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Mönchengladbach
Wie Kitas Kindern Deutsch beibringen

Mönchengladbach: Wie Kitas Kindern Deutsch beibringen
Der Start in den Tag in der Kita Sausewind: Die Erzieherinnen Christiane Paesler (mit Gitarre) und Karin Skora singen und reden beim Morgenkreis viel mit den Kindern. Jeden Tag führt ein Kind die Liste, wer alles da ist. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Jedes vierte Kind in der Tagesbetreuung lernt zu Hause kaum Deutsch. Deshalb arbeiten die Erzieherinnen in den Einrichtungen immer mehr an der Sprachförderung der Kinder. Das passiert im ganz normalen Alltag. Von Andreas Gruhn

Der Umgang mit der deutschen Sprache wird in den Mönchengladbacher Kindergärten immer wichtiger. Insgesamt 1901 Kinder, die einen Platz in der Tagesbetreuung haben, kommen aus Familien, in denen entweder gar nicht oder vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird. Das sind 27,7 Prozent. Mehr als jedes vierte Kind versteht demnach gar nichts oder nur kaum etwas davon, was seine Altersgenossen im Kindergarten sagen. Etwa jedes dritte Kind kommt aus einer Familie, bei dem mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Diese Quote hat das Statistische Landesamt IT NRW ermittelt, Mönchengladbach liegt darin einige Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Insofern wird die Arbeit mit Kindern an der deutschen Sprache schon im Kleinkindalter immer wichtiger. "Sprachförderung ist immer schon ein wichtiger Teil im Kita-Alltag gewesen", sagt Gladbachs Jugendamtsleiter Reinhold Steins. "Nicht nur für Migranten und Flüchtlinge, sondern auch elementar für deutsche Kinder."

Wenn Kinder unter sechs Jahren in der Kita Deutsch lernen, dann geschieht das nicht etwa mittels Lehrer in einem eigenen Raum. Moderne Sprachförderung ist vollständig in den Kita-Alltag integriert. "Erzieher berücksichtigen immer, wie man Gegenstände erklären kann, und formulieren es in ganzen Sätzen", sagt Steins. "So funktioniert es bei Kindern sehr schnell, über Alltagskommunikation eine Verständigungsbasis herzustellen."

Dazu hat das Land NRW seine Sprachförderung in Kitas seit diesem Kindergarten-Jahr umgestellt. 5000 Euro pro Kita werden verteilt an Einrichtungen mit einem besonders hohen Anteil Familien, die nicht Deutsch sprechen. Das betrifft gut 100 der 133 Einrichtungen in der Stadt. Mit dem Geld werden Sachkosten bezahlt. Zusätzlich gehören einige Einrichtungen in der Stadt zum neuen Bundesprogramm "Sprach-Kitas".

So wie etwa die Kita Zauberland in Mülfort. Dort ist der Anteil der Kinder mit ausländischen Wurzeln noch höher. Von den derzeit 80 Kindern haben rund 85 Prozent einen Migrationshintergrund. "Wir nutzen jede Situation im Alltag zur Sprachförderung und Sprachbildung", sagt Hedwig Püllen, Erzieherin und Fachberatung der "Sprach-Kitas". "Wir ziehen dir jetzt den rechten Schuh an und binden ihn zu, dann machen wir die Jacke zu, und dann setzen wir die Mütze auf den Kopf", sind typische Sätze, die dann etwa fallen, um den Wortschaft zu fördern. Je nach Sprachstand des Kindes wird die Förderung individuell entwickelt - und entsprechende Spiele oder Übungen beim Turnen angeboten. "Wir begleiten die Handlung mit Sprache individuell an die Bedürfnisse des Kindes angepasst", sagt Püllen. Sie ist außerdem eine von demnächst vier Multiplikatoren in der Stadt, die dieses Konzept der alltagsintegrierten Sprachförderung in den städtischen Kitas verbreiten.

In der Kita Sausewind in Eicken funktioniert das ähnlich, auch wenn die Einrichtung nicht mehr im Bundesprogramm geführt wird. Täglich findet der "Morgenkreis" mit Musik und Gesprächen statt, und reihum führt eines der Kinder eine Liste, wer denn alles da ist. An den Garderoben sind nicht nur Fotos der Kinder angebracht, sondern auch der vollständige Name. Dort ist etwa jedes zweite der 74 Kinder ausländischer Herkunft. "Wir besuchen oft die Bücherei, zwei Mal in der Woche kommen Lesepaten zu uns, und in der Ruhezeit haben die Kinder Bücherangebote oder hören Hörbuch-CDs", sagt Leiterin Petra Schmidt. Manch ein Kind fängt nach wenigen Wochen an, Deutsch zu sprechen. Bei anderen dauere es viele Monate.

Quelle: RP
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