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Wie Gladbach am großen Rad dreht

Analyse: Wie Gladbach am großen Rad dreht
Ein Freizeitpark im JHQ-Gelände? Das Projekt "Seasons" ist weiterhin eine große Nummer, daran wird weiter gearbeitet. Gladbachs Baudezernent Gregor Bonin ist überzeugt, dass die Stadt am großen Rad drehen kann. FOTO: dpa
Mönchengladbach. Das Beispiel Seasons zeigt: Die Stadt traut ihrer eigenen Bedeutung selbst noch nicht so recht über den Weg. Dabei ist gerade das Bemühen um den großen Freizeitpark eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Mit noch offenem Ende. Von Ralf Jüngermann

Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt führt in Gladbach immer noch ein sechsspuriger Highway. Jüngste Ausfahrt: Seasons. Was ist passiert? Nichts. Genauer: gar nichts. Das Milliardenprojekt stockt. Was viel heißen kann. Zum Beispiel, dass nichts wird aus der Idee, im JHQ einen Freizeitpark zu bauen. Es kann aber genauso gut heißen, dass das Projekt eine Schleife dreht. Bauvorhaben dieser Dimension gehen niemals glatt durch. Da gibt es oft einen wahren Hindernis-Parcours. Die Verhandlungen, bei denen es um so viele Nullen geht, sind keine Sprints, sondern Marathonläufe.

Darum gibt es in dieser Phase eine ziemlich einfache Betrachtungsweise: Das Seasons ist eine immense Chance für die Stadt. Ob was daraus wird, ist unklar. Die Stadt wird alles Erdenkliche tun, damit es gelingen kann. Natürlich mit klarem Kompass: Gladbach muss größtmöglichen Nutzen von so einem Projekt haben. Die Stadt muss genau wissen, was sie will und dafür eintreten. Sollte es trotz aller Mühen kein Mega-Freizeitpark werden, wird es gewiss etwas anderes richtig Großes. Wie lukrativ diese Fläche ist, lernen wir ja gerade. Und dann passiert am Ende vielleicht das, was in der Innenstadt zu besichtigen ist: Nach dem Scheitern der ECE-Idee mit dem Tunnel und dem Abtrennen des Gründerzeitviertels kam das Minto - also die bessere Lösung. Also alles im grünen Bereich.

Freizeitpark im JHQ

Doch die ganz größen Räder - und das Sesaons ist ein solches - sorgen bei vielen verantwortlichen Gladbachern noch für ein mulmiges Gefühl. Flüssig kommt diese Erfolgsgeschichte - um nichts anderes geht es - im Moment vor allem Baudezernent Gregor Bonin und den beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Hans Peter Schlegelmilch und Felix Heinrichs, über die Lippen. Während alle anderen angesichts des Zwischenstands der Verhandlungen je nach Motivlage und persönlichem Horizont von hasenfüßig über schicksalsergeben bis frohlockend (endlich mal wieder ein Scheitern!) reagierten, sagte Bonin gestern auf die Frage, ob das Seasons-Projekt tot sei, dieses: "Tot? Es ist das genaue Gegenteil von tot. Wir glauben an diese Idee und arbeiten hart daran. Heute genau so hart wie gestern und morgen." Ende der Durchsage.

Man hätte das genau in dieser Tonalität, mit diesem gesunden Selbstbewusstsein, klar und ohne jede Arroganz, gerne auch am Mittwoch im Rat gehört. Die freie Fläche mit wunderbarem Grün und toller Verkehrsanbindung liegt im Herzen Europas. Und wer für sie eine Verwendung erfindet, für die Menschen bereit sind, sich drei Stunden ins Auto zu setzen, kann zig Millionen erreichen: im Rheinland, im Ruhrgebiet, im Rhein-Main-Raum, in den Großräumen Rotterdam, Antwerpen und Brüssel. Das ist ein Geschenk für diese Stadt. So groß, dass es sich mancher einfach nicht vorstellen will - oder kann.

Rückblick: Die Welt des JHQ in Mönchengladbach FOTO: Margarethe Fols
Quelle: RP
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