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Bevölkerungsschwund
Wie Gladbach "wachsende Stadt" wird

Bevölkerungsschwund : Wie Gladbach "wachsende Stadt" wird
Die Prognosen sagen für Mönchengladbach bis zum Jahr 2030 einen kräftigen Bevölkerungsschwund voraus. CDU und SPD wollen aber dafür sorgen, dass die Stadt stetig wächst. Ihr Ziel: Junge Familien mit Kindern in die Stadt holen. FOTO: dpa
Mönchengladbach. Roermonder Höfe, Bunter Garten, Reme-Gelände, Maria Hilf - in der Stadt wird in den kommenden Jahren viel gebaut. Welche Auswirkungen hat das auf die Bevölkerungsstruktur? Demografie-Management wird jetzt zum Gesamtkonzept. Von Dieter Weber

Der Name steht fest: "Wachsende Stadt". Er umfasst ein Thema, das Politiker und Verwaltungsexperten seit mehreren Jahren umtreibt und das vielschichtig ist: Wie kann Mönchengladbach nicht nur an Einwohnern zunehmen, sondern auch die Bevölkerungsströme gezielt steuern und daraus wiederum eine perspektivische Planung ableiten? Für Gladbach ist das sehr wichtig, denn Prognosen gehen von einem Bevölkerungsschwund von jetzt rund 264.000 auf 240.000 Einwohner bis zum Jahr 2030 aus.

Weniger Einwohner bedeutet auch: weniger Kaufkraft, weniger Wohnungen, weniger Arbeitskräfte, weniger Infrastruktur, weniger finanzielle Zuschüsse. Gestern Abend brachten CDU und SPD mit einem gemeinsamen Antrag im Hauptausschuss eine Handlungsempfehlung auf den Weg. Und sie gaben die Aufgabe mit: Die Verwaltung muss eine Organisationsstruktur entwickeln, die zur "Wachsenden Stadt" führen soll - methodisch, inhaltlich, operativ. Dafür stellen sie für die Jahre 2016 bis 2019 insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung. Die FDP beklagte in der gestrigen Sitzung, dass das Thema Demografie seit einem Jahr brach liege, nachdem es Anfang 2015 interfraktionell behandelt wurde.

Eine Visualisierung der Roermonder Höfe FOTO: Schrammen

Es überrascht nicht, dass diese zu schaffende Organisationsstruktur federführend beim neuen Technischen Beigeordneten Gregor Bonin angesiedelt ist. Denn er hat bei seinem Amtsantritt - unter anderem in einem RP-Interview - deutlich gemacht, dass nach seiner Meinung Mönchengladbach nur durch ein stetiges qualitatives Wachstum die Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte bewältigen kann. Wenn zum Beispiel neue große Wohngebiete mitten in der Stadt - Roermonder Höfe, Bunter Garten, Reme-Gelände, Maria Hilf - entstehen, wird das zwangsläufig Auswirkungen auf die bestehende Struktur haben - innerstädtisch und in den Außenbezirken. Gelingt es, in den neuen Wohngebieten in einem großen Maß Neubürger anzusiedeln, wird der Bevölkerungsschwund vermutlich in dem prognostizierten Zeitraum nicht so intensiv ausfallen. Werden aber vornehmlich Gladbacher lediglich ihren Wohnort verlegen, wird das erhebliche Auswirkungen auf bestehende Wohngebiete haben. Deshalb verfolgt Bonin auch einen Ansatz, der über die alleinige Beteiligung der Stadtverwaltung mit ihren unterschiedlichen Fachbereichen hinaus geht. "Wir müssen dabei mehrere städtischen Töchter einbinden: die Wohnungsgesellschaften, EWMG, WFMG, MGMG", sagt er. Und er hat klare Vorstellungen, welchen Grundüberlegungen die "Wachsende Stadt" entsprechen muss: "Wir müssen Wanderungsbewegungen analysieren. Wir müssen Flächenmanagement betreiben. Wir müssen den Wohnungsbedarf untersuchen und feststellen, wo wir was brauchen. Und wir müssen uns Gedanken machen, welche Konsequenzen die Ergebnisse für Kultur, für Sport, für Kindergärten, für Schulen haben."

Dabei spielt ebenfalls eine Rolle, wie gezielt Wanderungsbewegungen beeinflusst werden können. Etwa dass man Wohnungsbau-Pilotprojekte in Innen- und Außenbezirken vorantreibt und sie eine Art Leuchtturmcharakter haben. Oder dass Quartiersstrukturen gezielt gestärkt werden. Das soll dann auch offen kommuniziert werden - Mönchengladbach soll als wachsende, moderne, dynamische und selbstbewusste Großstadt im Grünen vermarktet werden.

Und auch da gibt es eine kleine, aber nicht unwesentliche Akzentverschiebung in der Außendarstellung: Die Mönchengladbacher Kreativen werden in diesen Prozess voll einbezogen.

Quelle: RP
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