in der Zentralbibliothek aus seinem neuen Werk. Bücher nennt er "Mitbewohner, Freunde, Helfer". Von Sigrid Blomen-Radermacher

"Eine Liebeserklärung an das Buch" sei das neue Bändchen des in Mönchengladbach geborenen Burkhard Spinnen, so ist an vielen Stellen zu lesen. Da fühlt es sich an, als würden Eulen nach Athen getragen, wenn Spinnen seine Liebeserklärung unter dem Titel "Das Buch" in der Stadtbibliothek vorstellt. Denn soll es etwa Menschen geben, die die Stadtbibliothek ohne diese unstillbare Liebe zum Buch betreten? Aber andererseits: Liebe zu wem oder was auch immer muss schließlich gut gehegt und gepflegt werden.

Und das tut Spinnen in seinen Essays, die Titel tragen wie "Das gestohlene Buch", "Pferde und Bücher", "Das schöne Buch" und so weiter und so fort. In jedem Kapitel beleuchtet Spinnen auf kluge und amüsante Weise Aspekte der Bücherliebe, die jedem Leser und jeder Leserin so oder ähnlich vertraut sind und ihm solch ein schönes "Ja genau"-Gefühl geben.

Mutig ist Spinnen auch. Erzählt er doch ausführlich von seinen Leseanfängen in der alten Stadtbücherei in Mönchengladbach, die der junge Spinnen schon früh aufsuchte und in der er sich durch die Abteilungen, die streng nach Alter sortiert waren, durchlas. Etwas älter geworden, hatte er keine Geduld mehr, länger auf die Erwachsenenabteilung zu warten, und überredete kurzerhand seinen Vater, einen Leseausweis zu besorgen, über den künftig der Sohn sich Zugang zur Literatur verschaffte, die nicht mehr in der Kinder- und Jugendbuchabteilung stand. Seine kleine List wurde nie entdeckt - und ist mittlerweile verjährt. "Ich habe alles in der Bibliothek von Anfang an geliebt", gesteht Spinnen ein: die Ordnung, die Strenge des Personals, die Leihfristen, die sein Leseleben takteten, das händische Verbuchungsverfahren, das zu langen Schlangen führte. Hier liegen die Wurzeln für Spinnens Liebe zum Buch, zum Lesen und letztendlich zum Schreiben.

Dass das Buch im Papierformat gefährdet ist, beleuchtet Spinnen in dem Kapitel "Pferde und Bücher" - und vergleicht den Umstieg vom Pferd aufs Auto mit den aktuellen Entwicklungen. Scheinbar unausweichlich - doch verzichtet Spinnen auf Technikkritik und betont eindeutig seine Treue zu den papierenen Büchern, die "Mitbewohner, Freunde, Helfer" seien. "Ein ganz trauriges Kapitel" nennt er den Essay "Das unvollständige Buch". Wer kennt das nicht: ein Buch, in dem Seiten fehlen? Dies sei "ein Sarg aus Papier", so Spinnen. Oder Bücher, die von den Vorlesern "mit spitzem Bleistift gelesen" und kommentiert wurden, auch sie zählen nicht zu den Favoriten des Autors und fanatischen Büchersammlers, der Wochenenden lang auf Flohmärkten nach Schätzen suchte und sich im Kapitel "Der Bücherfund" die Frage stellt: "Hatte ich die Bücher ausgewählt oder sie mich?"

"Das Buch", ein Muss für jeden Buchliebhaber und passionierten Leser, ist bei Schöffling & Co. erschienen, zählt 144 Seiten und ist liebevoll und sehr besonders illustriert von Line Hoven.

Quelle: RP
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