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Mönchengladbach
Wie Lemminge den Klimawandel vorhersagten

Mönchengladbach: Wie Lemminge den Klimawandel vorhersagten
Benoit Sittler ist mit seiner Forschungsgruppe seit 30 Jahren regelmäßig in Grönland. Die Schüler hörten ihm gebannt zu. FOTO: Dominik Lauter
Mönchengladbach. Der Grönland-Forscher Benoit Sittler berichtete vor Schülern des Gymnasiums Gartenstraße von seinen Expeditionen. Von Dominik Lauter

Ob in den Medien oder in der Politik: Der Klimawandel spielt eine immer größere Rolle in unserem Alltag. Regelmäßig wird vom Schmelzen der Eiskappen, Stürmen oder anderen Katastrophen berichtet, die auf die Entwicklung des Klimas auf der Welt zurückzuführen seien. Manche halten diese Entwicklung allerdings für frei erfunden. Was ist also dran am Klimawandel? Oberstufenschüler des Gymnasiums an der Gartenstraße hatten nun die Möglichkeit, einem erfahrenen Ökologen zuzuhören und von den Auswirkungen des Klimawandels aus erster Hand zu erfahren.

Benoit Sittler ist Professor für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und leitet seit 1988 jährlich eine Expedition in die Tundra des größten Nationalparks der Welt im Nordosten von Grönland. Was für ihn bereits zu Studienzeiten als Projekt mit einigen Kommilitonen begonnen hatte, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer regelmäßigen Forschungsexpedition in die Kälte der Arktis. Der Klimawandel war damals allerdings gar nicht der treibende Faktor. "Von etwas wie dem Klimawandel hat noch keiner gesprochen. Unsere Forschung befasste sich damals mit der Legende der Lemminge", so Sittler. Die besagt, dass sich die kleinen Wühlmäuse in selbstmörderischer Absicht von Klippen ins Meer stürzen, und basiert auf dem plötzlichen und mysteriösen Verschwinden von tausenden Lemmingen. "Wir wollten einfach wissen, was wirklich der Grund für das Massenverschwinden ist, und daher beschlossen wir, eine Forschungsreihe zu starten." Ursprünglich sollte nur ein Populationszyklus beobachtet und mit Bildern, Grafiken und Erfahrungsberichten dokumentiert werden, die Sittler den Schülern nun präsentierte. Das Geheimnis war schnell gelüftet. Die Lemminge machen Populationswanderungen, um neue Nahrungsquellen zu erschließen - dabei wurden viele Opfer von Fressfeinden.

Allerdings fiel dem Forscherteam nach einigen Jahren eine ungewöhnliche Entwicklung auf: Die Population regenerierte sich nicht mehr regelmäßig und auch die Anzahl der Tiere erholte sich nicht mehr wie in den Jahren zuvor. "Zeitgleich bemerkten wir noch etwas Eigenartiges. Schnee und Eis kamen wesentlich später und schmolzen früher im Jahr." Den Forschern war bewusst, dass die Lemminge sich im Winter und Frühling unterhalb des Schnees fortpflanzen. Sittler erklärte dieses Verhalten: "Über der Schneedecke herrschen in der Regel Temperaturen von minus 30 Grad Celsius mit eisigem Wind. Unterhalb sind es verhältnismäßig warme minus 5 Grad." Durch die zunehmende Erwärmung der Erde fehlte die schützende Schneeschicht für die Nester der Lemminge. Das Ergebnis: Die Lemminge wurden immer öfter Opfer der Fressfeinde. "Und so haben wir quasi nebenbei einen Beitrag zur Erderwärmungs-Forschung geleistet."

Die vielen Fragen und Anmerkung im Anschluss machten klar: Der Vortrag mit vielen Bilder hat Eindruck bei den Schülern gemacht. "Man hört in den Medien häufig einfach nur, dass es diesen Klimawandel gibt. Es ist selten, dass Beweise oder Auswirkungen davon gezeigt werden, wie es Herr Sittler gemacht hat", sagt die 16-jährige Alina Rheydt. Auch ihr Mitschüler Frederic Siebold findet eine derartige Forschung unterstützenswert - vor allem finanziell, da diese Forschungsreihe nur durch Sponsoring und Crowdfunding ermöglicht werden kann. Zeynep Bicici nimmt die Politik in die Verantwortung. "Notfalls muss man mit den Daten und Ergebnissen auf die Straße gehen und die Leute aufklären."

Benoit Sittler hat es geschafft, dass zumindest einige Schüler über eine nachhaltigere Lebensweise nachdenken. In den kommenden Wochen werden die Themen im Biologie Unterricht weiter vertieft.

Quelle: RP
 
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