| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Wie ein Kunstprojekt verbindet

Mönchengladbach. Im Café Emmaus kamen in diesem Schulhalbjahr regelmäßig Förderschüler, Wohnungslose und Bedürftige zum gemeinsamen Kunstunterricht zusammen. Von Marei Vittinghoff

Im Café Emmaus geht es ganz schön bunt zu. In einem großen Pappkarton auf dem Tisch befinden sich zahllose Schnipsel aus Leinwandstoff, die mit grüner oder roter Farbe bemalt wurden. Nun sollen die Stücke auf einer leeren Leinwand zu einem völlig neuen Kunstwerk kombiniert werden. Um den Tisch mit den Stoffschnipseln hat sich darum eine kleine Traube aus Jugendlichen und Erwachsenen gebildet, die fleißig damit beschäftigt ist, Stücke zurechtzulegen, wieder umherzuschieben und nach mehrmaliger Begutachtung mit einem lauten Knall mit dem Tacker zu befestigen. Was eben noch einfarbig war, beginnt durch die Zusammenführung beider Farben immer mehr zu leuchten. Auch Laslo Tot ist mit vollem Elan dabei. "Ich bin Rentner. Für mich ist das hier ein absoluter Spaß", sagt er zufrieden. Montags bis freitags kommt er in den Rheydter Tagestreff für wohnungslose und bedürftige Menschen, trinkt Kaffee, spielt Billard und tauscht sich mit den Leuten aus, die ihn schon jahrelang begleiten. Der Donnerstag sticht dabei seit einigen Monaten besonders heraus: Dann kommen die Schüler der Förderschule Dahlener Straße zum gemeinsamen Kunstunterricht vorbei und bringen im wahren Sinne des Wortes Farbe in das Café Emmaus.

Die Idee zu dem Kunst-Projekt hatte Sozialarbeiterin Astrid Thiess bereits vor zwei Jahren, als sie im Rahmen ihres Studiums gerade ein Praktikum in der Tageseinrichtung machte. Da sie die Kunstlehrerin der Schule, Felicitas Wagner-Schiemann, und ihre Projekte kannte, stand schnell fest, dass man zusammenarbeiten wolle. "Die Schüler sind einfach offen und gehen ohne Vorbehalte auf die Besucher des Cafés zu", freut sich Thiess. "So fühlen sich die Gäste aufgehoben und man kommt über die Tätigkeit leicht ins Gespräch".

Dass Kunst Leben und Gemeinschaft schafft, beweist schon die mit bunten Schnipseln beklebte Theke sowie die Borussen-Raute an der Tür, die während der ersten Aktion 2015 geschaffen wurden. "Die Gäste passen sehr gut auf, dass nichts zerstört wird", erzählt Thiess. Anders als bei anderen Einrichtungsgegenständen, habe es bei Tür und Theke keine Form von Vandalismus gegeben. "Die Besucher sind einfach begeistert, dass sie ihren Wohlfühl- und Schutzraum selbst mitgestalten können", sagt Sozialarbeiter Christoph Föhles. Das stärke das Selbstbewusstsein, die Integration und das Gemeinschaftsgefühl und gebe auf diese Weise Impulse, die eigene Lebenssituation zu verbessern.

Nicht nur die Gäste des Cafés können im Austausch mit den Schülern Erfolgserlebnisse sammeln, sondern auch die Jugendlichen selbst. "Es ist schön, mal etwas ganz anderes zu sehen. Der Kontakt mir den Menschen und die Atmosphäre ist einfach toll. Es ist mal fröhlich und mal traurig hier. Ich habe gelernt, dass Armut jeden treffen kann", sagt die 17-jährige Schülerin Simone. Im nächsten Jahr möchte sie das Projekt darum in der Berufspraxisstufe mit begleiten, um auch anderen Schülern diese Möglichkeit zu geben. Dann hoffen die Projektleiter auch, vielleicht noch einen regionalen Künstler als Projektpartner dazuzugewinnen.

Die Bilder, die die Schüler und die Besucher in diesem Jahr angefertigt haben, können nun gegen eine Spende erworben werden. Wer Interesse hat, kann sich unter der Nummer 02166 1309732 im Café Emmaus melden. "Das wäre eine tolle Wertschätzung für alle", sagt Thiess.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Wie ein Kunstprojekt verbindet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.