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Mönchengladbach
Wie ein Gladbacher den Blinden half

Mönchengladbach. Vor 140 Jahren kam Ernst Jakob Christoffel zur Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete er in der Türkei ein erstes Heim für Blinde, später arbeitete er lange im Iran. Nach Christoffel wurde die Blindenmission benannt. Von Bent Langner

Welche Möglichkeiten hatte man als Blinder oder anderweitig behinderter Mensch vor 100 Jahren? Die Antwort ist einfach: nicht viele. Dass sich dies geändert hat, ist auch dem Mönchengladbacher Ernst Jakob Christoffel zu verdanken. 1908 reiste der am 4. September 1876 in Rheydt geborene Pastor in die Türkei und gründete dort ein Heim für Blinde. In diesem Heim konnten Blinde, Taubstumme und alle, die sonst kein Zuhause hatten, leben. Sie lernten dort Lesen und Schreiben und konnten dort arbeiten. Viele Menschen mit Behinderung befreite er auf diese Weise aus der Armut und ermöglichte ihnen ein weitgehend eigenständiges Leben.

Christoffel unterschied auch nicht zwischen Nationalität, Religion oder Geschlecht: Ihm war jeder willkommen. Der Erste Weltkrieg machte ihm zunächst einen Strich durch die Rechnung, da er aus der Türkei ausgewiesen und das Heim verloren wurde. Zurück in Deutschland, gründete er die "Christliche Blindenmission im Orient e. V." (CBM). Erst 1925 und dann 1928 gründete er erneut Heime, diesmal im Iran. Hier lebte er und half den Menschen dann bis zu seiner Ausweisung im Zuge des Zweiten Weltkriegs.

Vor der Ausweisung war Ernst Jakob Christoffel von 1943 an für drei Jahre inhaftiert, da er seine Schützlinge nicht hatte alleine lassen wollen. Anfang der 1950er Jahre, als sich die politische Situation stabilisiert hatte, kehrte er jedoch zurück. Er arbeitete dann noch bis zu seinem Tod 1955 im iranischen Heim in Isfahan. Dort liegt er auch begraben. Bis zuletzt bedauerte er, keine Heilung für die Blinden liefern zu können.

Die 1956 in "Christoffel-Blindenmission" umbenannte CBM tut das mittlerweile. Neben der Befähigung und Inklusion Behinderter in Entwicklungsländern ist die medizinische Hilfe das Hauptbetätigungsfeld der Organisation. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die in mittlerweile 63 Ländern aktive CBM die führende Organisation in puncto Blindenheilung und Blindheitsverhütung. Und sie ist äußerst erfolgreich: Im vergangenen Jahr ermöglichte die CBM 460.000 Graue-Star-Operationen und sorgte für die Versorgung von 18,4 Millionen Menschen mit Medikamenten gegen die Augenkrankheiten Flusskrankheit und Trachom.

"Das hätte unseren Gründer Christoffel sehr gefreut", ist sich Dr. Rainer Brockhaus, Geschäftsführer des CBM, sicher.

Quelle: RP
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